drukowana A5
17.46
Die Warschauerin

Bezpłatny fragment - Die Warschauerin

Objętość:
64 str.
Blok tekstowy:
papier offsetowy 90 g/m2, druk czarno-biały
Format:
145 × 205 mm
Okładka:
miękka
Rodzaj oprawy:
blok klejony
ISBN:
978-83-288-1031-0

PERSONEN

General Chłopicki

General Jan Skrzynecki

General Graf Pac

Kasimir Małachowski

Der junge Offizier

Maria

Anna

Deren Mutter

Der alte Veteran

Der Dichter

Generäle, Offiziere, Edelleute.

Die Szene spielt am 25. Februar 1831, dem drittenTage der Schlacht bei Grochowo

Vor der Stadt, ein Landhaus; im Erdgeschoss. Eingeräumiger Salon im Empiregeschmack, licht undweiß; die Wände von hohen Pfeilern unterbrochen;hier und da etwas Goldverzierung. Im Hintergrundezwei breite Fenster, dicht beieinander knapp durchPfeiler getrennt, nehmen fast die ganze Wand ein.Links und rechts hohe Türen, darüber nachgedunkelte Bilder: Porträts in der Tracht von 1810. Zwischen den Fenstern auf hohem Postament eine BüsteNapoleons als Kaiser Augustus aus weißem Marmormit einem Lorbeerkranz. Der Estrich ist dunkel, fastschwarz. Alte weiße Empiremöbel; die Lehnen derSessel sind zu Lauten in Filigranarbeit gedrechselt.Mitten im Salon ein Spinett. Eine Bronzekrone hängtvon der Decke herab.

Durch die weißen Tüllgardinen an den Fensternsieht man die Landstraße; in der Ferne Gärtenund die Stadt im Schnee; es schneit. Morgen; vorsieben. —

Ununterbrochener ferner Kanonendonner, kaum hörbar, dauert während des ganzen Spieles an. Zahlreiche Personen, Generäle, Offiziere, Herren in der Tracht der dreißiger Jahre gehen und stehen inGruppen und unterhalten sich halblaut; die Mienender Militärs — älterer, unter Napoleon gedienter, undjüngerer Freiwilliger — haben etwas Herausforderndes. Im Vordergrunde links steht Chłopicki in dunkelmbürgerlichem Anzuge, einen sehr weiten grauen Mantel nachlässig umgeschlagen, die Hände über derBrust gekreuzt, den Blick nach oben gerichtet; dieganze steife, stolze, verächtliche Haltung strömt Willensstärke, Kraft und Unnahbarkeit aus. Er stehtallein, nachdenklich, gleichsam ungeduldig über seineGedanken.

Im Saale befinden sich General Jan Skrzynecki, General Ludwig Michael Graf Pac, General Jan Nepomuk Umiński, Peter Wysocki, Barzykowski, Kasimir Malachowski, Rybiński, die beiden Mycielski, Ledóchowski, Wołowski, Błendowski, Borzewski, Zawisza, Plichta. Maria und Anna, erwachsene junge Mädchen, Töchter des Hauses, beide weiß gekleidet;weite Reifröcke, steife bauschige Ärmel, die dichtunter den Achseln ansetzen; sie sitzen mit dem Rücken gegen den Zuschauer am Spinett und spielen; bereiten sich zum Singen vor. — Im Saal laute Unterhaltung, die mit dem einsetzenden Spiele verstummt...

— als Stille eingetreten ist:

MARIA

zu Anna

— — — — — — — — — — — —

Er ritt davon —, mir ist so weh und bang

Ums Herz. — Als er aufs Pferd sich grade schwang,

Trat ich ans Fenster. — Draußen ward es Tag, —

Allein sein scharfgewohntes Auge mag

Das Leuchten meines Kleids getrunken haben;

Denn seinen Kopf nach mir zurückgewandt

Legt er die Hand wie grüßend auf sein Herz. —

Der Ersten einer ritt er von uns fort.

Der General hat selbst ihn fortgesandt

Auf seinen Posten. Stolz gestand er mir,

Wie neidisch alle andern auf ihn sind ...

ANNA

Warum musst er, da doch die andern hier

Noch weilen, in der Frühe von uns fort?

MARIA

Ich wollte ihn als Helden sehen, Kind.

ANNA

So war es dein Befehl? ...

MARIA

      Nenns nicht Befehl,

Was meine Seele atmen lässt und schwingen; —

Er soll sich jungen Heldenruhm erringen. —

Das Schicksal ängstigt mich — und fern verliert

Sich meines Glückes Lied in stummer Ruh.

Unruhe deckt mit nebelhaften schwarzen,

Gespenstischen Flügeln meine Seele zu.

— — — — — — — — — — —

DER JUNGE OFFIZIER

zu Chłopicki

Ich lieb, Herr General, die Jüngre, Blonde.

CHŁOPICKI

wendet plötzlich den Kopf zu den Mädchen, misst sie mit einemBlick, nimmt dann wieder seine frühere Haltung ein

Die Ältere gefällt mir mehr;

— Also auch Sie verliebt und wohl

Sterblich verliebt.

Warum die andre nicht —?

Beneidenswerter Stolz,

Der diese Stirne krönt.

DER JUNGE OFFIZIER

Ihr Bräutigam, Herr General, gehört

Zu unserm Regiment, zu Ihrer Suite.

CHŁOPICKI

Ist sicher jung an Jahren, kaum dass er

Die ersten Epauletts sich angesteckt,

Verliebt er sich. — Wer ist es?

ANNA

die gelauscht hat

      Wir verratens,

Wenn er die erste schöne Tat vollbracht.

CHŁOPICKI

Ich zweifle nicht, er wird schon über Nacht

Zum Helden werden, da ers werden will. —

Dass doch die Jungen stets romantisch schwärmen,

Poeten sind und unbeschränkte Herrscher

Im Reich der Phantasie; spielt nicht ein jeder

Von ihnen hier die große Rolle schon

Des Oberkommandierenden? Weiß Gott!

Ich blicke auf die Stirnen und ich lese

Auf allen Byrons stolzen Herrenwillen.

Schon der Soldat verbirgt im Portefeuille

Der eignen Heldentaten Ruhmgesang.

In Frankreich würden sie sich Marschallstäbe

Vielleicht verdienen können, — doch in Polen

Bringen sie es zu nichts — das alte Lied. —

Wir brauchen einen Cäsar, damit sie

Gehorchen lernen und gehorchend herrschen.

PAC

Ja, wenn ein Mann wie Cromwell, Bonaparte

Plötzlich des Weltgeschehens Seele würde —

CHŁOPICKI

Wir, die wir Bonapartes Geist verspürt,

Wir haben seine Adler in den Lüften

Gepackt und sie in unser Land geführt. —

Jeder von uns dünkt sich ein Cincinnatus,

Glaubt sich der Urquell aller Tugenden

Und wähnt, hat er die Würde, die ihn ziert,

Sich selber beigelegt, er imponiert

Der Welt, die vor Erstaunen in den Fugen kracht.

PAC

Und wird dabei von ihr nur ausgelacht.

CHŁOPICKI

Die Adler sinken schmerzbetäubt zur Erde;

Die flugbereiten Fittiche zertrat

Das überlegne Neidervolk der Krähen;

Der Adler Herzen zucken und verbluten

An ihrer Brüder schmählichem Verrat.

Schon einmal, als mir die Liktorenruten

Nicht freie Bahn zu schaffen wussten, legte

Ich das Kommando nieder. Denn ich sah

Zur Ohnmacht mich verdammt, da ich tagein,

Tagaus von Königen umgeben war.

SKRZYNECKI

Ein stolzes Urteil, dass nur du berufen

Vollbringer dieses großen Werks zu sein.

CHŁOPICKI

Lass immer Diktatoren aufeinander folgen; —

Sieh dich doch um, wie alle die Statisten

Sich blähn; hat einer auch nur einen Schatten

Eines Gedankens eingeheckt, den Zipfel

Eines Gedankens irgendwo erwischt,

Der nicht aus meiner Welt geboren, gleich

Schreibt er ein Buch und kritzelt Memoiren;

Es wird ein Werk politischen Gehalts

Mit Felddienstordnung, Taktik und Strategik,

Ein Meisterwerk der Kriegskunst aller Zeit;

In Friedenszeiten lässt sich allenfalls

Nachdenken über die Gelehrsamkeit. —

Ich sehe schon, wie eine nahe Zukunft

Ihr Haupt verhüllt und heiße Tränen weint,

Wenn sie das Buch zur Hand nimmt, das die Fehler,

Die wir begangen, schonungslos vereint.

Wenn ein Erwachen läuten graue Sorgen — ,

Der Ruhm ein Wahn ist, nach dem Kriege, — morgen.

SKRZYNECKI

Jetzt zielt der General mit der Satire

Und trifft ins Herz der vaterländschen Sache

Noch besser als mit des Diktators Faust.

CHŁOPICKI

Von der Satire selbst zu gut getroffen

Hab ich den Saft der rohen Gifte mir

Ins Herzblut eingeimpft, — das kocht und wallt.

SKRZYNECKI

Lass gut sein! Wenn die Faust nur wie bisher

Dem Vaterlande dient.

MARIA und ANNA

spielen und singen

„Tag des Kampfes, Tag der Ehre

Führ die Freiheit uns zurück.

Weißer Adler steigt gen Himmel,

Langt von Polens Stern das Glück.

Hoffnungstrunken dich zu retten

Ruft er dich aus deiner Not:

Auf, mein Polen............”

Allgemeine Bewegung; Rufe, leises Mitsingen; der Gesang derMädchen taucht in der allgemeinen Unruhe unter; nach einer Weilehört man wieder

MARIA und ANNA

singen

„Auf, mein Polen, brich die Ketten,

Auf zum Siege oder Tod!”

— — — — — — —

CHŁOPICKI

während der allgemeinen Unterhaltung

Ja, ja — das ist es, in den Tod! Da Mars

Kraftglühend übers Schlachtfeld rasen sollte.

Hier liegt im malerischen Bild des Todes

Verborgen des Zerfalls Miasma. Wollte

Gott! Ein Poem romantischer Gemüter:

Schlingt um die Stirnen schwarze Trauerflore

Und lasst die schwarzen Federbüsche wallen —

Schmückt euch nur zu, ihr Helden aus Romanen ...

,,Mein Schicksal ruft, — ich bin bereit — und sterbe,

Doch meine Seele lebt und ich erwerbe

Mir die Unsterblichkeit in alle Zeit.”

Der Kaiser applaudierte Talma und auch ich —

Ich applaudierte.

Jetzt bin ich vom Parkett emporgestiegen

Zur Bühne

Und stehe mitten im Tragödienspiel,

Umringt von Männern, die dem Grabe sich

Vermählen ...

Maria!! Wir stürmten durch den Kugelregen

Den Berg hinan, und auf den steilen Wegen,

Die felsengleich die Sonne ausgesengt,

Sprüht Sand uns in die Augen und vermengt

Mit Staub zu einer dichten Mauer sich.

Wir brachen durch — und eh der Tag verblich,

Erklommen wir der Felsenkuppe Grat —

Und rechts und links der Abgrund gähnend klafft.

— Des Todes dachte da nicht ein Soldat.

Des Krieges Ungestüm, sein Dämon war

Speerschüttelnd mit uns und verlieh uns Kraft;

Uns brauste nach ein Sturmwind wunderbar

Gewaltgen Rauschens, und an unserm Ohr

Brach sich der einzge Ruf: Viktoria!!

Die Sonne hatte mit sieghaften Strahlen

Uns zu des Ruhmes Höhn emporgerissen.

Ja, unsern kriegerischen Idealen

Hat ganz Europa Beifall zollen müssen.

Auf tausend Meilen wohl sah man die Mienen

Von Angst verzerrt und rings im ganzen Land

Herrschte der Schrecken, öffnete die Tore

Von tausend Städten, jeder Widerstand

Sank vor dem Schwerte Bolesławs des Kühnen.

Ich wollte schwören, dass der Geist der Polen,

Der große Geist uns allen sichtbar ward.

Von allen Höhen donnerten Kanonen

Und spieen gleich Vulkanen Dampf und Glut.

Wir waren Sieger, unsere Parole

Hieß: Sieg! Das war. Und heute ... wollt ihr sterben.

Erlosch denn Ares’ Stern? —

Ihr Jungen, nur zu gern

Schmückt ihr mit Epauletten, Federbüschen

Euch auf und tastet nach dem trügerischen

Lorbeer des Grabes mit verblasster Hand.

Die Senatorenstirnen Rom verwandt,

Die Herzen keusch, die Seelen gottgebannt

Zwängt ihr in Uniformen und von Degen

Zerfetzt bringt ihr der Zukunft sie entgegen. —

— Warum so trüb, so kraftlos, todesbleich?

Welch Leidens Schatten senkte sich auf euch? —

Euere Lieder, euere Gespräche

Künden das Grab und künden eure Schwäche.

Um die Standarten schlingt ihr Trauerflore,

Bezahlt im voraus Charons stumme Fracht.

Habt ihrs so eilig, in dem Reich der Toten

Die schattendunkeln Pfade zu durchwandeln;

Lockt euch der Leichenfeier düstre Pracht?

Habt ihr genügt des Erdenrufs Geboten?

SKRZYNECKl

Ein groß Geheimnis grau und düster hängt

Wie eine Wolke überm Erlenwald.

Der Oberfeldherr, grad als hätte er

Schon mit der Unterwelt den Pakt geschlossen,

Verkündet seinen Leuten sichern Tod.

CHŁOPICKI

Das ist ein Krieger, wahrlich, kühner Ritter,

Ein Falke, Adler eines Zeus, der bitter

Weint, wenn er leidet, und der die Gedanken

Des Schlafes Wahngebilde lässt umranken, —

Der an den Tod glaubt.

SKRZYNECKl

      Einen schlechten Einfluss

Übt er auf seine Leute aus. Es weckt

Zymirski wahrhaft eine Todessehnsucht.

CHŁOPICKI

Wie auch dieser Knabe —, so jung und so schmuck;

In seinen Augen strahlte des Himmels

Blau, als am Wilnaer Schloss in den Fluten

Des Flusses die Jungens sich spiegelten, —

Und trunken rauschten die Wellen fort. —

Wie bat er, bettelte mit kindlich trotzig

Und männlich großen flehenden Gebärden, —

Nur um Zymirskis Grabgenoss zu werden.

Er hats gewollt, ich habs erlaubt, sein starker

Eiserner Wille kämpfte meinen nieder.

Er ging ... und doch könnt ich mit einem Wort

Ihn halten. Doch ich sah in seine Augen,

Auf seine Mienen, seine stolze Haltung,

Auf meinen Lippen starb das eine Wort — ,

Er ging zur Tat und ging weithin — viel weiter,

Weit über jener Schanzen Grenzen fort,

Fernhin zum Schlaf, zur Ewigkeit, als Streiter

Fürs Polentum, als polnischer Soldat ...

Ich seh ein frisches Grab die Erde furchen —

Wie? Tränen? ... Tränen reihen sich

Zu Perlenschnüren auf der Uniform?

Gilt es der Schwermut, gilt es dem Entzücken?

Oder sind Schmerz und Jubel hier vereint?

Ah! Wenn der Kaiser säh: Ein Krieger weint!

— — — — — — — — — — —

Er kehrt nicht wieder — niemals wieder — Amen

Stand auf der Stirne deutlich ihm geschrieben

Und tief in seinem Herzen, da er ging. —

Noch heute früh erhalten wir Gewissheit.

Ich kenne wohl die Chancen meiner Spieler.

Ich weiß, er wird mir seine letzte Bitte

Gehorsam unterbreiten im Rapport, —

Ein Band, ein andres Angedenken, das

Ich seiner Braut zurückerstatten muss.

SKRZYNECKI

Der Meldereiter ist noch nicht zurück.

CHŁOPICKI

Ich warte — weiche keinen Schritt von hier;

Die Stellung ist für unsre heutge Schlacht

Von großem Wert; sie wird den Kampf entscheiden.

SKRZYNECKl

Sie kämpfen dort zu lässig.

CHŁOPICKI

      Sollten dort

Den letzten Tropfen Blut in sich verdoppeln.

Schon längst verdientest du den Feldherrnstab.

Die Tölpel, deine Gaben nicht zu nutzen.

SKRZYNECKl

Auguren sind sie, haben Visionen

Und werden Sklaven schlimmer Ahnungen.

Mit ihrer Herrlichkeit ists bald zu Ende;

Ich mach das Kreuzeszeichen über ihnen.

CHŁOPICKI

Hol sie der Satan! Da sie doch nur schaden,

Sind sie am Ruder viel zu lange schon.

Zeit wärs, es holte sie der Sensenmann.

SKRZYNECKI

Einmal verliehenes Kommando kann

Man niemandem entziehen, kann auch nicht

Die Division in andre Hände legen.

CHŁOPICKI

Der erste Grundsatz aller Disziplin!

SKRZYNECKl

Zymirski ist seit Tagen wunderbar

Verändert. Jeden macht er zum Beichtvater

Der eignen Ahnungen; bannt den Soldaten

Gespenster vor die Seele, redet von

Gespensterkämpfen überm Schlachtfeld,

Da wo der allgewaltge Tod ...

CHŁOPICKI

      Cagliostro,

Weissagst du? — Krieger! Und der Sturmwind sollte

Dich zum Altar des Vaterlandes führen.

Das Traumbild solcher Schlacht, solch großen Ringens

Traumbild die Seele schmeichelnd mir umgaukelt ... —

Von fernher höre ich: der große Kampf —

Der große Zaubrer meine Sinne schaukelt —

So viele Jahre ...

DER JUNGE OFFIZIER

in der Unterhaltung mit Anna

      ... Es verblieb ein Teil

In den Quartieren in der Stadt, wir bilden

Hier die Reserve.

ANNA

in der Unterhaltung mit dem jungen Offizier

      So sind Sie in steter

Verbindung mit dem Erlenwäldchen wohl.

DER JUNGE OFFIZIER

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