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Die
Räuber

Bezpłatny fragment - Die Räuber


Objętość:
217 str.
Blok tekstowy:
papier offsetowy 90 g/m2, druk czarno-biały
Format:
145 × 205 mm
Okładka:
miękka
Rodzaj oprawy:
blok klejony
ISBN:
978-83-288-0850-8

Quae medicamenta non sanat, ferrumfanat, quae ferrum non sanat, ignis sanat.

Hippocrates

PERSONEN:

Maximilian, regierender Graf von Moor.

Karl, Maximilians Sohn.

Franz, Maximilians Sohn.

Amalia, von Edelreich.

Spiegelberg, Libertin, nachher Bandit.

Schweizer, Libertin, nachher Bandit

Grimm, Libertin, nachher Bandit

Razmann, Libertin, nachher Bandit

Schufterle, Libertin, nachher Bandit

Roller, Libertiner, nachher Bandit

Kosinsky, Libertin, nachher Bandit

Schwarz, Libertin, nachher Bandit

Hermann, Bastard von einem Edelmann.

Daniel, Hausknecht des Grafen von Moor.

Pastor Moser.

Ein Pater.

Räuberbande.

Nebenpersonen.

Der Ort der Geschichte ist Teutschland, die Zeit ohngefehr zwei Jahre.

ERSTER AKT

ERSTE SZENE

Franken.

Saal im Moorischen Schloß.

Franz. Der alte Moor.

FRANZ

Aber ist euch auch wohl, Vater? Ihr seht so blaß.

D. A. MOOR

Ganz wohl, mein Sohn — was hattest du mir zu sagen?

FRANZ

Die Post ist angekommen — ein Brief von unserm Korrespondenten in Leipzig —

D. A. MOOR

Begierig.

Nachrichten von meinem Sohne Karl?

FRANZ

Hm! hm! — So ist es. Aber ich fürchte — ich weiß nicht — ob ich — eurer Gesundheit? — Ist euch wirklich ganz wohl, mein Vater?

D. A. MOOR

Wie dem Fisch im Wasser! Von meinem Sohne schreibt er? — wie kommst du zu dieser Besorgnis? Du hast mich zweimal gefragt.

FRANZ

Wenn ihr krank seid — nur die leiseste Ahndung habt es zu werden, so laßt mich — ich will zu gelegnerer Zeit zu euch reden, halb vor sich. Diese Zeitung ist nicht für einen zerbrechlichen Körper.

D. A. MOOR

Gott! Gott! was werd ich hören?

FRANZ

Laßt mich vorerst auf die Seite gehn, und eine Träne des Mitleids vergießen um meinen verlornen Bruder — ich sollte schweigen auf ewig — denn er ist euer Sohn: Ich sollte seine Schande verhüllen auf ewig — denn er ist mein Bruder. — Aber euch gehorchen ist meine erste traurige Pflicht — darum vergebt mir.

D. A. MOOR

O Karl! Karl! wüßtest du wie deine Aufführung das Vaterherz foltert! Wie eine einzige frohe Nachricht von dir meinem Leben zehen Jahre zusetzen würde — mich zum Jüngling machen würde — da mich nun jede, ach! einen Schritt näher ans Grab rückt!

FRANZ

Ist es das, alter Mann so lebt wohl — wir alle würden noch heute die Haare ausraufen über eurem Sarge.

D. A. MOOR

Bleib! — Es ist noch um den kleinen kurzen Schritt zu tun — laß ihm seinen Willen, indem er sich niedersetzt. Die Sünden seiner Väter werden heimgesucht im Dritten und vierten Glied — laß ihns vollenden.

FRANZ

nimmt den Brief aus der Tasche.

Ihr kennt unsern Korrespondenten! Seht! Den Finger meiner rechten Hand wollt ich drum geben, dürft ich sagen, er ist ein Lügner, ein schwarzer giftiger Lügner — — Faßt euch! Ihr vergebt mir, wenn ich euch den Brief nicht selbst lesen lasse — Noch dörft ihr nicht alles hören.

D. A. MOOR

Alles, alles — mein Sohn, du ersparst mir die Krücke.

FRANZ

liest.

„Leipzig, vom 1. Mai. — Verbände mich nicht eine unverbrüchliche Zusage dir auch nicht das geringste zu verhehlen, was ich von den Schicksalen deines Bruders auffangen kann, liebster Freund, nimmermehr würde meine unschuldige Feder an dir zur Tyrannin geworden sein. Ich kann es aus hundert Briefen von dir abnehmen, wie Nachrichten dieser Art dein brüderliches Herz durchbohren müssen, mir ists als säh ich dich schon um den Nichtswürdigen, den Abscheulichen“ — — Der alte Moor verbirgt sein Gesicht. Seht, Vater! ich lese euch nur das glimpflichste — „den Abscheulichen in tausend Tränen ergossen,“ ach sie flossen — stürzten stromweis von dieser mitleidigen Wange — „mir ists, als säh ich schon deinen alten, frommen Vater Totenbleich“ — Jesus Maria! ihr seids, eh ihr noch das mindeste wisset?

D. A. MOOR

Weiter! Weiter!

FRANZ

„Totenbleich in seinen Stuhl zurücktaumeln, und dem Tage fluchen an dem ihm zum erstenmal Vater entgegengestammelt ward. Man hat mir nicht alles entdecken mögen, und von dem wenigen das ich weiß erfährst du nur weniges. Dein Bruder scheint nun das Maß seiner Schande gefüllt zu haben; ich wenigstens kenne nichts über dem was er wirklich erreicht hat, wenn nicht sein Genie das meinige hierin übersteigt. Gestern um Mitternacht hatte er den großen Entschluß, nach vierzig tausend Dukaten Schulden — ein hübsches Taschengeld Vater — nachdem er zuvor die Tochter eines reichen Banquiers allhier entjungfert, und ihren Galan einen braven Jungen von Stand im Duell auf den Tod verwundet mit sieben andern, die er mit in sein Luderleben gezogen dem Arm der Justiz zu entlaufen“ — Vater! Um Gotteswillen Vater! wie wird euch?

D. A. MOOR

Es ist genug. Laß ab mein Sohn!

FRANZ

Ich schone eurer — „man hat ihm Steckbriefe nachgeschickt, die Beleidigte schreien laut um Genugtuung, ein Preis ist auf seinen Kopf gesetzt — der Name Moor“ — Nein! Meine armen Lippen sollen nimmermehr einen Vater ermorden! zerreißt den Brief. Glaubt es nicht, Vater! glaubt ihm keine Silbe!

D. A. MOOR

weint bitterlich.

Mein Name! Mein ehrlicher Name!

FRANZ

fällt ihm um den Hals.

Schändlicher, dreimal schändlicher Karl! Ahndete mirs nicht, da er noch ein Knabe den Mädels so nachschlenderte mit Gassenjungen und elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herumhetzte, den Anblick der Kirche, wie ein Missetäter das Gefängnis, floh, und die Pfennige, die er euch abquälte dem ersten dem besten Bettler in den Hut warf, während daß wir daheim mit frommen Gebeten, und heiligen Predigtbüchern uns erbauten? — Ahndete mirs nicht da er die Abenteuer des Julius Cäsar und Alexander Magnus und anderer stockfinsterer Heiden lieber las als die Geschichte des bußfertigen Tobias? — Hundertmal hab ichs euch geweissagt, denn meine Liebe zu ihm war immer in den Schranken der kindlichen Pflicht, — der Junge wird uns alle noch in Elend und Schande stürzen! — O daß er Moors Namen nicht trüge! daß mein Herz nicht so warm für ihn schlüge! Die gottlose Liebe, die ich nicht vertilgen kann, wird mich noch einmal vor Gottes Richterstuhl anklagen.

D. A. MOOR

Oh — meine Aussichten! Meine goldenen Träume!

FRANZ

Das weiß ich wohl. Das ist es ja was ich eben sagte. Der feurige Geist, der in dem Buben lodert, sagtet ihr immer, der ihn für jeden Reiz von Größe und Schönheit so empfindlich macht; diese Offenheit die seine Seele auf dem Auge spiegelt, diese Weichheit des Gefühls, die ihn bei jedem Leiden in weinende Sympathie dahinschmelzt, dieser männliche Mut der ihn auf den Wipfel hundertjähriger Eichen treibet, und über Gräben und Palisaden und reißende Flüsse jagt, dieser kindische Ehrgeiz, dieser unüberwindliche Starrsinn, und alle diese schöne glänzende Tugenden, die im Vatersöhnchen keimten, werden ihn dereinst zu einem warmen Freund eines Freundes, zu einem trefflichen Bürger, zu einem Helden, zu einem großen großen Manne machen — seht ihrs nun Vater! — der feurige Geist hat sich entwickelt, ausgebreitet, herrliche Früchte hat er getragen. Seht diese Offenheit, wie hübsch sie sich zur Frechheit herumgedreht hat, seht diese Weichheit, wie zärtlich sie für Koketten girret, wie so empfindsam für die Reize eine Phryne! Seht dieses feurige Genie, wie es das Öl seines Lebens in sechs Jährgen so rein weggebrannt hat, daß er bei lebendigem Leibe umgeht, und da kommen die Leute, und sind so unverschämt zu sagen: c’est l’amour qui a fait ça! Ah! seht doch diesen kühnen unternehmenden Kopf, wie er Plane schmiedet und ausführt, vor denen die Heldentaten eines Kartouches und Howards verschwinden! — Und wenn erst diese prächtigen Keime zur vollen Reife erwachsen, — was läßt sich auch von einem so zarten Alter Vollkommenes erwarten? — Vielleicht Vater erlebet ihr noch die Freude, ihn an der Fronte eines Heeres zu erblicken, das in der heiligen Stille der Wälder residieret, und dem müden Wanderer seine Reise um die Hälfte der Bürde erleichtert — vielleicht könnt ihr noch, eh ihr zu Grabe geht, eine Wallfahrt nach seinem Monumente tun, das er sich zwischen Himmel und Erden errichtet — vielleicht, o Vater, Vater, Vater — seht euch nach einem andern Namen um, sonst deuten Krämer und Gassenjungen mit Fingern auf euch, die euren Herrn Sohn auf dem Leipziger Marktplaz im Portrait gesehen haben.

D. A. MOOR

Und auch du mein Franz auch du? O meine Kinder! Wie sie nach meinem Herzen zielen!

FRANZ

Ihr seht, ich kann auch witzig sein, aber mein Witz ist Skorpionstich. — Und dann der trockne Alltagsmensch, der kalte, hölzerne Franz, und wie die Titelgen alle heißen mögen, die euch der Kontrast zwischen ihm und mir mocht eingegeben haben, wenn er euch auf dem Schoße saß oder in die Backen zwickte — der wird einmal zwischen seinen Grenzsteinen sterben, und modern und vergeßen werden, wenn der Ruhm dieses Universalkopfs von einem Pole zum andern fliegt — Ha! mit gefaltnen Händen dankt dir o Himmel! der kalte, trockne, hölzerne Franz — daß er nicht ist wie dieser!

D. A. MOOR

Vergib mir mein Kind; zürne nicht auf einen Vater, der sich in seinen Planen betrogen findet. Der Gott der mir durch Karln Tränen zusendet, wird sie durch dich mein Franz aus meinen Augen wischen.

FRANZ

Ja Vater aus euren Augen soll er sie wischen. Euer Franz wird sein Leben dran setzen das eurige zu verlängern. Euer Leben ist das Orakel, das ich vor allem zu Rate ziehe, über dem was ich tun will, der Spiegel durch den ich alles betrachte — keine Pflicht ist mir so heilig die ich nicht zu brechen bereit bin, wenn’s um euer kostbares Leben zu tun ist. — Ihr glaubt mir das?

D. A. MOOR

Du hast noch große Pflichten auf dir mein Sohn — Gott segne dich für das was du mir warst und sein wirst!

FRANZ

Nun sagt mir einmal — Wenn ihr diesen Sohn nicht den Euren nennen müßtet, ihr wärt ein glücklicher Mann?

D. A. MOOR

Stille o stille! da ihn die Wehmutter mir brachte hub ich ihn gen Himmel und rief: Bin ich nicht ein glücklicher Mann?

FRANZ

Das sagtet ihr. Nun habt ihrs gefunden? Ihr beneidet den schlechtesten eurer Bauren, daß er nicht Vater ist zu diesem — Ihr habt Kummer so lang ihr diesen Sohn habt. Dieser Kummer wird wachsen mit Karln. Dieser Kummer wird euer Leben untergraben.

D. A. MOOR

Oh! er hat mich zu einem achtzigjährigen Manne gemacht.

FRANZ

Nun also — wenn ihr dieses Sohnes euch entäußertet?

D. A. MOOR

auffahrend.

Franz! Franz! was sagst du?

FRANZ

Ist es nicht diese Liebe zu ihm die euch all den Gram macht. Ohne diese Liebe ist er für euch nicht da. Ohne diese strafbare diese verdammliche Liebe ist er euch gestorben — ist er euch nie geboren. Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen. Liebt ihr ihn nicht mehr, so ist diese Abart auch euer Sohn nicht mehr, und wär er aus eurem Fleische geschnitten. Er ist euer Augapfel gewesen bisher, nun aber, ärgert dich dein Auge, sagt die Schrift, so reiß es aus. Es ist besser einäugig gen Himmel, als mit zwei Augen in die Hölle. Es ist besser Kinderlos gen Himmel, als wenn beide Vater und Sohn in die Hölle fahren. So spricht die Gottheit!

D. A. MOOR

Du willst ich soll meinen Sohn verfluchen?

FRANZ

Nicht doch! nicht doch! — Euren Sohn sollt ihr nicht verfluchen. Was heißt ihr euren Sohn? — dem ihr das Leben gegeben habt, wenn er sich auch alle ersinnliche Mühe gibt das eurige zu verkürzen?

D. A. MOOR

Oh das ist allzuwahr! das ist ein Gericht über mich. Der Herr hats ihm geheißen!

FRANZ

Seht ihrs, wie kindlich euer Busenkind an euch handelt? Durch eure Väterliche Teilnehmung erwürgt er euch, mordet euch durch eure Liebe, hat euer Vaterherz selbst bestochen euch den Garaus zu machen. Seid ihr einmal nicht mehr, so ist er Herr eurer Güter, König seiner Triebe. Der Damm ist weg, und der Strom seiner Lüste kann itzt freier dahinbrausen. Denkt euch einmal an seine Stelle! Wie oft muß er den Vater unter die Erde wünschen — wie oft den Bruder — die ihm im Lauf seiner Exzesse so unbarmherzig im Weg stehen. Ist das aber Liebe gegen Liebe? Ist das kindliche Dankbarkeit gegen väterliche Milde? Wenn er dem geilen Kitzel eines Augenblicks zehn Jahre eures Lebens aufopfert? wenn er den Ruhm seiner Väter der sich schon sieben Jahrhunderte unbefleckt erhalten hat, in Einer wollüstigen Minute aufs Spiel setzt? Heißt ihr das euren Sohn? Antwortet? heißt ihr das einen Sohn?

D. A. MOOR

Ein unzärtliches Kind! ach! aber mein Kind doch! mein Kind doch!

FRANZ

Ein allerliebstes köstliches Kind, dessen ewiges Studium ist, keinen Vater zu haben — O daß ihrs begreifen lerntet! daß euch die Schuppen fielen vom Auge! aber eure Nachsicht muß ihn in seinen Liederlichkeiten befestigen; euer Vorschub ihnen Rechtmäßigkeit geben. Ihr werdet freilich den Fluch von seinem Haupte laden, auf euch, Vater, auf euch wird der Fluch der Verdammnis fallen.

D. A. MOOR

Gerecht! sehr gerecht! — Mein mein ist alle Schuld!

FRANZ

Wie viele Tausende, die voll gesoffen haben vom Becher der Wollust, sind durch Leiden gebessert worden. Und ist nicht der körperliche Schmerz, den jedes Übermaß begleitet, ein Fingerzeig des göttlichen Willens. Sollte ihn der Mensch durch seine grausame Zärtlichkeit verkehren? Soll der Vater das ihm anvertraute Pfand auf ewig zu Grund richten? — Bedenkt Vater, wenn ihr ihn seinem Elend auf einige Zeit preis geben werdet, wird er nicht entweder umkehren müssen und sich bessern? oder er wird auch in der großen Schule des Elends ein Schurke bleiben, und dann — wehe dem Vater der die Ratschlüsse einer höheren Weisheit durch Verzärtlung zernichtet! — Nun Vater?

D. A. MOOR

Ich will ihm schreiben, daß ich meine Hand von ihm wende.

FRANZ

Da tut ihr recht und klug daran.

D. A. MOOR

Daß er nimmer vor meine Augen komme.

FRANZ

Das wird eine heilsame Wirkung tun.

D. A. MOOR

zärtlich.

Bis er anders worden!

FRANZ

Schon recht, schon recht — Aber, wenn er nun kommt mit der Larve des Heuchlers, euer Mitleid erweint, eure Vergebung sich erschmeichelt, und morgen hingeht und eurer Schwachheit spottet im Arm seiner Huren? — Nein Vater! Er wird freiwillig wiederkehren, wenn ihn sein Gewissen rein gesprochen hat.

D. A. MOOR

So will ich ihm das auf der Stelle schreiben.

FRANZ

Halt! noch ein Wort Vater! Eure Entrüstung, fürchte ich, möchte euch zu harte Worte in die Feder werfen, die ihm das Herz zerspalten würden — und, dann — glaubt ihr nicht daß er das schon für Verzeihung nehmen werde, wenn ihr ihn noch eines eigenhändigen Schreibens wert haltet? Darum wirds besser sein! ihr überlaßt das Schreiben mir.

D. A. MOOR

Tu das mein Sohn. — Ach! es hätte mir doch das Herz gebrochen! Schreib ihm — —

FRANZ

schnell.

Dabei bleibts also?

D. A. MOOR

Schreib ihm daß ich tausend blutige Tränen, tausend schlaflose Nächte — Aber bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung!

FRANZ

Wollt ihr euch nicht zu Bette legen Vater? Es griff euch hart an.

D. A. MOOR

Schreib ihm daß die Väterliche Brust — Ich sage dir bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung!

Geht traurig ab.

FRANZ

mit Lachen ihm nachsehend.

Tröste dich Alter, du wirst ihn nimmer an diese Brust drücken, der Weg dazu ist ihm verrammelt, wie der Himmel der Hölle — Er war aus deinen Armen gerissen, ehe du wußtest daß du es wollen könntest — da müßt ich ein erbärmlicher Stümper sein, wenn ichs nicht einmal so weit gebracht hätte einen Sohn vom Herzen des Vaters los zu lösen, und wenn er mit ehernen Banden daran geklammert wäre — Ich hab einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen, den er nicht überspringen soll — Glück zu Franz! Weg ist das Schoßkind — Der Wald ist heller. Ich muß diese Papiere vollends aufheben, wie leicht könnte jemand meine Handschrifft kennen? er liest die zerrissenen Briefstücke zusammen. — Und Gram wird auch den Alten bald fortschaffen, — und ihr muß ich diesen Karl, aus dem Herzen reißen, wenn auch ihr halbes Leben dran hängen bleiben sollte.

Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre! ich will sie geltend machen. — Warum bin ich nicht der erste aus Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum mußte sie mir diese Bürde von Häßlichkeit aufladen? gerade mir? Nicht anders als ob sie bei meiner Geburt einen Rest gesetzt hätte? Warum gerade mir die Lappländers Nase? Gerade mir dieses Mohrenmaul? Diese Hottentotten Augen? Wirklich ich glaube sie hat von allen Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen, und mich daraus gebacken. Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben jenem dieses zu verleihen, und mir vorzuenthalten? Könnte ihr jemand darum hofieren, eh er entstund? Oder sie beleidigen, eh er selbst wurde? Warum ging sie so parteilich zu Werke?

Nein! Nein! Ich tu ihr Unrecht. Gab sie uns doch Erfindungs-Geist mit, setzte uns nackt und armselig ans Ufer dieses großen Ozeans Welt — Schwimme, wer schwimmen kann, und wer zu plump ist geh unter! Sie gab mir nichts mit; wozu ich mich machen will, das ist nun meine Sache. Jeder hat gleiches Recht zum Größten und Kleinsten, Anspruch wird an Anspruch, Trieb an Trieb, und Kraft an Kraft zernichtet. Das Recht wohnet beim Überwältiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze.

Wohl gibt es gewisse gemeinschaftliche Pakta, die man geschloßen hat, die Pulse des Weltzirkels zu treiben. Ehrlicher Name! — wahrhaftig eine reichhaltige Münze mit der sich meisterlich schachern läßt, wers versteht, sie gut auszugeben. Gewissen, — o ja freilich! ein tüchtiger Lumpenmann, Sperlinge von Kirschbäumen wegzuschrökken! — auch das ein gut geschriebener Wechselbrief mit dem auch der Bankerottierer zur Not noch hinauslangt.

In der Tat, sehr lobenswürdige Anstalten, die Narren im Respekt und den Pöbel unter dem Pantoffel zu halten, damit die Gescheiden es desto bequemer haben. Ohne Anstand, recht schnakische Anstalten! Kommen wir für, wie die Hecken die meine Bauren gar schlau um ihre Felder herumführen, daß ja kein Hase drüber setzt, ja beileibe kein Hase! — Aber der gnädige Herr gibt seinem Rappen den Sporn, und galoppiert weich über der Weiland Ernte.

Armer Hase! Es ist doch eine jämmerliche Rolle, der Hase sein müssen auf dieser Welt — Aber der gnädige Herr braucht Hasen!

Also frisch drüber hinweg! Wer nichts fürchtet, ist nicht weniger mächtig als der, den alles fürchtet. Es ist itzo die Mode, Schnallen an den Beinkleidern zu tragen, womit man sie nach Belieben weiter und enger schnürt. Wir wollen uns ein Gewissen nach der neuesten Facon anmessen lassen, um es hübsch weiter aufzuschnallen wie wir zulegen. Was können wir dafür? Geht zum Schneider! Ich habe Langes und Breites von einer sogenannten Blutliebe schwatzen gehört, das einem ordentlichen Hausmann den Kopf heiß machen könnte — Das ist dein Bruder! — das ist verdolmetscht; Er ist aus eben dem Ofen geschossen worden, aus dem du geschossen bist — also sei er dir heilig! — Merkt doch einmal diese verzwickte Konsequenz, diesen possierlichen Schluß von der Nachbarschaft der Leiber auf die Harmonie der Geister; von eben derselben Heimat zu eben derselben Empfindung; von einerlei Kost zu einerlei Neigung. Aber weiter — es ist dein Vater! Er hat dir das Leben gegeben, du bist sein Fleisch, sein Blut — also sei er dir heilig! Wiederum eine schlaue Konsequenz! Ich möchte doch fragen, warum hat er mich gemacht? doch wohl nicht gar aus Liebe zu mir, der erst ein Ich werden sollte? Hat er mich gekannt ehe er mich machte? Oder hat er an mich gedacht, wie er mich machte? Oder hat er mich gewünscht, da er mich machte? Wußte er was ich werden würde? das wollt ich ihm nicht raten, sonst möcht ich ihn dafür strafen, daß er mich doch gemacht hat? Kann ichs ihm Dank wissen, daß ich ein Mann wurde? So wenig als ich ihn verklagen könnte, wenn er ein Weib aus mir gemacht hätte. Kann ich eine Liebe erkennen, die sich nicht auf Achtung gegen mein Selbst gründet? Konnte Achtung gegen mein Selbst vorhanden sein, das erst dadurch entstehen sollte, davon es die Voraussetzung sein muß? Wo stickt dann nun das Heilige? Etwa im Aktus selber durch den ich entstund? — Als wenn dieser etwas mehr wäre als viehischer Prozeß zur Stillung viehischer Begierden? Oder stickt es vielleicht im Resultat dieses Aktus, der doch nichts ist als eiserne Notwendigkeit, die man so gern wegwünschte, wenns nicht auf Unkosten von Fleisch und Blut geschehn müßte? Soll ich ihm etwa darum gute Worte geben, daß er mich liebt? das ist eine Eitelkeit von ihm, die Schoßsünde aller Künstler, die sich in ihrem Werk kokettieren, wär es auch noch so häßlich. — Sehet also das ist die ganze Hexerei, die ihr in einen heiligen Nebel verschleiert unsre Furchtsamkeit zu mißbrauchen. Soll auch ich mich dadurch gängeln lassen wie einen Knaben?

Frisch also! mutig ans Werk! — Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt daß ich nicht Herr bin. Herr muß ich sein, daß ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht

ab.

ZWEITE SZENE

Schenke an den Grenzen von Sachsen.

Karl V. Moor in ein Buch vertieft. Spiegelberg trinkend am Tisch.

KARL V. MOOR

legt das Buch weg.

Mir ekelt vor diesem Tintenkleksenden Sekulum, wenn ich in meinem Plutarch lese von großen Menschen.

SPIEGELBERG

stellt ihm ein Glas hin, und trinkt.

Den Josephus mußt du lesen.

MOOR

Der lohe Lichtfunke Prometheus ist ausgebrannt, dafür nimmt man itzt die Flamme von Berlappenmehl — Theaterfeuer, das keine Pfeife Tabak anzündet. Da krabbeln sie nun, wie die Ratten auf der Keule des Herkules, und studieren sich das Mark aus dem Schädel was das für ein Ding sei, das er in seinem Hoden geführt hat? Ein französischer Abbé doziert, Alexander sei ein Hasenfuß gewesen, ein schwindsüchtiger Professor hält sich bei jedem Wort ein Fläschchen Salmiakgeist vor die Nase, und liest ein Kollegium über die Kraft. Kerls, die in Ohnmacht fallen wenn sie einen Buben gemacht haben, kritteln über die Taktik des Hannibals — feuchtohrige Buben fischen Phrases aus der Schlacht bei Kannä, und greinen über die Siege des Scipio, weil sie sie exponieren müssen.

SPIEGELBERG

Das ist ja recht Alexandrinisch geflennt.

MOOR

Schöner Preis für euren Schweiß in der Feldschlacht, daß ihr jetzt in Gymnasien lebet, und eure Unsterblichkeit in einem Bücherriemen mühsam fortgeschleppt wird. Kostbarer Ersatz eures verpraßten Blutes, von einem Nürnberger Krämer um Lebkuchen gewickelt — oder, wenns glücklich geht, von einem französischen Tragödienschreiber auf Stelzen geschraubt, und mit Drahtfäden gezogen zu werden. Hahaha!

SPIEGELBERG

trinkt

Lies den Josephus, ich bitte dich drum!

MOOR

Pfui! Pfui über das schlappe Kastraten-Jahrhundert, zu nichts nütze, als die Taten der Vorzeit wiederzukäuen, und die Helden des Altertums mit Kommentationen zu schinden, und zu verhunzen mit Trauerspielen. Die Kraft seiner Lenden ist versiegen gegangen, und nun muß Bierhefe den Menschen fortpflanzen helfen.

SPIEGELBERG

Tee, Bruder, Tee!

MOOR

Da verrammeln sie sich die gesunde Natur mit abgeschmackten Konventionen, haben das Herz nicht ein Glas zu leeren, weil sie Gesundheit dazu trinken müssen — belecken den Schuhputzer, daß er sie vertrete bei Ihro Gnaden, und hudeln den armen Schelm, den sie nicht fürchten. Vergöttern sich um ein Mittagessen, und möchten einander vergiften um ein Unterbett, das ihnen beim Aufstreich überboten wird. — Verdammen den Sadduzäer, der nicht fleißig genug in die Kirche kommt, und berechnen ihren Judenzins am Altare — fallen auf die Knie, damit sie ja ihren Schlamp ausbreiten können — wenden kein Aug von dem Pfarrer, damit sie sehen, wie seine Perücke frisiert ist. — Fallen in Ohnmacht, wenn sie eine Gans bluten sehen, und klatschen in die Hände, wenn ihr Nebenbuhler bankerott von der Börse geht — — So warm ich ihnen die Hand drückte — „nur noch einen Tag“ — Umsonst! — Ins Loch mit dem Hund! — Bitten! Schwüre! Tränen auf den Boden stampfend, Hölle und Teufel!

SPIEGELBERG

Und um so ein paar tausend lausige Dukaten —

MOOR

Nein ich mag nicht daran denken. Ich soll meinen Leib pressen in eine Schnürbrust, und meinen Willen schnüren in Gesetze. Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus. Sie verpalisadieren sich ins Bauchfell eines Tyrannen, hofieren der Laune seines Magens, und lassen sich klemmen von seinen Winden. — Ah! daß der Geist Herrmanns noch in der Asche glimmte! — Stelle mich vor ein Heer Kerls wie ich, und aus Deutschland soll eine Republik werden, gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster sein sollen.

Er wirft den Degen auf den Tisch und steht auf.

SPIEGELBERG

aufspringend.

Bravo! Bravissimo! du bringst mich eben recht auf das Chapitre. Ich will dir was ins Ohr sagen Moor, das schon lang mit mir umgeht, und du bist der Mann dazu — sauf Bruder sauf! — wie wärs wenn wir Juden würden, und das Königreich wieder aufs Tapet brächten?

MOOR

lacht aus vollem Halse.

Ah! Nun merk ich — nun merk ich — du willst die Vorhaut aus der Mode bringen, weil der Barbier die deinige schon hat?

SPIEGELBERG

Daß dich Bärenhäuter! Ich bin freilich wunderbarerweis schon voraus beschnitten. Aber sag, ist das nicht ein schlauer und herzhafter Plan? Wir lassen ein Manifest ausgehen in alle vier Enden der Welt und zitieren nach Palästina, was kein Schweinefleisch ißt. Da beweis ich nun durch trifftige Dokumente, Herodes der Vierfürst sei mein Großahnherr gewesen, und so ferner. Das wird ein Viktoria abgeben, Kerl, wenn sie wieder ins Trockene kommen, und Jerusalem wieder aufbauen dörfen. Itzt frisch mit den Türken aus Asien, weil’s Eisen noch warm ist, und Zedern gehauen aus dem Libanon, und Schiffe gebaut, und geschachert mit alten Borden und Schnallen das ganze Volk. Mittlerweile —

MOOR

nimmt ihn lächelnd bei der Hand.

Kamerad! Mit den Narrenstreichen ists nun am Ende.

SPIEGELBERG

stutzig.

Pfui, du wirst doch nicht gar den verlorenen Sohn spielen wollen? Ein Kerl wie du der mit dem Degen mehr auf die Gesichter gekrizelt hat, als drei Substituten in einem Schaltjahr ins Befehlbuch schreiben! Soll ich dir von der großen Hundsleiche vorerzehlen? ha! ich muß nur dein eigenes Bild wieder vor dich rufen, das wird Feuer in deine Adern blasen, wenn dich sonst nichts mehr begeistert. Weißt du noch wie die Herren vom Kollegio deiner Dogge das Bein hatten abschießen lassen, und du zur Revange ließest ein Fasten ausschreiben in der ganzen Stadt. Man schmollte über dein Reskript. Aber du nicht faul, lässest alles Fleisch aufkaufen in ganz L. daß in acht Stund kein Knoch mehr zu nagen ist in der ganzen Rundung, und die Fische anfangen im Preise zu steigen. Magistrat und Bürgerschaft düßelten Rache. Wir Pursche frisch heraus zu siebzehn hundert, und du an der Spitze, und Metzger, und Schneider und Krämer hinterher, und Wirt und Barbierer und alle Zünfte, und fluchen, Sturm zu laufen wider die Stadt wenn man den Purschen ein Haar krümmen wollte. Da gings aus, wie’s Schießen zu Hornberg, und mußten abziehen mit langer Nase. Du lässest Doktores kommen ein ganzes Koncilium, und botst drei Dukaten wer dem Hund ein Rezept schreiben würde. Wir sorgten die Herren werden zuviel Ehr im Leib haben und Nein sagen und hattens schon verabredt sie zu forcieren. Aber das war unnötig, die Herren schlugen sich um die drei Dukaten, und kams im Abstreich herab auf drei Batzen, in einer Stund sind zwölf Rezepte geschrieben, daß das Tier auch bald drauf verreckte.

MOOR

Schändliche Kerls!

SPIEGELBERG

Der Leichenpomp wird veranstaltet in aller Pracht, Karmina gabs die schwere Meng um den Hund, und zogen wir aus des Nachts gegen tausend, eine Laterne in der einen Hand, unsre Raufdegen in der andern, und so fort durch die Stadt mit Glockenspiel und Geklimper, bis der Hund beigesezt war. Drauf gabs ein Fressen, das währt bis an den lichten Morgen, da bedanktest du dich bei den Herren für das herzliche Beileid, und ließest das Fleisch verkaufen ums halbe Geld. Mort de ma vie, da hatten wir dir Respekt, wie eine Garnison in einer eroberten Festung —

MOOR

Und du schämst dich nicht damit groß zu prahlen? Hast nicht einmal so viel Scham dich dieser Streiche zu schämen?

SPIEGELBERG

Geh, geh. Du bist nicht mehr Moor. Weißt du noch wie tausendmal du die Flasche in der Hand den alten Filzen hast aufgezogen, und gesagt: Er soll nur drauf los schaben und scharren, du wollest dir dafür die Gurgel absaufen. — Weißt du noch? he? weißt du noch? O du heilloser, erbärmlicher Prahlhans! das war noch männlich gesprochen, und edelmännisch, aber —

MOOR

Verflucht seist du, daß du mich dran erinnerst! Verflucht ich, daß ich es sagte! Aber es war nur im Dampfe des Weins, und mein Herz hörte nicht was meine Zunge prahlte.

SPIEGELBERG

schüttelt den Kopf.

Nein! nein! nein! das kann nicht sein. Unmöglich Bruder, das kann dein Ernst nicht sein. Sag, Brüderchen, ist es nicht die Not die dich so stimmt? Kommt, laß dir ein Stückchen aus meinen Bubenjahren erzählen. Da hatt ich neben meinem Haus einen Graben, der, wie wenig, seine acht Schuh breit war, wo wir Buben uns in die Wette bemühten hinüber zu springen. Aber das war umsonst. Pflumpf!lagst du, und ward ein Gezisch und Gelächter über dir, und wurdest mit Schneeballen geschmissen über und über. Neben meinem Haus lag eines Jägers Hund an einer Kette, eine so bissige Bestie, die dir die Mädels wie der Blitz am Rockzipfel hatte, wenn sie sichs versahn, und zu nah dran vorbei strichen. Das war nun mein Seelengaudium, den Hund überall zu necken wo ich nur konnte, und wollt halb krepieren vor Lachen wenn mich dann das Luder so giftig anstierte, und so gern auf mich losgerannt wär, wenns nur gekonnt hätte. — Was geschieht? Ein andermal mach ichs ihm auch wieder so, und werf ihn mit einem Stein so derb an die Ripp, daß er vor Wut von der Kette reißt und auf mich dar, und ich wie alle Donnerwetter reißaus und davon — Tausend Schwerenot! Da ist dir just der vermaledeite Graben dazwischen. Was zu tun? Der Hund ist mir hart an den Fersen und wütig, also kurz resolviert — ein Anlauf genommen — drüben bin ich. Dem Sprung hatt ich Leib und Leben zu danken; die Bestie hätte mich zu Schanden gerissen.

MOOR

Aber wozu itzt das?

SPIEGELBERG

Dazu — daß du sehen sollst, wie die Kräfte wachsen in der Not. Darum laß ich mirs auch nicht bange sein, wenns aufs äußerste kommt. Der Mut wächst mit der Gefahr; Die Kraft erhebt sich im Drang. Das Schicksal muß einen großen Mann aus mir haben wollen, weil’s mir so quer durch den Weg streicht.

MOOR

ärgerlich.

Ich wüßte nicht wozu wir den Mut noch haben sollten, und noch nicht gehabt hätten.

SPIEGELBERG

So? — Und du willst also deine Gaben in dir verwittern lassen? Dein Pfund vergraben? Meinst du, deine Stinkereien in Leipzig machen die Grenzen des menschlichen Witzes aus? Da laß uns erst in die große Welt kommen. Paris und London! — wo man Ohrfeigen einhandelt, wenn man einen mit dem Namen eines ehrlichen Mannes grüßt. Da ist es auch ein Seelenjubilo, wenn man das Handwerk ins große praktiziert. — Du wirst gaffen! Du wirst Augen machen! Wart, und wie man Handschriften nachmacht, Würfel verdreht, Schlösser aufbricht, und den Koffern das Eingeweid ausschüttet — das sollst du noch von Spiegelberg lernen! Die Kanaille soll man an den nächsten besten Galgen knüpfen, die bei geraden Fingern verhungern will.

MOOR

zerstreut.

Wie? Du hast es wohl gar noch weiter gebracht?

SPIEGELBERG

Ich glaube gar, du setzest ein Mißtrauen in mich. Wart, laß mich erst warm werden; du sollst Wunder sehen, dein Gehirnchen soll sich im Schädel umdrehen, wenn mein kreisender Witz in die Wochen kommt. — Steht auf, hitzig. Wie es sich aufhellt in mir! Große Gedanken dämmern auf in meiner Seele! Riesenplane gären in meinem schöpfrischen Schedel. Verfluchte Schlafsucht! Sich vor’n Kopf schlagend. Die bisher meine Kräfte in Ketten schlug, meine Aussichten sperrte und spannte; ich erwache, fühle wer ich bin — wer ich werden muß!

MOOR

Du bist ein Narr. Der Wein bramarbasiert aus deinem Gehirne.

SPIEGELBERG

hitziger.

Spiegelberg, wird es heißen, kannst du hexen Spiegelberg? Es ist Schade daß du kein General worden bist, Spiegelberg, wird der König sagen, du hättest die Östreicher durch ein Knopfloch gejagt. Ja, hör ich die Dokters jammern, es ist unverantwortlich daß der Mann nicht die Medizin studiert hat, er hätte ein neues Kropfpulver erfunden. Ach! und daß er das Kamerale nicht zum Fach genommen hat, werden die Sullys in ihren Kabinetten seufzen, er hätte aus Steinen Louisd’ore hervorgezaubert. Und Spiegelberg wird es heißen in Osten und Westen, und in den Kot mit euch ihr Memmen, ihr Kröten, indes Spiegelberg mit ausgespreiteten Flügeln zum Tempel des Nachruhms empor fliegt.

MOOR

Glück auf den Weg! Steig du auf Schandsäulen zum Gipfel des Ruhms. Im Schatten meiner väterlichen Haine, in den Armen meiner Amalia lockt mich ein edler Vergnügen. Schon die vorige Woche hab ich meinem Vater um Vergebung geschrieben, hab ihm nicht den kleinsten Umstand verschwiegen, und wo Aufrichtigkeit ist, ist auch Mitleid und Hilfe. Laß uns Abschied nehmen Moriz. Wir sehen uns heut, und nie mehr. Die Post ist angelangt. Die Verzeihung meines Vaters ist schon innerhalb dieser Stadtmauren.

Schweizer. Grimm. Roller. Schufterle. Razmann treten auf.

ROLLER

Wißt ihr auch, daß man uns auskundschaftet?

GRIMM

Daß wir keinen Augenblick sicher sind aufgehoben zu werden?

MOOR

Mich wunderts nicht. Es gehe wie es will! saht ihr den Schwarz nicht? sagt er euch von keinem Brief, den er an mich hätte?

ROLLER

Schon lang sucht er dich, ich vermute so etwas.

MOOR

Wo ist er, wo, wo? will eilig fort.

ROLLER

Bleib! wir haben ihn hieher beschieden. Du zitterst? —

MOOR

Ich zittre nicht. Warum sollt ich auch zittern? Kameraden! dieser Brief — freut euch mit mir! Ich bin der Glücklichste unter der Sonne, warum sollt ich zittern?

Schwarz tritt auf.

MOOR

fliegt ihm entgegen.

Bruder, Bruder, den Brief! den Brief!

SCHWARZ

gibt ihm den Brief, den er hastig aufbricht.

Was ist dir? wirst du nicht wie die Wand?

MOOR

Meines Bruders Hand!

SCHWARZ

Was treibt denn der Spiegelberg?

GRIMM

Der Kerl ist unsinnig. Er macht Gestus wie beim sankt Veits Tanz.

SCHUFTERLE

Sein Verstand geht im Ring herum. Ich glaub er macht Verse.

RAZMANN

Spiegelberg! He Spiegelberg! — Die Bestie hört nicht.

GRIMM

schüttelt ihn.

Kerl! träumst du, oder? —

SPIEGELBERG

der sich die ganze Zeit über mit den Pantominen eines Projektmachers im Stubeneck abgearbeitet hat, springt wild auf.

La Bourse ou la vie!

und pakt Schweizern an der Gurgel, der ihn gelassen an die Wand wirft, — Moor läßt den Brief fallen, und rennt hinaus. Alle fahren auf.

ROLLER

ihm nach.

Moor! wonaus, Moor? was beginnst du?

GRIMM

Was hat er, was tat er? Er ist bleich wie die Leiche.

SCHWEIZER

Das müssen schöne Neuigkeiten sein! Laß doch sehen!

ROLLER

nimmt den Brief von der Erde, und liest.

„Unglücklicher Bruder!“ der Anfang klingt lustig. „Nur kürzlich muß ich dir melden, daß deine Hoffnung vereitelt ist — du sollst hingehen, läßt dir der Vater sagen, wohin dich deine Schandtaten führen. Auch, sagt er, werdest du dir keine Hoffnung machen, jemals Gnade zu seinen Füßen zu erwimmern, wenn du nicht gewärtig sein wollest, im untersten Gewölbe seiner Türme mit Wasser und Brot so lange traktiert zu werden, bis deine Haare wachsen wie Adlers-Federn, und deine Nägel wie Vogelsklauen werden. Das sind seine eigene Worte. Er befiehlt mir den Brief zu schließen. Leb wohl auf ewig! Ich bedaure dich —

Franz von Moor. “

SCHWEIZER

Ein zuckersüßes Brüdergen! In der Tat! — Franz heißt die Kanaille?

SPIEGELBERG

sachte herbei schleichend.

Von Wasser und Brot ist die Rede? Ein schönes Leben! Da hab ich anders für euch gesorgt! Sagt’ ichs nicht, ich müßt’ am Ende für euch alle denken?

SCHWEIZER

Was sagt der Schafskopf? der Esel will für uns alle denken?

SPIEGELBERG

Hasen, Krüppel, lahme Hunde seid ihr alle, wenn ihr das Herz nicht habt etwas Großes zu wagen?

ROLLER

Nun, das wären wir freilich, du hast recht — aber wird es uns auch aus dieser vermaledeiten Lage reißen, was du wagen wirst? wird es? —

SPIEGELBERG

mit einem stolzen Gelächter.

Armer Tropf! aus dieser Lage reißen? hahaha! — aus dieser Lage reißen? — und auf mehr raffiniert dein Fingerhut voll Gehirn nicht? und damit trabt deine Mähre zum Stalle? Spiegelberg müßte ein Hundsfot sein, wenn er mit dem nur anfangen wollte. Zu Helden, sag ich dir, zu Freiherrn, zu Fürsten, zu Göttern wirds euch machen!

RAZMANN

Das ist viel auf einen Hieb, wahrlich! Aber es wird wohl eine halsbrechende Arbeit sein, den Kopf wirds wenigstens kosten.

SPIEGELBERG

Es will nichts als Mut, denn was den Witz betrifft, den nehm ich ganz über mich. Mut, sag ich, Schweizer! Mut, Roller, Grimm, Razmann, Schufterle! Mut! —

SCHWEIZER

Mut? Wenns nur das ist — Mut hab ich genug um barfuß mitten durch die Hölle zu gehn.

SCHUFTERLE

Mut genug, mich unterm lichten Galgen mit dem leibhaftigen Teufel um einen armen Sünder zu balgen.

SPIEGELBERG

So gefällt mirs! Wenn ihr Mut habt, tret einer auf, und sag: Er habe noch etwas zu verlieren, und nicht alles zu gewinnen! —

SCHWARZ

Wahrhaftig, da gäbs manches zu verlieren, wenn ich das verlieren wollte, was ich noch zu gewinnen habe!

RAZMANN

Ja, zum Teufel! und manches zu gewinnen, wenn ich das gewinnen wollte, was ich nicht verlieren kann.

SCHUFTERLE

Wenn ich das verlieren müßte, was ich auf Borgs auf dem Leibe trage, so hätt’ ich allenfalls morgen nichts mehr zu verlieren.

SPIEGELBERG

Also denn! Er stellt sich mitten unter sie mit beschwörendem Ton. Wenn noch ein Tropfen deutschen Heldenbluts in euren Adern rinnt — kommt! Wir wollen uns in den böhmischen Wäldern niederlassen, dort eine Räuberbande zusammen ziehen, und — Was gafft ihr mich an? — ist euer bißgen Mut schon verdampft?

ROLLER

Du bist wohl nicht der erste Gauner, der über den hohen Galgen weggesehen hat — und doch — Was hätten wir sonst noch für eine Wahl übrig?

SPIEGELBERG

Wahl? Was? nichts habt ihr zu wählen! Wollt ihr im Schuldturm stecken, und zusammenschnurren bis man zum jüngsten Tag posaunt? Wollt ihr euch mit der Schaufel und Haue um einen Bissen trocken Brot abquälen? Wollt ihr an der Leute Fenster mit einem Bänkelsänger Lied ein mageres Almosen erpressen? oder wollt ihr zum Kalbsfell schwören — und da ist erst noch die Frage, ob man euren Gesichtern traut — und dort unter der milzsüchtigen Laune eines gebieterischen Korporals das Fegfeuer zum voraus abverdienen? oder bei klingendem Spiel nach dem Takt der Trommel spazieren gehn, oder im Galioten Paradies das ganze Eisen-Magazin Vulkans hinterschleifen? Seht, das habt ihr zu wählen, da ist es beisamen, was ihr wählen könnt!

ROLLER

So unrecht hat der Spiegelberg eben nicht. Ich hab auch meine Plane schon zusammengemacht, aber sie treffen endlich auf eins. Wie wärs, dacht ich, wenn ihr euch hinsetztet, und ein Taschenbuch oder einen Almanach, oder so was ähnlichs zusammensudeltet, und um den lieben Groschen rezensiertet, wie’s wirklich Mode ist?

SCHUFTERLE

Zum Henker! ihr ratet nach zu meinen Projekten. Ich dachte bei mir selbst, wie wenn du ein Pietist würdest, und wöchentlich deine Erbauungsstunden hieltest?

GRIMM

Getroffen! und wenn das nicht geht, ein Atheist! Wir könnten die vier Evangelisten aufs Maul schlagen, ließen unser Buch durch den Schinder verbrennen, und so ging’s reißend ab.

RAZMANN

Oder zögen wir wieder die Franzosen zu Felde — ich kenne einen Dokter, der sich ein Haus von purem Quecksilber gebaut hat, wie das Epigramm auf der Haustüre lautet.

SCHWEIZER

Steht auf und gibt Spiegelberg die Hand.

Moriz, du bist ein großer Mann! — oder es hat ein blindes Schwein eine Eichel gefunden.

SCHWARZ

Vortreffliche Plane! honnette Gewerbe! Wie doch die großen Geister sympathisieren! Itzt fehlte nur noch, daß wir Weiber und Kupplerinnen würden, oder gar unsere Jungferschaft zu Markte trieben.

SPIEGELBERG

Possen, Possen! Und was hinderts, daß ihr nicht das meiste in einer Person sein könnt? Mein Plan wird euch immer am höchsten poussieren, und da habt ihr noch Ruhm und Unsterblichkeit! Seht arme Schlucker! Auch so weit muß man hinausdenken! Auch auf den Nachruhm, das süße Gefühl von Unvergeßlichkeit —

ROLLER

Und oben an in der Liste der ehrlichen Leute! Du bist ein Meister-Redner, Spiegelberg, Wenns drauf ankommt, aus einem ehrlichen Mann einen Hollunken zu machen — Aber sag doch einer, wo der Moor bleibt? —

SPIEGELBERG

Ehrlich, sagst du? Meinst du, du seist nachher weniger ehrlich, als du itzt bist? Was heißt du ehrlich? Reichen Filzen ein Dritteil ihrer Sorgen vom Hals schaffen, die ihnen nur den goldnen Schlaf verscheuchen, das stockende Geld in Umlauf bringen, das Gleichgewicht der Güter wieder herstellen, mit einem Wort, das goldne Alter wieder zurückrufen, dem lieben Gott von manchem lästigen Kostgänger helfen, ihm Krieg, Pestilenz, teure Zeit und Dokters ersparen — siehst du, das heiß ich ehrlich sein, das heiß ich ein würdiges Werkzeug in der Hand der Vorsehung abgeben, — und so bei jedem Braten den man ißt, den schmeichelhaften Gedanken zu haben; den haben dir deine Finten, dein Löwenmut, deine Nachtwachen erworben — von groß und klein respektiert zu werden —

ROLLER

Und endlich gar bei lebendigem Leibe gen Himmel fahren, und trutz Sturm und Wind, trutz dem gefräßigen Magen der alten Urahne Zeit unter Sonn und Mond und allen Fixsternen schweben, wo selbst die unvernünftigen Vögel des Himmels, von edler Begierde herbeigelockt, ihr himmlisches Konzert musizieren, und die Engel mit Schwänzen ihr hochheiliges Synedrium halten? Nicht wahr? — und wenn Monarchen und Potentaten von Motten und Würmern verzehrt werden, die Ehre haben zu dürfen, von Jupiters königlichem Vogel Visiten anzunehmen? — Moriz, Moriz, Moriz! nimm dich in Acht! nimm dich in Acht, vor dem dreibeinigten Tiere!

SPIEGELBERG

Und das schröckt dich, Hasenherz? ist doch schon manches Universal-Genie, das die Welt hätte reformieren können, auf dem Schind-Anger verfault, und spricht man nicht von so einem Jahrhunderte, Jahrtausende lang, da mancher König und Kurfürst in der Geschichte überhüpft würde, wenn sein Geschichtschreiber die Lücke in der Sukzessions-Leiter nicht scheute, und sein Buch dardurch nicht um ein paar Oktavseiten gewönne, die ihm der Verleger mit barem Gelde bezahlt — Und wenn dich der Wanderer so hin und her fliegen sieht im Winde — der muß auch kein Wasser im Hirn gehabt haben, brummt er in den Bart, und seufzt über die elenden Zeiten.

SCHWEIZER

klopft ihm auf die Achsel.

Meisterlich, Spiegelberg! Meisterlich! Was, zum Teufel, steht ihr da, und zaudert?

SCHWARZ

Und laß es auch Prostitution heißen — Was folgt weiter? Kann man nicht auf den Fall immer ein Pülvergen mit sich führen, das einen so im stillen übern Acheron fördert, wo kein Hahn darnach kräht! Nein, Bruder Moriz! dein Vorschlag ist gut. So lautet auch mein Katechismus.

SCHUFTERLE

Blitz! Und der meine nicht minder. Spiegelberg, du hast mich geworben!

RAZMANN

Du hast, wie ein anderer Orpheus, die heulende Bestie, mein Gewissen in den Schlaf gesungen. Nimm mich ganz, wie ich da bin.

GRIMM

Si omnes consentuint ego non dissentio. Wohlgemerkt ohne Komma. Es ist ein Aufstreich in meinem Kopf; Pietisten — Quaksalber — Rezensenten und Jauner. Wer am meisten bietet, der hat mich. Nimm diese Hand Moriz.

ROLLER

Und auch du Schweizer? gibt Spiegelberg die rechte Hand. Also verpfänd ich meine Seele dem Teufel.

SPIEGELBERG

Und deinen Namen den Sternen! was liegt daran, wohin auch die Seele fährt? Wenn Scharen vorausgesprengter Kuriere unsere Niederfahrt melden, daß sich die Satane festtäglich herausputzen, sich den tausendjährigen Ruß aus den Wimpern stäuben, und myriaden gehörnter Köpfe aus der rauchenden Mündung ihrer Schwefel Kamine hervorwachsen, unsern Einzug zu sehen? Kameraden! aufgesprungen frisch auf! Kameraden! was in der Welt wiegt diesen Rausch des Entzückens auf? Kommt Kameraden!

ROLLER

Sachte nur! Sachte! wohin? das Tier muß auch seinen Kopf haben, Kinder.

SPIEGELBERG

Giftig.

Was predigt der Zauderer? Stand nicht der Kopf schon, eh noch ein Glied sich regte? folgt Kameraden!

ROLLER

Gemach sag ich. Auch die Freiheit muß ihren Herrn haben. Ohne Oberhaupt ging Rom und Sparta zu Grunde.

SPIEGELBERG

Geschmeidig.

Ja — haltet — Roller sagt recht. Und das muß ein erleuchteter Kopf sein. Versteht ihr? Ein feiner politischer Kopf muß das sein. Ja! wenn ich mirs denke, was ihr vor einer Stunde waret, was ihr itzt seid — durch Einen glücklichen Gedanken seid — Ja freilich, freilich, müßt ihr einen Chef haben — Und wer diesen Gedanken entsponnen, sagt, muß das nicht ein erleuchteter politischer Kopf sein?

ROLLER

Wenn sichs hoffen ließe — träumen ließe — Aber ich fürchte er wird es nicht tun.

SPIEGELBERG

Warum nicht? Sags keck heraus, Freund! — So schwer es ist das kämpfende Schiff gegen die Winde zu lenken, so schwer sie auch drückt die Last der Kronen — Sags unverzagt, Roller, — Vielleicht wird ers doch tun.

ROLLER

Und leck ist das Ganze, wenn ers nicht tut. Ohne den Moor sind wir Leib ohne Seele.

SPIEGELBERG

Unwillig von ihm weg.

Stockfisch!

Moor tritt herein in wilder Bewegung, und läuft heftig im Zimmer auf und nieder, mit sich selber.

MOOR

Menschen — Menschen! falsche, heuchlerische Krokodilbrut! Ihre Augen sind Wasser! Ihre Herzen sind Erzt! Küsse auf den Lippen! Schwerter im Busen! Löwen und Leoparde füttern ihre Jungen, Raben tischen ihren Kleinen auf dem Aas, und Er, Er — Bosheit hab ich dulden gelernt, kann dazu lächeln, wenn mein erboster Feind mir mein eigen Herzblut zutrinkt — aber wenn Blutliebe zur Verräterin, wenn Vaterliebe zur Megäre wird: o so fange Feuer männliche Gelassenheit, verwilde zum Tyger sanftmütiges Lamm, und jede Faser recke sich auf zu Grimm und Verderben!

ROLLER

Höre Moor! Was denkst du davon? Ein Räuberleben ist doch auch besser, als bei Wasser und Brot im untersten Gewölbe der Türme?

MOOR

Warum ist dieser Geist nicht in einem Tyger gefahren, der sein wütendes Gebiß in Menschenfleisch haut? Ist das Vatertreue? Ist das Liebe für Liebe? Ich möchte ein Bär sein, und die Bären des Nordlands wider dies mörderische Geschlecht anhetzen — Reue, und keine Gnade! — Oh ich möchte den Ozean vergiften, daß sie den Tod aus allen Quellen saufen! vertrauen, unüberwindliche Zuversicht, und kein Erbarmen!

ROLLER

So höre doch, Moor, was ich dir sage!

MOOR

Es ist unglaublich, es ist ein Traum eine Täuschung — So eine rührende Bitte, so eine lebendige Schilderung des Elends und der zerfließenden Reue — die wilde Bestie wär in Mitleid zerschmolzen! Steine hätten Tränen vergossen, und doch — man würde es für ein boshaftes Pasquill aufs Menschengeschlecht halten, wenn ichs aussagen wollte — und doch, doch — oh daß ich durch die ganze Natur das Horn des Aufruhrs blasen könnte. Luft, Erde und Meer wider das Hyänen-Gezücht ins Treffen zu führen!

GRIMM

Höre doch, höre! vor Rasen hörst du ja nicht.

MOOR

Weg, weg von mir! Ist dein Name nicht Mensch? Hat dich das Weib nicht geboren? — Aus meinen Augen du mit dem Menschengesicht! — Ich hab ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein Sohn, ich hätte tausend Leben für ihn — schäumend auf die Erde stampfend. ha! — wer mir itzt ein Schwert in die Hand gäb, dieser Otterbrut eine brennende Wunde zu versetzen! wer mir sagte: wo ich das Herz ihres Lebens erzielen, zermalmen, zernichten — Er sei mein Freund, mein Engel, mein Gott — ich will ihn anbeten!

ROLLER

Eben diese Freunde wollen ja wir sein, laß dich doch weisen!

SCHWARZ

Komm mit uns in die böhmischen Wälder! Wir wollen eine Räuberbande sammeln, und du —

Moor stiert ihn an.

SCHWEIZER

Du sollst unser Hauptmann sein! du mußt unser Hauptmann sein!

SPIEGELBERG

wirft sich wild in einen Sessel.

Sklaven und Memmen!

MOOR

Wer blies dir das Wort ein? Höre, Kerl! indem er Rollern hart ergreift. Das hast du nicht aus deiner Menschenseele hervorgeholt! wer blies dir das Wort ein? Ja, bei dem tausendarmigen Tod! das wollen wir, das müssen wir! der Gedanke verdient Vergötterung — Räuber und Mörder! — So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauptmann!

ALLE

mit lärmendem Geschrei.

Es lebe der Hauptmann!

SPIEGELBERG

aufspringend, vor sich.

Bis ich ihm hinhelfe!

MOOR

Siehe, da fällts wie der Star von meinen Augen! was für ein Tor ich war, daß ich ins Keficht zurückwollte! — Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit, — Mörder, Räuber! — mit diesem Wort war das Gesetz unter meine Füße gerollt — Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, da ich an Menschheit appellierte, weg dann von mir Sympathie und menschliche Schonung! — Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, daß mir jemals etwas teuer war! Kommt, kommt! — Oh ich will mir eine fürchterliche Zerstreuung machen — es bleibt dabei, ich bin euer Hauptmann! und Glück zu dem Meister unter euch, der am wildesten sengt, am gräßlichsten mordet, denn ich sage euch, er soll königlich belohnt werden — tretet her um mich ein jeder, und schwöret mir Treu und Gehorsam zu bis in den Tod! — schwört mir das bei dieser männlichen Rechte.

ALLE

geben ihm die Hand.

Wir schwören dir Treu und Gehorsam bis in den Tod!

MOOR

Nun und bei dieser männlichen Rechte! schwör ich euch hier, treu und standhaft euer Hauptmann zu bleiben bis in den Tod! Den soll dieser Arm gleich zur Leiche machen, der jemals zagt oder zweifelt, oder zurücktritt! Ein gleiches widerfahre mir von jedem unter euch, wenn ich meinen Schwur verletze! Seid ihrs zufrieden?

Spiegelberg läuft wütend auf und nieder.

ALLE

mit aufgeworfenen Hüten.

Wir sinds zufrieden.

MOOR

Nun dann, so laßt uns gehn! Fürchtet euch nicht vor Tod und Gefahr, denn über uns waltet ein unbeugsames Fatum! Jeden ereilet endlich sein Tag, es sei auf dem weichen Küssen von Pflaum, oder im rauhen Gewühl des Gefechts, oder auf offenem Galgen und Rad! Eins davon ist unser Schicksal!

Sie gehen ab.

SPIEGELBERG

ihnen nachsehend, nach einer Pause.

Dein Register hat ein Loch. Du hast das Gift weggelassen. Ab.

DRITTE SZENE

Im Moorischen Schloß, Amaliens Zimmer.

Franz. Amalia.

FRANZ

Du siehst weg, Amalia? verdien ich weniger, als der, den der Vater verflucht hat?

AMALIA

Weg! — ha des liebevollen barmherzigen Vaters, der seinen Sohn Wölfen und Ungeheuern Preis gibt! daheim labt er sich mit süßem köstlichem Wein, und pflegt seiner morschen Glieder in Kissen von Eider, während sein großer herrlicher Sohn darbt — schämt euch, ihr Unmenschen! schämt euch, ihr Drachenseelen, ihr Schande der Menschheit! — seinen einzigen Sohn!

FRANZ

Ich dächte, er hätt ihrer zween.

AMALIA

Ja, er verdient solche Söhne zu haben, wie du bist. Auf seinem Todbett wird er umsonst die welken Hände ausstrecken nach seinem Karl, und schaudernd zurückfahren, wenn er die eiskalte Hand seines Franzens faßt — oh es ist süß, es ist köstlich süß, von deinem Vater verflucht zu werden! Sprich Franz, liebe brüderliche Seele! was muß man tun, wenn man von ihm verflucht sein will?

FRANZ

Du schwärmst, meine Liebe, du bist zu bedauren.

AMALIA

O ich bitte dich — bedauerst du deinen Bruder? — Nein Unmensch, du hassest ihn! du hassest mich doch auch?

FRANZ

Ich liebe dich wie mich selbst, Amalia.

AMALIA

Wenn du mich liebst, kannst du mir wohl eine Bitte abschlagen?

FRANZ

Keine, keine! wenn sie nicht mehr ist als mein Leben.

AMALIA

O, wenn das ist! Eine Bitte, die du so leicht, so gern erfüllen wirst, stolz. — Hasse mich! Ich müßte feuerrot werden vor Scham, wenn ich an Karln denke, und mir eben einfiel, daß du mich nicht hassest. Du versprichst mirs doch? — Itzt geh, und laß mich, ich bin so gern allein!

FRANZ

Allerliebste Träumerin! wie sehr bewundere ich dein sanftes, liebevolles Herz, ihr auf die Brust klopfend. Hier hier herrschte Karl wie ein Gott in seinem Tempel, Karl stand vor dir im Wachen, Karl regierte in deinen Träumen, die ganze Schöpfung schien dir nur in den einzigen zu zerfließen, den einzigen widerzustrahlen, den einzigen dir entgegen zu tönen.

AMALIA

bewegt.

Ja wahrhaftig, ich gesteh es. Euch Barbaren zum Trutz will ichs vor aller Welt gestehen — ich lieb ihn!

FRANZ

Unmenschlich, grausam! Diese Liebe so zu belohnen! Die zu vergessen —

AMALIA

auffahrend.

Was, mich vergessen?

FRANZ

Hattest du ihm nicht einen Ring an den Finger gesteckt? einen Diamantring zum Unterpfand deiner Treue! — Freilich nun, wie kann auch ein Jüngling den Reizen einer Metze Widerstand tun? Wer wirds ihm auch verdenken, da ihm sonst nichts mehr übrig war wegzugeben, — und bezahlte sie ihn nicht mit Wucher dafür mit ihren Liebkosungen, ihren Umarmungen?

AMALIA

aufgebracht.

Meinen Ring einer Metze?

FRANZ

Pfui, pfui! das ist schändlich. Wohl aber, wenns nur das wäre! — Ein Ring, so kostbar er auch ist, ist im Grunde bei jedem Juden wieder zu haben — vielleicht mag ihm die Arbeit daran nicht gefallen haben, vielleicht hat er einen schönern dafür eingehandelt.

AMALIA

heftig.

Aber meinen Ring — ich sage meinen Ring?

FRANZ

Keinen andern, Amalia — ha! solch ein Kleinod, und an meinem Finger — und von Amalia! — von hier sollt ihn der Tod nicht gerissen haben — nicht wahr, Amalia? nicht die Kostbarkeit des Diamants, nicht die Kunst des Gepräges — die Liebe macht seinen Wert aus — Liebstes Kind, du weinest? wehe über den, der diese köstliche Tropfen aus so himmlischen Augen preßt — ach, und wenn du erst alles wüßtest, ihn selbst sähest, ihn unter der Gestalt sähest? —

AMALIA

Ungeheuer! wie, unter welcher Gestalt?

FRANZ

Stille, stille, gute Seele, frage mich nicht aus! Wie vor sich, aber laut. Wenn es doch wenigstens nur einen Schleier hätte, das garstige Laster, sich dem Auge der Welt zu entstehlen! aber da blickts schrecklich durch den gelben bleifarbenen Augenring; — da verrät sichs im todenblassen eingefallenen Gesicht, und dreht die Knochen häßlich hervor — da stammelts in der halben verstümmelten Stimme — da predigts fürchterlich laut vom zitternden hinschwankenden Gerippe — da durchwühlt es der Knochen innerstes Mark, und bricht die mannhafte Stärke der Jugend — da, da spritzt es den eitrichten fressenden Schaum aus Stirn und Wangen und Mund, und der ganzen Fläche des Leibes zum scheußlichen Aussatz hervor, und nistet abscheulich in den Gruben der viehischen Schande — pfui, pfui! mir eckelt. Nasen, Augen, Ohren schütteln sich — du hast jenen Elenden gesehen, Amalia, der in unserem Siechenhause seinen Geist auskeuchte, die Scham schien ihr scheues Auge vor ihm zuzublinzen — du ruftest Wehe über ihn aus. Ruf dies Bild noch einmal ganz in deine Seele zurück, und Karl steht vor dir! — Seine Küsse sind Pest, seine Lippen vergiften die deinen!

AMALIA

schlägt ihn:

Schamloser Lästerer!

FRANZ

Graut dir vor diesem Karl? Eckelt dir schon vor dem matten Gemälde? Geh, gaff ihn selbst an, deinen schönen, englischen göttlichen Karl! Geh, sauge seinen balsamischen Atem ein, und laß dich von den Ambrosia-Düften begraben, die aus seinem Rachen dampfen! der blose Hauch seines Mundes wird dich in jenen schwarzen todähnlichen Schwindel hauchen, der den Geruch eines berstenden Aases und den Anblick eines Leichenvollen Walplatzes begleitet.

AMALIA

wendet ihr Gesicht ab.

FRANZ

Welches Aufwallen der Liebe! Welche Wollust in der Umarmung — aber ist es nicht ungerecht einen Menschen um seiner siechen Außenseite willen zu verdammen? Auch im elendesten Aesopischen Krüppel kann eine große liebenswürdige Seele, wie ein Rubin aus dem Schlamme glänzen, boshaft lächelnd. Auch aus blattrichten Lippen kann ja die Liebe —

Freilich, wenn das Laster auch die Festen des Charakters erschüttert, wenn mit der Keuschheit auch die Tugend davon fliegt, wie der Duft aus der welken Rose verdampft — wenn mit dem Körper auch der Geist zum Krüppel verdirbt —

AMALIA

froh aufspringend.

Ha! Karl! nun erkenn ich dich wieder! du bist noch ganz! ganz! alles war Lüge! — weist du nicht, Bösewicht, daß Karl unmöglich das werden kann? Franz steht einige Zeit tiefsinnig, dann dreht er sich plötzlich um zu gehn. Wohin so eilig, fliehst du vor deiner eigenen Schande?

FRANZ

mit verhülltem Gesicht.

Laß mich, laß mich! — meinen Tränen den Lauf lassen — tyrannischer Vater! den besten deiner Söhne so hinzugeben dem Elend — der ringsumgebenden Schande — laß mich, Amalia! ich will ihm zun Füßen fallen, auf den Knien will ich ihn beschwören, den ausgesprochenen Fluch auf mich, auf mich zu laden — mich zu enterben — mich — mein Blut — mein Leben — alles —

AMALIA

fällt ihm um den Hals.

Bruder meines Karls, bester, liebster Franz!

FRANZ

O Amalia! wie lieb ich dich um dieser unerschütterten Treue gegen meinen Bruder — verzeih, daß ich es wagte, deine Liebe auf diese harte Probe zu setzen! — Wie schön hast du meine Wünsche gerechtfertigt! — Mit diesen Tränen, diesen Seufzern, diesem himmlischen Unwillen — auch für mich, für mich — unsere Seelen stimmten so zusammen.

AMALIA

O nein, das taten sie nie!

FRANZ

Ach, sie stimmten so harmonisch zu, ich meinte immer, wir müßten Zwillinge sein! und wär' der leidige Unterschied von außen nicht, wobei leider freilich Karl verlieren muß, wir würden zehnmal verwechselt. Du bist, sagt' ich oft zu mir selbst, ja, du bist der ganze Karl, sein Echo, sein Ebenbild!

AMALIA

schüttelt den Kopf.

Nein, nein, bei jenem keuschen Lichte des Himmels! kein Äderchen von ihm, kein Fünkchen von seinem Gefühle —

FRANZ

So ganz gleich in unsern Neigungen — die Rose war seine liebste Blume — welche Blume war mir über die Rose? Er liebte die Musik unaussprechlich, und ihr seid Zeugen, ihr Sterne! ihr habt mich so oft in der Totenstille der Nacht beim Klaviere belauscht, wenn alles um mich begraben lag in Schatten und Schlummer — und wie kannst du noch zweifeln, Amalia, wenn unsere Liebe in einer Vollkommenheit zusammentraf, und wenn die Liebe die nämliche ist, wie könnten ihre Kinder entarten?

AMALIA

sieht ihn verwundert an.

FRANZ

Es war ein stiller, heiterer Abend, der letzte, eh' er nach Leipzig abreiste, da er mich mit sich in jene Laube nahm, wo ihr so oft zusammensaßet in Träumen der Liebe — stumm blieben wir lang — zuletzt ergriff er meine Hand und sprach leise mit Tränen: ich verlasse Amalia, ich weiß nicht — mir ahnets, als hieß es auf ewig — verlaß sie nicht, Bruder! — sei ihr Freund — ihr Karl — wenn Karl — nimmer — wiederkehrt — er stürzt vor ihr nieder und küßt ihr die Hand mit Heftigkeit. Nimmer, nimmer, nimmer wird er wiederkehren, und ich habs ihm zugesagt mit einem heiligen Eide!

AMALIA

zurückspringend.

Verräter, wie ich dich ertappe! In eben dieser Laube beschwur er mich, keiner andern Liebe — wenn er sterben sollte — siehst du, wie gottlos, wie abscheulich du — geh aus meinen Augen.

FRANZ

Du kennst mich nicht, Amalia, du kennst mich gar nicht!

AMALIA

O ich kenne dich, von itzt an kenn ich dich — und du wolltest ihm gleich sein? Vor dir sollt er um mich geweint haben? Vor dir? Ehe hätt’ er meinen Namen auf den Pranger geschrieben! Geh den Augenblick!

FRANZ

Du beleidigst mich!

AMALIA

Geh, sag ich. Du hast mir eine kostbare Stunde gestohlen, sie werde dir an deinem Leben abgezogen.

FRANZ

Du hassest mich.

AMALIA

Ich verachte dich, geh!

FRANZ

mit den Füßen stampfend.

Wart! so sollst du vor mir zittern! mich einem Bettler aufopfern? Zornig ab.

AMALIA

Geh, Lotterbube — itzt bin ich wieder bei Karln — Bettler, sagt er? so hat die Welt sich umgedreht, Bettler sind Könige, und Könige sind Bettler! — Ich möchte die Lumpen, die er anhat, nicht mit dem Purpur der Gesalbten vertauschen — der Blick mit dem er bettelt, das muß ein großer, ein königlicher Blick sein — ein Blick, der die Herrlichkeit, den Pomp, die Triumphe der Großen und Reichen zernichtet! In den Staub mit dir, du prangendes Geschmeide! Sie reißt sich die Perlen vom Hals. Seid verdammt, Gold und Silber und Juwelen zu tragen, ihr Großen und Reichen! Seid verdammt, an üppigen Mahlen zu zechen! Verdammt euren Gliedern wohl zu tun auf weichen Polstern der Wollust! Karl! Karl! so bin ich dein wert — Ab.

ZWEITER AKT

ERSTE SZENE

FRANZ VON MOOR

nachdenkend in seinem Zimmer.

Es dauert mir zu lange — der Doktor will, er sei im Umkehren — das Leben eines Alten ist doch eine Ewigkeit! — Und nun wär freie, ebene Bahn bis auf diesen ärgerlichen zähen Klumpen Fleisch, der mir, gleich dem unterirdischen Zauberhund in den Geistermärchen, den Weg zu meinen Schätzen verrammelt.

Müssen denn aber meine Entwürfe sich unter das eiserne Joch des Mechanismus beugen? — Soll sich mein hochfliegender Geist an den Schneckengang der Materie ketten lassen? — Ein Licht ausgeblasen, das ohnehin nur mit den letzten Öltropfen noch wuchert — mehr ists nicht — Und doch möcht ich das nicht gern selbst getan haben um der Leute willen. Ich möcht ihn nicht gern getötet, aber abgelebt. Ich möcht es machen wie der gescheide Arzt, (nur umgekehrt.) — Nicht der Natur durch einen Querstreich den Weg verrannt, sondern sie in ihrem eigenen Gange befördert. Und wir vermögen doch wirklich die Bedingungen des Lebens zu verlängern, warum sollten wir sie nicht auch verkürzen können?

Philosophen und Mediziner lehren mich, wie treffend die Stimmungen des Geists mit den Bewegungen der Maschine zusammen lauten. Gichtrische Empfindungen werden jederzeit von einer Dissonanz der mechanischen Schwingungen begleitet — Leidenschaften mißhandeln die Lebenskraft — der überladene Geist drückt sein Gehäuse zu Boden — Wie denn nun? — Wer es verstünde, dem Tod diesen ungebahnten Weg in das Schloß des Lebens zu ebenen? — den Körper vom Geist aus zu verderben — ha! ein Originalwerk! — wer das zu Stand brächte? — Ein Werk ohne gleichen! — Sinne nach Moor! — das wär eine Kunst dies verdiente dich zum Erfinder zu haben. Hat man doch die Giftmischerei beinahe in den Rang einer ordentlichen Wissenschaft erhoben, und die Natur durch Experimente gezwungen, ihre Schranken anzugeben, daß man nunmehr des Herzens Schläge Jahr lang vorausrechnet, und zu dem Pulse spricht, bis hieher, und nicht weiter! — Wer sollte nicht auch hier seine Flügel versuchen?

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