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39.52
Die Novembernacht

Bezpłatny fragment - Die Novembernacht

Objętość:
264 str.
Blok tekstowy:
papier offsetowy 90 g/m2, styly
Format:
145 × 205 mm
Okładka:
miękka
Rodzaj oprawy:
blok klejony
ISBN:
978-83-288-1030-3

PERSONEN DER ERSTEN SZENE:

Pallas Athene

Nike der Napoleoniden

Nike von Thermopylae

Nike von Salamis

Nike von Chaeronaea

Nike von Marathon

Peter Wysocki

Fähnriche

Die Szenen spielen am 29. November 1830 in Warschau.

Ein Korridor in der Fähnrichsschule

führt von der Rampe nach dem Hintergrund.

Von links durch hohe Fenster scheint

Das Mondlicht bleich und fahl herein;

Im Hintergrund ein Tor, darüber

Vier Fahnen zum Bukett vereint;

Rechts an der Wand stehen Gewehre

Geordnet in zwei Reihn.

Nacht, — später Abend, — Stille, — Leere; —

Nur vom Łazienkiparke dringt

Ein Rauschen leis herüber.

Die Wache stampft, — man hört die Tritte,

Auf Böcken Trommeln und zwei Mörser;

Ein Häufchen Kugeln und ein Degen.

Ein unterirdisch Tor springt rasselnd

Auf und im Korridore steht

Ein Mädchen. Ihren Kopf umweht

Ein Helmbusch; ihre Rechte hält

Den Speer, die Linke einen Schild;

Sie tritt als Erste uns entgegen

Mit Rede und mit Spiel.

Ein kupferoter Helm verbirgt

Die Züge, ihre Augen brennen

Heiß unterm Erz. Im Mondlicht wirkt

Ihr hell Gewand wie erzgewebt.

Der mächtge Schild an goldner Kette

An ihrer Schulter leise bebt.

Der silbernen Ägide Schlangen

Rascheln mit furchtbar wildem Ton.

Die hohen, starken Schultern, von

Lebendgen Schlangen überlastet

Sind leicht gehoben und sie stösst

Den Speer fest in die Erde. Ruft, —

Als ob ein Donner sich gelöst

Aus Jovis Händen, tönt die Stimme;

Und eine Schar von Mädchen hastet

Beflügelt auf sie zu.

PALLAS

Zu mir! Zu mir! Zu mir!

Siegreiche Geister, eilt herbei

Im Adlerfluge, windgehaucht,

In Sturmestoben und Brausen;

Bei diesem Zeichen ruf ich euch!

Kampflustbeseelt,

Des kalten Stahles, männermordender

Wehr Priesterinnen,

Ihr stolzen Ruhmes Dienerinnen;

Auf des Hymetos, Ossa Gipfel

Dem Sonnengotte anvermählt!

Nun von des Pelion Gipfel eilt

Herbei in Scharen und euch treibe

Die Gier nach blutigem Erliegen

Der Sterblichen. — Es starrt der Speer!

Zu mir denn, her zu mir!!

Donner

Du, Siegerin von Marathon,

Die du Athen den Freudenrausch gesandt;

Und du, Bezwingerin vor Salamis,

Die du den Perser peitschen ließt das Meer,

Bis ächzend er im Staub sich wand;

Du, die du vor den Thermopylen

Gestanden; die du Alexander

Zum Tyrus führtest, ihm verliehen

Achilleus Kraft; du, die da lebt

In Liedern, die von Hektors Taten

Vor Troja singen; du, die Roms

Cäsaren durch die Welt geführt

Von Ost nach West, von Pol zu Pol;

Du, die den Ruhm aufs neu belebt,

Als eines Nordens Sterne sanken;

Du, die des Tuisco Söhne überwand,

Als Witold, aresgleich und kampfdurchglüht,

Das große Blutbad schuf;

Und du, die du die Gottesgeissel

Durch Feuerscheine führtest zu

Dreimal verwünschtem Ruhme, dassDas Kreuz erbebte in der Stadt

Der sieben Berge, als du in

Das Licht die Löwenbrut geschleudert!

Zu mir! Im Donnerrollen her

Zu mir!

Donner

Bei diesem Zeichen ruf ich euch;

Bei der Ägide Gold und Erz

Und Elfenbein;

Beschwöre euch bei ewger Nacht,

In die mein Wink allein

Euch, wenn ich will, gebracht;

Beschwör euch bei der ewgen Glut

Der Sonne und bei Vater Zeus’

Furchtbaren Locken, bei der Gorgo

Schrecklicher Schlangenbrut,

Auf!!!

Ihr, denen ich Unsterblichkeit

Verleihe, kommt und steht bereit

Allgegenwärtig, allbewusst!

Im Fluge naht, in luftger Bahn!

Zu mir! Zu mir! Zu mir!!

Es nahen nun im Flug des Sieges

Göttinnen, eine Mädchenschar.

Und rauschend kreisen sie mit weiten

Flügeln durch die Luft und gleiten

Langsam eine nach der andern

Nieder.

PALLAS

Der von den schwindelnd steilen Höhen

Einst die Giganten niederstieß

Zum Tartarus, der in dem Reich

Der Wolken, der im ewgen Blau

Regiert, von dort den Donner und

Den Blitz herniederschleudert, Zeus,

Befiehlt durch meinen Mund.

Donner und Blitze, zeuget nun lodernde

Gluten auf schwelenden ewgen Altären!

Rasende raset in aresgeborenem

Gierigem Taumel! Niemand soll wehren!

Atmet die Seele des furchtbaren Gottes:

Zeus beruft seine Diener!

CHOR

Ares!! Mein Herr und mein Gott!

PALLAS

Aus des Olympos erztönendem Tor

Stürmt jetzt Ares befreit hervor,

Eilt wie ein Sturmwind, stürzt auf die Stadt

Und durcheilt sie auf wilden Rossen,

Schreit und stachelt und hetzt.

CHOR

Wehe den Männern! Wunden und Tod!!

PALLAS

Eilet ihm nach!!!

CHOR

Ha! Mit grimmigem Flügelschlage

Überfliegen wir die Stadt,

Packen zu und schlagen zu,

Würgen, geben keine Ruh.

Und die Äcker werden Gräber

Ganzer Völker; Sieg und Blut!!

PALLAS

Über den Völkern brechen die Donner,

Wolken brennen, in Gluten verloren

Bersten die Häuser und stürzen zur Erde,

Aus den Himmeln quillt lodernde Glut

Und der Zorn wird geboren!

CHOR

Wer kämpft —?

PALLAS

Mit dem Zaren der Pole! — —

Treulich entsendet, heilig beschworen

Nahen die Keren, die bleichen Dämonen

Aus des Tartaros grässlicher Nacht, —

Und die Harpyien, die der Gefallenen

Blut aussaugen...

Ihr kennt des Phidias Nike, wie

Sie eilig die Sandalen bindet.

Dabei den Kopf nach oben richtet

(Der zwar bei dem Fragmente fehlt),

Wie sie, im Flug gehemmt, geschmeidig

Den losen Riemen der Sandale

Aufs neu zu knüpfen sich bemüht.

Und ihr Gewand, das nicht gehalten

Durch einen Gürtel, fließt in Falten

Ihr über Brust und Hüften, über

Den leicht gebeugten Körper nieder.

Nun spricht sie also:

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Vor Moskau zu der Zaren Wiege

Führt ich der Franken Kaiser hin;

Flog durch die Wolken, die aus Adlern

Geballt die Sonne bargen, über

Wälder von flatternden Standarten

Empor, empor!

Das Glück hob mich im Fluge:

Ich führte in meinem Zuge

Gar vielgeliebte Ritter...

PALLAS

Findest sie wieder, wirst sie führen

Die Vielgeliebten: Eile...

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Mein sind die Seelen, die Herzen,

Die Sieger führ ich im Fluge

Zur Walstatt.

PALLAS

      Eile!

NIKE DER NAPOLEONIDEN

      So lass

Mich die Sandalen noch knüpfen;

Kaum könnt dem Olymp ich entschlüpfen,

Da eilt ich in fliegender Hast

Erschrocken bei deinem Rufe

Hierher und stieß an dem Tor

Heftig mich, — strauchelte; — fast

Stürzte ich hin —

Knüpft den Riemen

      Sag, wen wirst

Du mir als Feind benennen?

PALLAS

Den Fürst.

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Und werden sie ihn ergreifen?!

PALLAS

Verrat!!

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Nein!

PALLAS

Sie eilen in Scharen

Und greifen den Fürsten im Schlaf.

Du folgst ihnen nach!

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Nein!! — —

Auge in Auge Kampf

Und Brust an Brust; in Dampf

Sollen sie der Geschütze

Zuckend dampfende Blitze

Von Angesicht zu Angesicht

Mit offnem Auge schleudern;

Die Nacht verging noch nicht, —

Und ich will dir gebären

Den Kampf auf freiem Feld

Schwert gegen Schwert!

PALLAS

Du willst dem Schicksal wehren?

Und doch geschieht, was soll.

NIKE DER NAPOLEONIDEN

O du Gewaltige

Und doch Kleinmütige!

Lass sie die Schwerter greifen,

Lass sie wie Götter kämpfen!

Kam ich doch vom Olymp!

PALLAS

In deiner eignen Wangen

Gluten verseng ich dich:

Erkennst du Gorgos Schlangen?!

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Doch flecht ich nicht den Kranz!

PALLAS

Gut denn! — Die Tat wird ganz

Getan auch ohne dich!

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Niemals! — Denn nur wen wir

Geleiten und begleiten

Wir mit den weichen, weiten

Flügeln, kann Sieger sein.

PALLAS

Stürzt ich durch diese Macht

Nicht Troja, hab ich nicht

Odysseus groß gemacht?

Der Fürst wird zum Gefangenen.

DIE TROJANISCHE NIKE

Weh Ilions Überwindern!

Nie wirst du siegreich sein.

PALLAS

Ich werde siegen!! Denn

Ich muss, das Schicksal wills.

Ich werde Ketten zwingen!

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Du Adlermädchen, nie

Wirst du den Sieg erringen.

PALLAS

O Adlergleiche, wenn

Ich den gewaltgen Schild

Zur Erde werfe, sieh,

Erzittert Jovis Thron,

Der goldene, adlerprächtige;

Bann ich vor eine Seele

Gespenster übermächtige.

Sinkt auch der Stärkste nieder.

NIKE DER THERMOPYLEN

Ich siegte bei Thermopylae,

Da fielen wackre Krieger,

Die ich noch jetzt im Blute seh

Sich winden, das Verrat

Gefärbt. Noch niemals hat

Verrat geschändet. Wen Verrat

Gefällt, dem reiche ich

Das Lorbeerreis. Ich habe sie

ln ihrem übermütgen Stolz

Erdrosselt und erwürgt.

Sie sanken nieder, da der Pfeile

Dichtschwarze Wolken ihren Blick

Verhängt, der Speere wildes Sausen

Sie hat betäubt, da das Geschick

In dem zerklüfteten Gestein

Der ungangbaren Felsenwände

Sie straucheln ließ. Auf denn zur Tat,

Ihr Schwestern, auf! Wenn durch Verrat

Der Sieg uns näher ist, dann durch —

Verrat!

NIKE VON SALAMIS

Ein Geier umkrall ich die Völker;

Ich stand vor Salamis!

Wessen Schicksal erfüllt,

Der mag zugrunde gehn.

Die da auf Raub auszogen.

Mag nun die Erde verschlingen,

So sie in ihrem Schoße

Flammende Lohe trägt.

Pflügen auf fremdem Boden,

Fremde Saaten entwenden —?

Lieber aus Räubers Händen

Blutigen Tod erdulden,

Als die Bosheit ertragen! —

Wonach denn dürsten wir?!

CHOR

Nach Blut.

NIKE VON SALAMIS

Doch wie werden wir

Uns den Lorbeer erringen?

CHOR

Durch Blut!!

PALLAS

Denn Blut kennt nicht Schuld!

NIKE VON SALAMIS

Wer führt die Völker?!

CHOR

Der Zorn.

NIKE VON SALAMIS

Wer greift den Kranz aus Rosen —?

CHOR

Der Führer!

NIKE VON SALAMIS

Er ist?

PALLAS

Wie die Nacht —

Dunkel und düster.

NIKE VON MARATHON

Gleicht er dem Meinen, einem,

Der auf Marathons Feldern

Aufstand in Feuerscheinen,

Eisenbewehrt und in Blut,

Bevor noch Helios seinen

Ewigen Lauf in Glut

Halb erst vollendet —? Sein Name?

PALLAS

Man ruft ihn bei Donner und Blitz.

Ruft ihn im Sternennebel

Napoleonischer Adler.

Er ist der Erste, der Einige.

CHOR

Nenn uns den Namen —

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Taten!!

Lass ihn zu meinem Dienste;

leb will in seinem Blute

Die Begierde erregen.

Wie erkenn ich ihn wieder?

PALLAS

Er leuchtet im Ruhmesglanz;

Und alle Menschen zittern

Ihm, dem Einen, entgegen.

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Wo finde ich ihn?

PALLAS

Die Satyren

Ergötzen durch Spiel ihn und Tanz

Auf dem Theater.

NIKE DER NAPOLEONIDEN

So will ich den Satyren

Die Leiern denn zerstücken.

Will ihm ins Auge blicken

Und rufen: In der Stadt

Tobt Kampf!!!

PALLAS

So eile und entfalte

Die Schwingen über ihn,

Trag ihn hinfort und halte

Ihn im Arsenal

Verborgen.

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Er ist mein.

PALLAS

Greif ihn und hüte ihn.

NIKE VON CHAERONAEA

Ernst und düster tritt sie ein,

Grabesluft bringt sie herein;

In den weichen, bleichen Händen

Trägt sie Tannenzweigeenden,

Die zu Kränzen sind gebunden.

Sie umfasst sie bang umwunden,

Faltet ihre Hände, streckt

Sie mit schmerzlicher Bewegung

Vor sich, ihre Seele weckt

Einer Ahnung stille RegungUnd ihr stummer, bleicher Mund

Gibt des Unheils Botschaft kund.

Schwarze Schleier, schwarze Tücher,

Enggepresst die Lippen sind,

Und die Göttinnen erstaunen

Und sie lauschen, fragen, raunen.

Ich bring euch Kränze, frisch gewunden

Aus Tannenzweigen; stand im Garten

Die Weile still und brach das Reis.

NIKE VON SALAMIS

Ich will aus Rosen duftge Kränze.

NIKE VON CHAERONAEA

Es gibt keine Rosen, alle Rosen

Sind tot, der Blumen trockne Stiele

Hat flüchtger Wind verweht zu Staub;

Und auf den Wassern liegt ein Teppich

Aus bunten und aus goldnen Blättern.

NIKE DER NAPOLEONIDEN

Aus Lorbeer und aus Eichenlaub

Will ich die Kränze. Wie soll sich

Der Sieg denn sonst erfüllen —?

NIKE VON CHAERONAEA

Am Eichbaum nicht ein Blatt ich fand.

Der Wind hat einen EiseshauchÜber die Gärten hingesandt; —

Die Blätter fielen! Baum und Strauch

Sind kahl; — die Zweige morsch, der Garten lag

Verödet; und kein Vogellaut

Tönt durch die Luft, kein einzger Ton

Aus Marsyas Flöte schwingt im Hag.

Des Äolus verirrte Kinder

Blasen den überreifen Dung

Vom Acker, schlingen dürre Halme

Um die entblößten Kronen, und

Die Bäume singen, wenn die Äste

Vom Wind geschüttelt werden, leis

Wie eine Harfe wehe Lieder;

Die Sträucher, die da kostbar sind,

Sind eingebettet in das Stroh,

Und Sträucher, die nur ärmlich sind,

Stehn in zerfetztem Kleide des

Nur spärlich dunkelfalben Laubes

Und zittern.

CHOR

Wie soll der Sieg sich uns erfüllen —?

NIKE VON CHAERONAEA

Nicht duftet der Jasmin, nicht blühen

Mehr Blumen und nur Tränen fallen

Auf Ebereschen, — blutig rote

Korallen — —

NIKE VON MARATHON

Wenn siegreich erst die Fahnen flattern,

Was brauchen die Helden Gestrüpp?

NIKE VON SALAMIS

Blüten in Elend gestorben,

In Nacht und in Frost verdorben —

Mein Fuß soll ihr Blühen verheeren

Und Feuer ihr Leben versehren.

Sind uns denn Lautenspieler

Und blinde Sänger erstanden

Oder fanden

Wir ein Geschlecht von Helden?!

NIKE VON CHAERONAEA

Ihnen frommt wohl jener Kranz

Statt der Rosen. —

NIKE VON SALAMIS

Sänger?!

NIKE VON CHAERONAEA

      Spott!

Einen Augenblick wird Glanz

Sie umstrahlen.

NIKE VON SALAMIS

Nennst du sie —?

NIKE VON CHAERONAEA

Unter Qualen und in Not

Wurden sie und lebten sie.

CHOR

Nennst du sie?!

PALLAS

Erstehen Männer?

NIKE VON CHAERONAEA

Auf einem Felseneiland bangt

Vom Wind geschüttelt Fichte und

Wacholder...

NIKE VON MARATHON

Trauerbäume!

NIKE VON CHAERONAEA

Schwestern!

Der rauhe Wind hat Baum und Strauch

Getötet und der weiße Reif

Stirbt. Lorbeer ist nicht mehr, die Rosen

Sind tot.

CHOR

Wie soll der Sieg uns blühen?

NIKE VON CHAERONAEA

So mögen sie denn sterben, meine Söhne,

Genug der Schande, Schmach und Leid;

Die Träne quillt nicht mehr, zum Fluge

Entfalten sich die Flügel breit...

CHOR

Enteilest du —?

NIKE VON CHAERONAEA

      Den Tod zu rufen.

Also soll in ihrem Blute

Ich sie wieder zucken sehen,

Also darf ich neu erstehen,

Die Gefallenen zur Nacht

Betten; Pallas, Zeusgeborne,

Wie mich dieses glücklich macht.

Ruhm, ich sehe Taten wieder

Meinen Weg mir leuchtend weisen.

Oh, ich sah Maciejowice

Und ich sah gefallne Brüder.

Auf zum Kampfe! Auf zur Schlacht!

Reicht die Hände, teure Schwestern:

Diese Stunde knüpft von gestern

Bis auf heut ein heilig Band.

CHOR

reicht sich die Hände

Still! — Und steh!

Der rauhe Wind hat Baum und Strauch

Getötet; in dem trocknen, dürren

Gezweig der Bäume schluchzt ein Hauch

Von Aeols Harfe weh und bang.

Der Lorbeer ist verblüht, die Hosen

Sind tot — —

NIKE VON CHAERONAEA

      Ihr Schwestern! Es gelang

Dieser Stunde dieser Bund.

Auf nun, und dem wesenlosen

Tode nach: Ich führ ihn her.

Lass sie kämpfen erzbewehrt,

Lass sie fallen ruhmbetört.

Tränen siebt der Tag nicht mehr.

Sie stehen Hand in Hand.

PALLAS

Helden, stolze Recken harren

Euer uod verbuhlte Narren,

Stolze, die der Hochmut schwellt,

Göttlich Große, tierisch Kleine,

Ernste, Stille, drohend Grimme,

Und Geringe und Gemeine, —

Himmlisch, göttlich, heilig Reine.

Eilt! Eilt fort in dunkle Gassen,

Rufet durch die leeren Straßen:

Ares naht!

Schleudert eure Blitze gegen

Alle Glocken, dass sie schallen,

Hallen und die ganze Stadt

Soll der Schrecken nun befallen.

Auf und schreit und weckt die Schlaffen:

An die Waffen!!

CHOR

      An die Waffen!!!

Der Chor enteilt, indessen Pallas

Nun aus dem Schein des Lichtes, das

Umflossen sie, ins Dunkel tritt.

Hier bleibt sie stehn, hemmt ihren Schritt

Und lauscht und weilt.

In diesem Augenblicke eilt

Peter Wysocki rechts hervor

Aus einer Tür zum Korridor.

Ein weiter Mantel deckt ihn zu,

Birgt sein Gesicht, in einem Nu

Ist er jetzt dicht vor dem Portal

Im Hintergrunde, das zum Saal

Hinführt, stößt es gewaltsam auf,

Fasst seines Degens Silberknauf

Zieht und beschreibt dann einen Kreis;

Wirft seinen Mantel ab; wie auf GeheißStürzt an die Tür die junge Schar,

Die ihn erkennt, und drängt hervor,

Und da er spricht, ist alles Ohr:

WYSOCKI

Auf, meine Brüder, Kinder, Soldaten,

An die Gewehre, auf, an die Waffen!

Jeder ergreife nun sein Gewehr,

Stelle in Reih und Glied sich daher

Unten im Hof.

Auf denn, ihr Brüder, Stürme erwachen,

Auf, an die Waffen, auf, an die Waffen!

Sehet, die Stunde kam rauschend geflossen,

Da wir die stählernen Ketten brechen,

Die uns den Nacken, die Arme umschlossen,

Da wir die Tage der Knechtschaft rächen.

Da wir die Schwerter und Dolche segnen!

Da wir sie schärfen!!

Tod den Tyrannen, Usurpatoren,

Die unsre Throne besudeln, begeifern,

Unsre Altäre mit Schmutz bewerfen.

Gott gab das Zeichen,

Lasst uns nicht weichen,

Gott ist mit uns, er sendet den Strahl

Leuchtender Freiheit nach langer Qual.

Und aus den göttlichen Händen

Kommt sie den Völkern und Ständen.

Stunde der Rache für Unrecht und Schmach,

Stunde der Rache, rächender Tag!

Schleudert auf Felder glimmende Funken

Nun von den Hütten, die lodernd versunken.

Für all die Leiden, die Qualen, die Tränen

Auf, meine Brüder! Gewaltiges Sehnen

Schlingt eure Hände zu heiligem Bunde

Heute zusammen! Laut schlägt nun die Stunde,

Da sie die Sehnsucht in langen Jahren

Endloser Mühen und in Gefahren

Zitternd und sehnend beflügelt.

Auf, an die Waffen, Jesus Maria!

Auf, an die Waffen, auf, und besiegelt

Blutigen Bund mit blutiger Tat.

Auf nun für Polen, fürs Vaterland!

Stunde der Sühne, da unvergessen

Jahre der Knechtschaft, Tyrannenmacht,

Die mit hohler, gespenstisch verzerrter

lächelnder Fratze das Haus uns besessen,

Die es geschändet, die es verlacht.

Nun soll das Kreuz die Gespenster bannen;

Euer die Stunde, der Zeiger rückt;

Seid nun Erfüller, zeigt euch als Mannen,

Greift nach dem Sieg, zu den Sternen blickt.

Kinder, herrliche Beute winkt

Euch, denn die Zeit ist gekommen.

Und hemmen auch Berge von Leichen den Lauf,

Achtet nicht drauf!

Hütet euch nur, dass ihr nicht versinkt,

Denkt, dass aus dunklem Schicksalsschoß

Nur eure eigne Faust euch bringt

An das Licht der grünenden Saat

Herrlich beglückendes Los.

Mutig voran, Männer der Tat!

Schon naht das Mädchen und mit Worten,

Die Gluten atmen, weist sie ihn

Und reißt ihn fort bis an die Pforten,

Draus Flammen ihm entgegenblühn.

PALLAS

Lasst Städte brennen, Burgen lodern,

Auf zu den Waffen! Auf zu den Waffen!

WYSOCKI

So bist du neben mich getreten

Im lichten Glanze mädchenhafter Reine:

Du lohst in rotem Feuerscheine...

PALLAS

Ich bin bei dir, bin deine Schwester;

Es flammen Blitze auf in meinen Händen,

In meinen Händen stirbt der Sterne Licht.

CHOR DER FÄHNRICHE

Seht doch, wie seine Wangen glühen.

WYSOCKI

Ha! Unsre Schmach muss einmal enden!

PALLAS

Auf denn, mein junger Held, zur Pflicht!

WYSOCKI

Dir weih ich meine Kraft, mein Schwert;

Ich kenne dich, du herrliche Gestalt,

Du nahmst mich bei der Hand und wiesest

Mir meinen Weg, Zeustochter, hochgeehrt,

Und Tausende von Männern stießest

Du in den Staub und sie erbleichten bald

Vor dir und mussten sterben...

CHOR DER FÄHNRICHE

Unser der Ruhm, unser allein!

Tod dem Fürsten, Verderben!

PALLAS

Sieh, wie die Muskeln ihnen schwellen,

Sieh, wie sie eilen, ich mit ihnen,

Das Adlerweib.

Will wie mit Fackeln sie erhellen,

Sie sollen zum Verbrechen ziehn.

Mit Schlangen peitsch ich ihren Leib,

Ich hauche fürchterlichen Zorn

ln ihre Herzen, armes Schwelen

Entfache ich zur Lohe, von den Seelen,

Den unberührten, reiß ich alle Scham,

Spreng ihre Brust mit fürchterlichem Schrei,

Und wie die Adler fliegen sie vorbei, —

Ein sterblich Lied aus Menschenkehlen.

WYSOCKI

Blut denn und Blut, sie sollen

Sich paaren zu schrecklicher Lust;

Ritter des blutigen Bundes,

Hört, wie die Donner rollen

Über des Erdenrundes

Bahnen in eure Brust,

In das polnische Herz.

Alles hat euch der Räuber entrissen.

Pallas, du Donnergeborne,

Schüttle den Donnerschild,

Lass deine Flammen wild

Vor ihren Augen lodern,

Lass sie in Flammen stehn,

Feurige Stürme wehn!

Zerreiß mit dem Donner das Nebelfeld.

Donner.

CHOR DER FÄHNRICHE

Ein Feuerschein den Himmel hellt.

WYSOCKI

Gedenket des Jahres eintausend

Achthundertunddreißig, des neun

Undzwanzigsten Novembers:

In dieser Nacht

Ward euch der Tag geboren!

Lichtschein.

PALLAS

Euer die Kraft und die Macht!

WYSOCKI

Des neuen Lebens herrliches Gut

Winkt euch, ihr Rächer, Mut und Blut!

PALLAS

Sieg!

Nieder mit den Zentauren!

WYSOCKI

Wort der Erlösung erdröhne und flieg:

Auf an die Waffen!

PALLAS

Morgen der Sieg!!

CHOR DER FÄHNRICHE

Du lang Ersehnter heißt uns eilen,

Wahrlich dein Kommen ward uns prophezeit.

PALLAS

Das Wort erstand, es springen Gräber

Auf und der Geist durch lange Zeit

Beschworen naht, und es erbebt

Das Herz in Banden. Wer da jetzt

Dein heilgen Willen widerstrebe,

Dess' Schild berühr ich mit der Axt,

Verdamme ihn zu ewiger Qual.

An eurem Ohre tönt es: Ruhm!

Die Adler rauschen, ziehen durch die Luft,

Ein Feuerschein kost sie mit Flammenduft,

Und unter feurigen Wehen

Flammende Geister erstehen.

Heilig das Schwert, denn sein ist die Tat,

Euer das Schicksal, das ihr bejaht.

CHOR DER FÄHNRICHE

Gib die Befehle!

WYSOCKI

An die Gewehre, die reihenweis dort

Stehn an der Wand, ergreift sie und fort;

Es flieht die Zeit, drum schnell an das Tor,

Ehe der Russe euch kommt zuvor.

Sie dürfen euch nicht erkennen;

Dann heißts zu den Kasernen rennen.

Dort draußen auf Solec, da brennt eine Miete

Unweit der Stadtgrenze, auf Vorstadtgebiete,

Es ist ein verabredet Zeichen.

Wie viele seid ihr? Hundertundsechzig?

CHOR DER FÄHNRICHE

Ja.

WYSOCKI

      Alle anwesend?

CHOR DER FÄHNRICHE

      Alle sind da.

Sieh, wie die Gänge sich füllen ...

WYSOCKI

Euch fällt der Löwenanteil zu

Am heutgen Werk. Drei Regimenter

Ulanen müssen wir entwaffnen,

Müssen die Brücke auch besetzen,

Die Wache täuschen. Ich verteile

Selbst die Patronen, instruiere

Euch selbst. Dann gehts hinein zur Stadt.

Zu einigen, die neu hinzugekommen sind.

An die Gewehre!

CHOR DER FÄHNRICHE

      An die Gewehre!

WYSOCKI

Die Zeit entflieht, nur jetzt kein Säumen

Und Träumen. —

Am Belvedere vorüber eilen

Wir hin zur Stadt, zum Arsenal.

Zaliwski stürmt es.

PALLAS

flüstert ihm zu

Fühlst du nicht die Qual

Der Eifersucht, dass du den Ruhm mit ihm

Musst teilen —?

WYSOCKI

Im Parke, an der Denkmalsbrücke steht

Und wartet eine Schar von sechzehn Mann,

Studenten von der Universität

Und Literaten, denen man

Patronen geben muss und zum Palais

Den Weg bezeichnen. Zwei von euch erseh

Ich zu dem Zwecke aus, — ich nenn sie später.

Sie haben auch den Fürsten wieder

Zu greifen, falls er durch den Park

Zu fliehen suchte.

CHOR DER FÄHNRICHE

So ist es denn heute, —

Wir können es nicht fassen...

WYSOCKI

Brüder!

Heut ist der Tag der Freiheit.

CHOR DER FÄHNRICHE

Eile

Mit uns, du Adler, adlerstolz und stark!

Schon drängen sie und eilen

Und nichts mehr hält sie auf.

Gewehre in den Händen,

So eilen sie und wenden

Den Blick von ihrem Führer

Nicht ab; das Klirren ihrer

Waffen, Lärm und Gesumm

Geht in der Halle um.

Sie eilen und sie stecken

In dunkelblauen Röcken,

Aufschläge gelb, — und weiß

Die Hosen und Gamaschen.

Auf den Gewehren starren

Die Bajonette, harren

Des blutgen Ziels. Sie schnallen

Die Säbel um und packen

Sich die Tornister auf.

Schon stehn sie in vier Reihen

Im Rechteck, dann zu zweien

In einer langen Reih.

Man sieht bei ihnen allen

Die Freude laut und frei.

WYSOCKI

An die Gewehre! Achtung! Denn heute

Gilt es. Pflanzt Bajonette auf!

Gehet hinunter, sammelt euch Leute,

Unten im Hof; fort in schnellem Lauf!

Dass sie die Tore euch nicht verschließen!

Unten bekommt ihr Patronen zum Schießen.

Ich bin mit euch, — ich führe euch an.

An die Gewehre! Die Zeit rückt heran,

Unser die Macht und unser die Kraft.

Für all die Schande, die Jahre der Knechtschaft,

Für Jahre der Tränen, die qualvolle Zeit

Heute den Räubern Henker seid!

Aus der Scholle, die aufgebrochen,

Rissen wir das Schwert. —

All die Bosheit wird gerochen

Und wir graben stahlbewehrt

Gräber, weite Gräber.

Schleudern sie zu Boden, treten

Sie mit Füßen, stampfen, brechen

Die Gebeine, denn wir rächen!

PALLAS

Wirst Unsterblichkeit erringen!

WYSOCKI

Ewiges Leben wird euch bringen

Dieser Tag. Es muss gelingen.

PALLAS

Lodert in Flammen alle zusammen,

Leuchtende Fackeln, eilet dahin.

0 des Heiligtums Tore stehn weit

Auf und des wundersamen

Glanzes umstrahlendes Licht

Führt euch durch Blut und Tod und Gericht

Hin zur ewigen Herrlichkeit!

WYSOCKI

Auf, meine Brüder, Kinder, Soldaten!

PALLAS

Auf ging der Stern, er leuchtet euch hell!

WYSOCKI

Götter schaffen die Saaten!

PALLAS

An die Waffen!

WYSOCKI

      An die Waffen!!

CHOR DER FÄHNRICHE

      An die Waffen!!!

PERSONEN DER ZWEITEN SZENE:

Grossfürst Konstantin

Johanna

seine Frau

General Gendre

Kuruta

Makrot

ein Spitzel

Der Offizier vom Dienst

Lakaien

SALON IM BELVEDERE

Zwei Türen rechts, zwei Türen links.

Im Hintergrund ein Fenster dreigeteilt,

Das bis zum Boden reicht. Dahinter

Der Garten von Łazienki. Fern

Sieht man ein weißes Reitermonument.

JOHANNA

tritt ein

Der Himmel glüht, — ein heller Feuerschein.

GROSSFÜRST KONSTANTIN

tritt ein

Wo ist der Brand?

KURUTA

tritt ein

      Es brennt die Stadt.

GENDRE

tritt ein

      Nein.

Die Stadt brennt nicht.

GROSSFÜRST

      Wo?

GENDRE

      Dort ganz hinten weit.

Ich hab im Hof Signale schon gehört.

KURUTA

Es sitzen zwei Schwadronen schon zu Pferd

Und sprengen aus dem Hofe nach der Stadt.

JOHANNA

verlässt den Salon.

GENDRE

Ein Pferd für Seine Hoheit!

KURUTA

      Steht bereit.

GROSSFÜRST

Wie? Nein, — ich bleibe. — Dorthin — und wozu?

Mags brennen.

KURUTA

      Was denn würden Hoheit sagen,

Wenn diesem einen, diesem ersten Brand

Der zweite folgte und der dritte, vierte,

Wenn aus dem unterirdschen, dunklen Land

Ein Spiel der Flammen züngelnd sich entwirrte —?

GROSSFÜRST

Es sei ein Aufstand.

KURUTA

      Hm, — ja — ja — im ganzen

Ein Aufstand nur. — Was weiter? — Nun, es brennt. —

Ja, wenn dies Volk erst mal in Flammen steht,

Wird jedes frische Grab zum Flammenquell.

Für uns wird es ein Totentanz.

GROSSFÜRST

      Wir tanzen,

Das goldne Vlies um unsern Hals; wir schlagen

Den Alantei auf und auch sogleich erkennt

Man uns als Diener Seiner Majestät

Des Kaiserlichen Herren. Kavaliere, —

Die sterben nicht, die fallen oder siegen.

Und wills der Zar, so werden wir berühmt.

GENDRE

Und wills der Zar nicht —?

KURUTA

      Bleiben wir ihm treu.

GENDRE

verlässt den Salon.

GROSSFÜRST

Er bleibt.

KURUTA

      Zu Diensten.

GROSSFÜRST

      Idiot.

KURUTA

      Nur Mensch.

GROSSFÜRST

Hm, — könnte Er wie ein gewisser Fürst

Zarudzki eine Dirne sich entführen

Und dann im Kreml nach der Krone greifen?

KURUTA

Hoheit sind Herr, — ich Diener.

GROSSFÜRST

      Nun, — weiß schon.

KURUTA

Bin treu.

GROSSFÜRST

      Und dumm.

KURUTA

      Klug, wenn man mirs befiehlt.

GROSSFÜRST

Ah, schlauer Grieche; merkt doch gleich am Ton,

Woher der Wind weht, — und wohin man zielt.

Ich plaudre gern ...

KURUTA

      Gewiss, so ganz sans gêne.

GROSSFÜRST

Halts Maul. Hinaus. — Und dienen ... dienen, wie ...

KURUTA

Ein Hund.

GROSSFÜRST

      Ja. — Sag Er, hätte Er wohl die

Courage, ins Feuer für den Zar zu gehn?

KURUTA

Auch für des Zaren Bruder, wenn ers soll.

GROSSFÜRST

Den Dolch ins Herz, in Blut getränkt, —

Und dann das Kreuz, das goldne Kreuz;

Hm, — Er wird bleich? Erst wird der Zar

Ihn hängen lassen, doch dann schenkt

Das Kreuz er. — Ah, — Scher Er sich. Pascholt! — —

Adieu, — hier meine Hand, — Adieu, Kamerad.

KURUTA

Hoheit...

GROSSFÜRST

      Ich bin ein Philosoph, — es war

Von jeher meine Art, im Finstern so

Mir meine Menschen auszusuchen, — Männer;

Die schöne Seele wittr' ich stets, — auch wo

Sie nur in lumpiger Umhüllung wandelt.

KURUTA

Hoheit waren stets ein Menschenkenner.

GROSSFÜRST

Ich will Ihm was erzählen, — ja — und zwar

Kameradschaftlich. — Er fürchtet sich doch nicht

Vor Strafe?

KURUTA

      Hols der Satan! Um was handelt

Sichs denn?

GROSSFÜRST

Der Fürst wird Zar.

KURUTA

lacht auf

GROSSFÜRST

      Hinaus! — Was lacht

Der Satan?

KURUTA

schweigt.

GROSSFÜRST

Weg! Kann Ihn nicht brauchen.

KURUTA

bleibt.

GROSSFÜRST

      Weg!

Hinaus! Fort zu den Karten.

Stößt Kuruta zur Tür hinaus; allein; klopft an die Tür links.In der Türe erscheint

JOHANNA

geht bis zur Mitte des Salons.

GROSSFÜRST

schließt sämtliche Türen; geht zum Schreibtisch

Seit frühem Morgen schieb ich es hinaus

Und gestern schon den ganzen Tag und auch

Vorgestern bis zu diesem Augenblick,

Da der Begebenheiten Uhr die Stunde

Für mich und jene kündet.

Schlägt mit der Hand an den Schreibtisch

      Hier, — des Kaisers Brief.

JOHANNA

Des Zaren!?

GROSSFÜRST

      Seines Bruders. Die Ernennung.

JOHANNA

Und zum Befreier!

GROSSFÜRST

      Nein, — zum Henker.

JOHANNA

      Wie?

GROSSFÜRST

Der Zar ist toll.

JOHANNA

      Was soll das heißen ... ?

GROSSFÜRST

      Schweigen,

Und ein Geheimnis, — unumschränkte Macht, —

Komödie, — Schmutz! Ich stehe heut ...

JOHANNA

      In Flammen.

GROSSFÜRST

Ich packe zu, — und liefere die Schlacht,

In Blut getaucht erschein ich euch und hole

Dem Polen seine Freiheit von den Sternen, —

Und werde selber was, kein Narr, kein Popanz,

Lakai des Zaren, werde selber Zar

Von Polen, — durch das Blut, —

JOHANNA

      Du!!

GROSSFÜRST

      Werde Pole.

JOHANNA

Du lügst.

GROSSFÜRST

      Schweig still!

JOHANNA

      Du winselst und du fluchst.

GROSSFÜRST

Hör zu, — und schweig, — ich scherze nicht; du suchst

Vergebens dich zu täuschen, ich bin doch

So wach wie nie und werde löwenstark,

Ich dürste heut nach Blut, — nach Kampf, — ich roch

Blut in der Luft. — Ein Gott werd ich durch dich.

JOHANNA

Du lügst.

GROSSFÜRST

      Du Schöne, — leise, — leiser sprich,

Denn jedes Wort von dir erdrückt, zermalmt.

Hör mich, — und schweig. — Wir sahen einen Krieg,

Und werden ihn jetzt abermals erleben.

Du Herrliche, Erhabene wirst Zarin; — —

Ich sehe schon den Purpurbaldachin

Sich über deinem Haupte neigen

Und einer Krone selten kostbar Gut

Wird dir zu eigen.

Du bist mein Weib. — Krieg, Krieg und Blut.

Die Polen gleichen Löwen, alles werden

Sie sich erstreiten und wie Eiskristalle

Durchdringen und durchbohren sie die Erden.

Wie denn? Des Kaisers Adler wären tot?!

Nun, Polin?!

JOHANNA

      Oh, mein Herz sieht klar. Ein Traum, —

Du, — du — was spinnst du — —?

GROSSFÜRST

      Es erbleicht der Zar.

JOHANNA

Wider den Bruder — du, der Bruder — —

GROSSFÜRST

      War

Er Zaubrer dir?! Glaub mir, — ein solches Wort,

Wie ich es sprach, hört es der Zar, der Schaum

Von seinem Munde würde Tausende

Vergiften. Ah! Der eifersüchtige Zar, —

Ich werde mehr als er, ja, denn ich bin

Von Polen König — und dein Glaube ist

Mit mir. Nun sprich! Begreifst du jetzt den Sinn —?

JOHANNA

Ein Anschlag.

GROSSFÜRST

      Meine Stunde nahet nun!

Wie? — Nur dahin mich deine Stimme wies.

Bin ich gegangen. Polin, du.

JOHANNA

      Ah! Hysterie.

Du spielst Komödie und willst mich betrügen.

Gib mir den Brief, — ich will ihn lesen...

GROSSFÜRST

entnimmt den Brief dem Schreibtisch und gibt ihn ihr

      Lies.

Was weißt du nun? Plein pouvoir. — Wie?

Ah, du begreifst. — Nun sprich, so sags doch, — du,

Schrei es hinaus, dein Blut, es wallt. Du stehst

Vor mir, das Messer in der Hand. — Stoß zu!

Wie? — Was? —

JOHANNA

      Geh weg!

GROSSFÜRST

      Aha! Du fürchtest dich. —

Wovor —? Wie leuchtet, Polin, deine Seele,

Du strahlst, in deinen Augen sprühen Funken,

Da brennts, da loderts, — purpurflammentrunken.

Sag, — hättest du wohl Lust — von Meer zu Meer?

Nun breite deine Schwingen aus, — flieg her.

Verbirg dich nicht, ich weiß, du leidest Qualen

Und glühst in Schmerzen, — heilige, keusche Glut —

Vestalin du, — du Reine, — lausche gut

Mir die Gedanken ab.

JOHANNA

      Du Bankrottier.

Spielst mir Komödie vor, — geh weg von mir.

Du lachst des Herzens und der Seele.

GROSSFÜRST

      Puppe, —

Du Wunderbild, — geraubtes Kleinod Polens,

Wie stolz du bist, wie herrlich, und wie bleich.

Wer bist du? Meine Sklavin. — Nun, ganz gleich

Auch meine Gattin. Ja. — So liebe mich!

Der Genius ist erwacht in mir; — versprich

Mir, dass du meiner denkst; denn sieh, der Geist

In mir erwachte, — und er weist

Heut zu den Höhen. Meine Seele irrte

Und taumelte in Elend, in dem Schmutz

Gemeiner Freuden, — ja —, ich war ein Lump;

Doch du, — du heiligst mich, — du wunderbare Reine,

So jung und unberührt warst du die Meine. —

Bist meine Sklavin. — Gib mir deine Lippen,

Lass mich den heißen, süßen Atem trinken,

Mich dürstet nach der Reinheit deiner Seele

Und nach dem roten Mund. — Du sollst versinken

In meinen Armen und die Lilien blühen

Als Hochzeitsfackeln in der Liebesnacht. —

Gib deine Lippen.

JOHANNA

      Lass. —

GROSSFÜRST

      Die Wangen glühen,

Dein Blut —

JOHANNA

      Lass mich.

GROSSFÜRST

      So fühle meine Macht.

JOHANNA

Weg.

GROSSFÜRST

      Ah! Du wirst die Wollust preisen, Weib,

Mir danken, — bist ja Weib, du fällst ...

JOHANNA

      Gemein.

GROSSFÜRST

Du bist so schwach, — du Blume, — deinen Leib

Will ich erschließen, er soll duftend sein. —

— Dirne! Scher dich hinaus.

JOHANNA

geht.

GROSSFÜRST

Bleib.

JOHANNA

steht.

Schweigen.

GROSSFÜRST

senkt den Blick; steht willenlos.

JOHANNA

wendet den Kopf nach dem Fenster

Stehn dort nicht Menschen —?

GROSSFÜRST

      Lass. Was solls?

Unbeweglich

Wie es mich quält. Ich muss jetzt ernstlich an

Das Werk; muss handeln, muss Befehle geben.

So vieles muss man können, wissen, man

Muss überwinden sich und muss daneben

Verdacht verscheuchen und die Schatten bannen. —

Wer ist mein Feind —?

JOHANNA

      Sieh dort hinaus.

GROSSFÜRST

      Gewissen.

Scharf

Was willst du?

Zärtlich

      Komm. Verlangt es dich denn nicht

Nach meinem Kusse? Liebe, — Traum, — du jagst

Gespenstern nach im Garten.

JOHANNA

      Schwarz umrissen

Dort auf den Wassern Nebelstreifen, — dicht

Beim Monument ein Schatten.

GROSSFÜRST

      Träumerin, —

Du Süße, — jagst die Schatten, ah, ich bin

Verloren, wenn der Geist mir nicht erstarkt.

Sich ins Gewaltge weitet. Heut verspürte

Ich einen Hauch von Größe, — eingesargt

Lieg ich nun tief, — ich war zu schwach, zu klein, —

Ich bin ein andrer heut als sonst, verstehe

Mich selber nicht. Erhabne Größe sehe

Ich und erzittere...

JOHANNA

      Myriaden Sterne —

Sie funkeln...

GROSSFÜRST

      Nicht auf Erden weilst du, nein,

Jenseits der Grenzen, — dort — ganz weit, — ganz ferne.

JOHANNA

Mich friert.

GROSSFÜRST

      Die Schatten an den Fenstern dort —

JOHANNA

Dort stehen Menschen.

GROSSFÜRST

      Wachen sind am Eingang

Postiert. — Du liesest Lamartine —

JOHANNA

      Ich fing

Heut morgen an. Erhabne Harmonien

Der Sphären schwingen in den Weltenraum

Und Gott scheint grenzenlos. Die Seelen ziehen

Über den Wassern hin in heilig reiner

Erhabner Liebe, still und ohne Sünden;

Und denken morgens, denken abends seiner.

GROSSFÜRST

So träumst du und siehst Menschen, wo sie nicht zu finden;

Die Lebenden gewahrst du nicht.

JOHANNA

      Ein Traum; —

Mit Seelenaugen les ich im Gestirn, —

Und bin so dankbar...

GROSSFÜRST

Ja, dem französischen Grafen mit dem Hirn

Der Eule und dem Weibsgefühl. — Umstellt

Von zwei Schwadronen ist der Park, hierher

Kommt niemand. — Oder doch? — Was meinst du wer —?

JOHANNA

Niemand. — Vielleicht sinds auch die Bäume nur

Die rauschen —? Immer dichtrer Nebel fällt, —

GROSSFÜRST

An deiner Wimper hängen Tränen.

JOHANNA

      Ach. —

Was tuts.

GROSSFÜRST

      Ich bin dein Sklave, — ich bin schwach,

Bin wieder gut, — und bin gerührt, — ich küsse

Dich wieder, komm, — vergib.

JOHANNA

      Das Monument

Dort in der Ferne bannt den Blick und mit

Geheimem Zauber lockt das Bild.

GROSSFÜRST

      Genug.

JOHANNA

Ich gehe in den Garten, — —

GROSSFÜRST

stampft mit dem Fuße.

      Keinen Schritt.

Du bleibst.

JOHANNA

      Gut denn. Ich bleibe schon — und du,

Woran denkst du —?

GROSSFÜRST

      So geh.

JOHANNA

      Dorthin, — wozu?

GROSSFÜRST

Ein Zauber weht, — du weißer Zaubrer du, —

Du Heiliger und Krieger. — Hörst du ...?

JOHANNA

      Flüstern.

GROSSFÜRST

Es raschelt in den Zweigen. Es ist der Wind. —

Wie alle Schatten dort lebendig sind

Im Garten.

JOHANNA

      Nun ists wieder still.

GROSSFÜRST

      Du bist

Verliebt in diesen kalten Stein ...?

JOHANNA

      Mag sein.

GROSSFÜRST

Ich stürze ihn von seinem Pferd herab.

JOHANNA

Ich seh ja nicht mehr hin.

GROSSFÜRST

      Ich lass ihn sprengen.

JOHANNA

verächtlich

Ach du!

GROSSFÜRST

      Ich lasse ihn vergolden und

In purem Gold soll er dir leuchten, — dann

Will ich mich mit ihm messen — Aug in Auge,

Der Held —

JOHANNA

      Mit dem Gesindel.

GROSSFÜRST

      Schweig!

Packt ihr Handgelenk.

JOHANNA

      Was ist

Denn nur —?

GROSSFÜRST

      Du stolzgenährte Seele du,

Bist schwach —, schließ, Blume, deine Kelche zu.

Du glühst und diesen Purpur hat auf deine Wangen

Gezaubert heißer Wünsche heimliches Verlangen,

Die der Erfüllung harren; regenbogengleich

Malst du das Wolkenmeer mit bunten Lichtern

Und jeder Windstoß scheucht den Glanz hinfort.

Du arme Blume, hauchverwirrt und schüchtern

Schwankst du entwurzelt heimatlicher Erde,

Und Polens Zauberduft umwebte dich,

Ließt dich berücken, glaubtest dich so reich, —

Ich brech den Zauber. —

JOHANNA

      Du bist widerlich.

GROSSFÜRST

Du Kurtisane, — deine Wangen brennen,

Du stehst in Flammen. — Komm nun —

JOHANNA

      Lass.

GROSSFÜRST

      Komm her.

JOHANNA

Weg.

GROSSFÜRST

      Dirne! Komm.

JOHANNA

      Heilige Jungfrau! Nein —,

Erzwing es nicht.

GROSSFÜRST

      Den Zwang vergisst du bald. —

Wonach verlangst du denn? Dort —, in dem Zimmer

Seh ich dich schon in meinen Armen liegen,

Und dich in Ohnmacbt und in Wollust biegen.

Es ekelt dich? Ich kann nur lachen. Schlimmer

Kann es nicht kommen, — du wirst trotzdem küssen,

Wirst schmeicheln, kosen, girren, und wirst schrein,

Haha! Was wirst du schreien.

JOHANNA

      Heilge Jungfrau!

GROSSFÜRST

Die Hände weg!

JOHANNA

      Du brichst sie mir entzwei.

O Schmach, o Qual!

GROSSFÜRST

      Du sollst die Lust genießen,

Du Weib und schamhaft wie ein Mädchen, du, —

Du bist wohl eines Thrones wert, — wirst Zarin ...

JOHANNA

sinkt zu Boden

Ich Unglückliche.

GROSSFÜRST

      Fluch nicht, — — wimmere nicht, —

Sei still —, ganz still —!

JOHANNA

      Weg!

GROSSFÜRST

      Ah, wie schön du bist

In deinem heilgen Zorn, in deinem Schmerz.

JOHANNA

Lass mich, ich rase.

GROSSFÜRST

      Dummchen, — Tollkopf du,

Im Wahnsinn liegt ja meine Kraft, ich bin

Ein Löwe heut im Wahnsinn. — Könntest du glühen.

O könnten Flammen lodernd dich umspielen,

Dir Hals und Nacken, deinen Leib umblühen,

Und könnten heiße Schauer deinen kühlen

Leib im Glutenrausch zerwühlen,

Dass du die weißen, weichen Arme mir

Um meinen Nacken schlängst, mich trunken machtest

In nie verlöschender, glühender Gier,

Du, — könntest du —

JOHANNA

      O diese Qual. Erbarmen!

Es schwinden mir die Sinne und mir graust. —

Was schreist du so — gewaltig? — Es umbraust

Ein Sturmwind mich —

GROSSFÜRST

      Ein Sturmwind — wie? — Ich wäre

Ein Sturmwind, — ein Orkan —

JOHANNA

      Im Hof dort —? Höre —

Ein Wimmern? — Rauschen so die Bäume —?

GROSSFÜRST

      Es ist

Der Zauber. Träume nur, — in meinen Armen

Träum weiter, Seherin, verzaubert Weib.

Gib mir den Frieden meiner Seele wieder, —

Gib deine Lippen —

JOHANNA

      Du...

GROSSFÜRST

      Gib deinen Leib.

JOHANNA

Gib, — gib, — o küsse mich, — du mein Geliebter,

Sei stark, o tu's — halt mich — vor meinem Blick,

In meiner Seele senkt die Nacht sich nieder;

Verwirrt die Sinne. Schwarze Nebel sanken

Vor Aug und Seele, — tot sind die Gedanken,

Tot, — nur ein Rauschen, — Sprühen — —

GROSSFÜRST

      Ah! du liebst,

Küss mich. —

JOHANNA

      Ah —!

GROSSFÜRST

      Küss mich.

JOHANNA

      Still...

GROSSFÜRST

      Es ist ja nichts.

JOHANNA

Was war das? — Ja. — Es pfeift der Wind, — es klirren

Die Fensterscheiben, — in der Luft ein Schwirren,

Ein Wispern und ein Schluchzen; — wer — wer — sinnt ...?

GROSSFÜRST

Es rauscht der Nordwind.

JOHANNA

      Ja, — es weht der Wind.

GROSSFÜRST

Du weinst. — Warum? — Weinst, weil du liebst. — Du Liebe,

Geliebte du, — du Priesterin der Liebe —

JOHANNA

Ich bin von Sinnen. Ja. — Du bist jetzt mein. —

Wer stöhnt dort drauß? Hascht des Windes Wehn?

Wer flucht so böse, — flucht vielleicht dir — mir —?

GROSSFÜRST

Gib deine Lippen.

JOHANNA

      Küsse dir den Tod.

GROSSFÜRST

Gib mir den Mund — er ist so heiß und rot, —

JOHANNA

Die Liebe zu mir ließ den Thron dich schmähn.

GROSSFÜRST

Ich werde dir erringen einen Thron

Und setze dir aufs Haupt das Diadem.

JOHANNA

Du mein — Geliebter — Herr —

GROSSFÜRST

      Ich schenke dir

Ein Königreich —

JOHANNA

      In St. Johannis Kirche.

GROSSFÜRST

Ein Zarentum.

JOHANNA

      Die Krone ist erstanden.

Nicht erst seit heute fühl ich es und weiß

Und wünsche und verlange, —

Und bebe und bange.

Du mein Geliebter, — Held, — du stießt ins Horn

Und riefst zum Kampf und alle fanden

Sich ein, — die Ritter all auf dein Geheiß.

Sie werden siegen! — Fürchterlicher Zorn

Packt mich, — Geliebter du, — erhebe

Dich und verdirb den Zaren,

Erwürge ihn, — zerschmettre ihn.

Entfache Stürme und belebe

Die Flammen. — Hab mich lieb,

Küss mich, — du — deine Lippen gib;

Sieh, wie die Flammen aufwärts glühen.

Denn alle sind bereit und harren! —

Empörung!!

GROSSFÜRST

      Wie? — Du weißt —?

JOHANNA

      Ich weiß. — Dort in

Den Herzen lodert Glut. Dort draußen warten

Sie und vergehen fast. — —

GROSSFÜRST

      Dort? — Wo? — Du rast, —

Du weißt nicht, was du sprichst. — Ein Aufstand, — wie?

Ein Aufstand, — wo? Du weißt? — Sprich nun —, du hast

Dich schon verraten.

JOHANNA

      Sieh mir in die Augen.

Spion des Zaren. Oh, mein Traum —, gemein.

Du Lügner —, hast ja Angst, du Feigling, denn

Du stehst allein — —

GROSSFÜRST

      Ich bin allein. — — So habe

Ich mich verraten. — Wie? — Womit? —

Was war ich denn? — Du sprachst:

Spion des Zaren. Du, mein Weib,

Mein Liebstes auf der Welt, du brachst

Mir meinen Willen und den Leib

Hast du vergiftet. Und hast mich

Gestürzt. Ich wollte hoch empor,

Ich hatt den Willen, wollte zu den Höhen

Empor mich schwingen mit dem Adlerchor; —

Du wolltest es nicht dulden, aus der Seele

Zerwühlten Tiefen brachtest du ans Liebt

Nur das Gemeine. So bist du mein Feind. —

Und sah ich nicht

In Ohnmacht dich zu meinen Füßen liegen, —

Um Liebe flehen?

Was weiß ich? Kann ich mich betrügen —?

Ein Zauber geht jetzt um, —

Du Göttliche, — du Heiligtum. —

Er läutet.

JOHANNA

ist ohnmächtig zusammengebrochen.

GROSSFÜRST

schließt alle Türen auf; führt sie in die anstoßenden Gemächer.

HOFDAMEN

eilen herein, bemühen sich eine kurze Weile um die Ohnmächtige,entfernen sich dann wieder.

GROSSFÜRST

kehrt eilends in den Salon zurück; tritt an die Schwelle eines derSeitengemächer, unterhält sich mit jemandem in der Tür, kehrtnach einer Weile in den Salon zurück.Mit dem Fürsten tritt ein

GENDRE

senkt den Kopf.

GROSSFÜRST

Was sagt er? Tödlich? — Hm. — Der General?

GENDRE

Warum bin ich denn nicht gestorben?

Ich Feigling. — Ah —, und Eure Hoheit sind ...

Wir sind ja alle feige, — alle sind

Wir so gemein, — verdorben.

Mag jeder, was er will, sich nehmen,

Jeder; — wer mag; — auch Gott.

Ich will mit vollen Händen verschwenden —

Und mich nicht schämen. —

Ein jeder werde satt, — wer nimmt, der hat. —

Greift zu, ihr Engel, Teufel, Gott und Zar.

Das Herz muss schweigen, — still, — mir war

Ein Herz zu eigen — und ich hab gefühlt.

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