drukowana A5
14.27
Threnodien

Bezpłatny fragment - Threnodien


Objętość:
35 str.
Blok tekstowy:
papier offsetowy 90 g/m2, styly
Format:
145 × 205 mm
Okładka:
miękka
Rodzaj oprawy:
zeszytowa
ISBN:
978-83-288-0362-6

An meine getreuen Hörer

Als ich daranging die „Treny” Kochanowskis ins Deutsche zuübertragen, war ich überzeugt, dass mein Unternehmen in Polen lebhaften Anklang finden werde. Ich glaubte mich dazuumsomehr berechtigt, als ja bereits meine Übersetzung vonKochanowskis Drama) einen ungewöhnlichen Erfolg zu verzeichnen hatte. Das Stück wurde im Rahmen einer großangelegten Kochanowskifeier von der Deutschen Bühne in Bromberg(Bydgoszcz) glänzend in Szene gesetzt, und sowohl jene denkwürdige Aufführung, als auch mein Buch erfreuten sich weitüber die Grenzen hinaus in der Presse Deutschlands, Frankreichs,ja selbst Amerikas spaltenlanger Besprechungen, in denen fastausnahmslos von der hohen kulturellen Bedeutung dieses Ereignisses die Rede war. Ich glaube kaum, dass eine zweite Übersetzung aus dem Polnischen, sei es in welche Sprache immer,sich im neuen Polen auf eine ähnliche „propagandistische“ Wirkung berufen könnte. Auch meine früheren Erfahrungen inBöhmen, wo gleich meine ersten schüchternen Anfänge freundlicher Aufnahme begegneten und man mir von allen Seiten bereitwilligst jegliche Unterstützung anbot, — auch diese sympathischen Erfahrungen, die ich noch in lieber Erinnerung hege,ließen mich erwarten, dass man endlich auch hier, wo so vielvon „kultureller Propaganda“ gesprochen und geschriebenwird, wenigstens in diesem Falle die Bedeutsamkeit und Tragweite meiner Arbeit begreifen werde. Handelt es sich dochum nichts Geringeres als um die erste und einzige deutsche Gesamtübersetzung eines dergrößten Meisterwerke der polnischen Literatur.

Aber weit gefehlt! Trotz aller meiner Bemühungen hat sichweder ein Verleger bereit gefunden mein Werk herauszugeben,noch hat sich irgendwelche hierzu berufene literarische Vereinigung oder staatliche Behörde bewegen lassen es finanziell oderauch nur moralisch zu unterstützen. Ich war also nahedaran die mühevolle Arbeit zweier Jahre zu vernichten, hättetnicht Ihr in wohlverstandenem, vorbildlichem Patriotismus nochin zwölfter Stunde Eure Spargroschen zusammengetragen, umein Werk, das die schönste und eigenartigste Dichtung aus demGoldenen Zeitalter polnischer Poesie den Deutschen vermittelnund so dem großen Dichter tausende von neuen Freunden undVerehrern werben wollte, wenigstens vor dem völligen Untergang zu bewahren. Denn Ihr sagt Euch mit Recht (und Ihrerseht es aus der Geistesgeschichte der großen Kulturen desWestens), dass jede gute Übersetzung einer überragenden Leistung, deren eine Nation sich vor anderen rühmen darf, gewissermaßen eine geistige Eroberung bedeutet. Und so habt Ihr,wenn auch in den bescheidenen Grenzen Eures Könnens, eineTat vollbracht, die von Eurer vornehmen und sachlichen Denkart beredtes Zeugnis ablegt und Euch meine Achtung und Dankbarkeit für immer sichert.

Freilich musste ich jetzt schweren Herzens so manchen mirliebgewordenen Plan begraben. Vor allem war ich genötigt aufden reichen und erlesenen Buchschmuck zu verzichten, dermeiner Pietät für den Dichter auch auf diese Weise Ausdruckgeben sollte und durch seine des klassischen Inhalts würdigeAufmachung sicher auch im Ausland imponierend gewirkt hätte.Ferner musste eine umfangreiche, teilweise ganz neue Ergebnisse bringende Einleitung zum Opfer fallen, ebenso die ausführlichen, zumeist für den deutschen Leser bestimmten Anmerkungen. Denn es blieb leider kein anderer Ausweg als selbstwertvollen Ballast abzuwerfen, um doch wenigstens das Wichtigste aus dem Schiffbruch zu retten. In dieser bescheidenenGestalt lege ich somit mein Büchlein in Eure Hände. Der breiten Öffentlichkeit bleibt es vorenthalten.

Zum Schluss noch eine grundsätzliche Feststellung. Ich arbeite nicht für „Propaganda”. Ich liebe dieses Wort nicht, dasauch in seinen lautersten Auswirkungen den Beigeschmack desGeschäftlichen in sich schließt. Wenn ich mich durch vierzehn Jahre in meinen Nebenstunden mit der Verdolmetschungpolnischer Dichtungen befasst habe, so geschah es lediglich deshalb, weil mich diese Art von Tätigkeit seit jeher anzogund mir auch heute manche schöne Stunde innerer Befriedigungbeschert. Aber ich habe es, so wie Kochanowski, nicht nötig,dass die Musen „für mich bei undankbaren Leuten betteln”.Und darum fühle ich mich — trotz vereinzelter Beweiseäußerer Anerkennung — naturgemäß nicht weiter berufenmein Bestes für solche hinzugeben, die meinen idealen Bestrebungen vollkommen taub und verständnislos gegenüberstehen, ja zum großen Teil sie sogar ablehnen, weil — nun, dasWarum brauche ich Euch, meine lieben Germanisten, nicht erstdes Weiteren auseinanderzusetzen.

Threnodie I

All ihr Tränen, die einst Heraklit vergossen,

Klag’ und Jammer, Simonides’ Mund entflossen,

All ihr Seufzer und Gram auf dem Erdenballe

Und Leid und Weh und Händeringen: ihr alle,

Alle mögt euch in meinem Hause vereinen,

Und helfet mir mein holdes Mädchen beweinen,

Von dem der ruchlose Tod mich hat geschieden

Und jählings mir geraubt allen Trost hinieden!

So holt die Schlange aus dem versteckten Neste

Die junge Brut, dass gierig den Schlund sie mäste,

Indes die arme Mutter zwitschernd voll Zagen

Den Mörder wieder und wieder will verjagen;

Vergeblich, denn schon will er sie selber fangen,

Kaum dass sie ihm mit dem Gefieder entgangen.

Ihr andern sagt wohl, eitel sei es zu weinen?

Was will, bei Gott, nicht eitel auf Erden scheinen?

Alles eitel! Wir tasten, wo’s weicher eben,

Und allseits driickt’s: ein Irren das Menschenleben

Was lindert mehr: im Leiden offen zu klagen,

Oder den Schmerz gewaltsam niederzuschlagen?

Threnodie II

Sollt über Kinder je ich mit der Feder spielen

Und leichte Reime baun um dieses Alters willen,

Bei Gott, die Wiege hätt ich lieber da geschaukelt

Und seichte Lieder für die Ammen hingegaukelt,

Dass sie die Kinderchen damit in Schlummer singen

Und ihrer Pfleglinge Geschrei zum Schweigen bringen!

Mit größerm Nutzen hätt ich solches Zeug gemacht,

Als nun — was heute mir mein Unglück zugedacht —

An meines holden Kinds verschwiegnem Grab zu weinen

Und ob Proserpinas grausamem Druck zu greinen.

Doch könnt ich beides nicht mit gleicher Freiheit tun:

Jenes verschmäht’ ich, weil dem reifen Geist es nun

Nicht reif genug erschien; in dieses stieß mit Zwang

Die Schickung mich und mein Verlust fürs Leben lang.

Und jetzt ist mir nicht leicht darüber nachzusinnen,

Ob durch mein Weinen ich einst werde Ruhm gewinnen.

Nicht wollt ich Lebenden, heut muss ich Toten singen

Und klagend fremden Tod, mich selbst ihm nahebringen.

Was hilft’s! Wie das Geschick verfolgt die Menschen hüben,

So wirkt es heitern Sinn in ihnen oder trüben.

O ränkevolles Recht, o flücht’ger Schattenschar

Grausame Fürstin du, unbeugsam, unnahbar!

Musst meine Ursula, da sie ja noch auf Erden

Zu leben nicht verstand, so früh entrafft mir werden?

Die an der Sonne Glanz sich noch nicht sattgeschaut,

Ging ach! das Land besehn, wo ew’ge Nacht nur graut.

Und lieber sollte sie nicht erst das Licht gewahren!

Was hat sie mehr denn als Geburt und Tod erfahren?

Und statt des Trosts, den sie den Eltern mit der Zeit

Geschuldet, ließ sie uns zurück in schwerem Leid.

Threnodie III

Stolz hast du mich verschmäht, du traute Erbin mein!

Es schien des Vaters Gut dir zu gering zu sein,

Als dass du je daran Genüge hättst gefunden.

Nie könnt es messen sich, ich sag es unumwunden,

Mit deinem frühen Geist, mit deinem holden Wesen,

Daraus dein Tugendpreis schon war vorauszulesen.

O Worte, kindlich Spiel, manierliches Bewegen,

Wie muss ich heut um euch so groß Betrübnis hegen!

Und du, mein Trost, kehrst nicht zurück in Ewigkeiten,

Und meiner Sehnsucht wirst kein Ende du bereiten.

Nichts bleibt mir da, nichts bleibt als nur dir nachzureisen,

Und deiner Füßchen Spur wird mir die Fährte weisen.

Dort seh ich dich, wills Gott, und du sollst mich begrüßen

Und deinen Vater in die teuern Ärmchen schließen.

Threnodie IV

Gewalt tatst, arger Tod, du meinen Augen an,

Dass sie mein liebes Kind vorzeitig sterben sahn.

Ich sah, wie unreif noch die Frucht hinabgeglitten,

Und solches Unglück hat der Eltern Herz zerschnitten.

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