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Reigen

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Objętość:
136 str.
Blok tekstowy:
papier offsetowy 90 g/m2, styly
Format:
145 × 205 mm
Okładka:
miękka
Rodzaj oprawy:
blok klejony
ISBN:
978-83-288-0863-8

geschriebenWinter 1896--97

PERSONEN

DIE DIRNE

DER SOLDAT

DAS STUBENMÄDCHEN

DER JUNGE HERR

DIE JUNGE FRAU

DER EHEGATTE

DAS SÜSSE MÄDEL

DER DICHTER

DIE SCHAUSPIELERIN

DER GRAF

DIE DIRNEUND DER SOLDAT

Spätabends. An der Augartenbrücke.

Soldat kommt pfeifend, will nach Hause.

DIRNE

Komm, mein schöner Engel.

Soldat wendet sich um und geht wieder weiter.

DIRNE

Willst du nicht mit mir kommen?

SOLDAT

Ah, ich bin der schöne Engel?

DIRNE

Freilich, wer denn? Geh, komm zu mir.Ich wohn' gleich in der Näh'.

SOLDAT

Ich hab' keine Zeit. Ich muß in die Kasern'!

DIRNE

In die Kasern' kommst immer noch zurecht.Bei mir is besser.

SOLDAT

ihr nahe:

Das ist schon möglich.

DIRNE

Pst. Jeden Moment kann ein Wachmann kommen.

SOLDAT

Lächerlich! Wachmann! Ich hab' auch mein Seiteng'wehr!

DIRNE

Geh, komm mit.

SOLDAT

Laß mich in Ruh'. Geld hab' ich eh keins.

DIRNE

Ich brauch' kein Geld.

SOLDAT

bleibt stehen. Sie sind bei einer Laterne.

Du brauchst kein Geld? Wer bist denn dunachher?

DIRNE

Zahlen tun mir die Zivilisten. So einer wie du,kann's immer umsonst bei mir haben.

SOLDAT

Du bist am End' die, von der mir der Hubererzählt hat. —

DIRNE

Ich kenn' kein Huber nicht.

SOLDAT

Du wirst schon die sein. Weißt — in demKaffeehaus in der Schiffgassen — von dort ister mit dir z' Haus gangen.

DIRNE

Von dem Kaffeehaus bin ich schon mit gar vielenz' Haus gangen... oh! oh! —

SOLDAT

Also gehn wir, gehn wir.

DIRNE

Was, jetzt hast's eilig?

SOLDAT

Na, worauf soll'n wir noch warten? Und umzehn muß ich in der Kasern' sein.

DIRNE

Wie lang dienst denn schon?

SOLDAT

Was geht denn das dich an? Wohnst weit?

DIRNE

Zehn Minuten zum Gehn.

SOLDAT

Das ist mir zu weit. Gib mir ein Pussel.

DIRNE

küßt ihn.

Das ist mir eh das liebste, wenn ich einen gernhab'!

SOLDAT

Mir nicht. Nein, ich geh' nicht mit dir, es istmir zu weit.

DIRNE

Weißt was, komm morgen am Nachmittag.

SOLDAT

Gut is. Gib mir deine Adresse.

DIRNE

Aber du kommst am End' nicht.

SOLDAT

Wenn ich dir's sag'!

DIRNE

Du, weißt was — wenn's dir zu weit ist heutAbend zu mir — da... da...

weist auf dieDonau.

SOLDAT

Was ist das?

DIRNE

Da ist auch schön ruhig... jetzt kommt keinMensch.

SOLDAT

Ah, das ist nicht das Rechte.

DIRNE

Bei mir is immer das Rechte. Geh, bleib jetztbei mir. Wer weiß, ob wir morgen noch's Leben haben.

SOLDAT

So komm — aber g'schwind!

DIRNE

Gib Obacht, da ist so dunkel. Wennst ausrutschst, liegst in der Donau.

SOLDAT

Wär' eh das Beste.

DIRNE

Pst, so wart nur ein bissel. Gleich kommenwir zu einer Bank.

SOLDAT

Kennst dich da gut aus.

DIRNE

So einen wie dich möcht' ich zum Geliebten.

SOLDAT

Ich tät dir zu viel eifern.

DIRNE

Das möcht ich dir schon abgewöhnen.

SOLDAT

Ha —

DIRNE

Nicht so laut. Manchmal is doch, daß sich einWächter her verirrt. Sollt man glauben, daß wirda mitten in der Wienerstadt sind?

SOLDAT

Daher komm, daher.

DIRNE

Aber was fällt dir denn ein, wenn wir da ausrutschen, liegen wir im Wasser unten.

SOLDAT

hat sie gepackt.

Ah, du —

DIRNE

Halt dich nur fest an.

SOLDAT

Hab' kein Angst...

DIRNE

Auf der Bank wär's schon besser gewesen.

SOLDAT

Da oder da... Na, krall aufi.

DIRNE

Was läufst denn so —

SOLDAT

Ich muß in die Kasern', ich komm' eh schon zuspät.

DIRNE

Geh, du, wie heißt denn?

SOLDAT

Was interessiert dich denn das, wie ich heiß?

DIRNE

Ich heiß Leocadia.

SOLDAT

Ha! — So an Namen hab' ich auch noch niegehört.

DIRNE

Du!

SOLDAT

Na, was willst denn?

DIRNE

Geh, ein Sechserl für 'n Hausmeister gib mirwenigstens!

SOLDAT

Ha!... Glaubst, ich bin deine Wurzen...Servus! Leocadia...

DIRNE

Strizzi! Fallott! —

Er ist verschwunden.

DER SOLDAT UNDDAS STUBENMÄDCHEN

Prater. Sonntagabend.Ein Weg, der vom Wurstelprater aus in die dunkelnAlleen führt. Hier hört man noch die wirre Musik ausdem Wurstelprater, auch die Klänge vom Fünfkreuzertanz, eine ordinäre Polka, von Bläsern gespielt. DerSoldat. Das Stubenmädchen.

STUBENMÄDCHEN

Jetzt sagen S' mir aber, warum S' durchausschon haben fortgehen müssen.

Soldat lacht verlegen, dumm.

STUBENMÄDCHEN

Es ist doch so schön gewesen. Ich tanz' sogern.

Soldat faßt sie um die Taille.

STUBENMÄDCHEN

läßt’s geschehen.

Jetzt tanzen wir ja nimmer. Warum haltenS' mich so fest?

SOLDAT

Wie heißen S'? Kathi?

STUBENMÄDCHEN

Ihnen ist immer eine Kathi im Kopf.

SOLDAT

Ich weiß, ich weiß schon... Marie.

STUBENMÄDCHEN

Sie, da ist aber dunkel. Ich krieg' so eineAngst.

SOLDAT

Wenn ich bei Ihnen bin, brauchen S' Ihnennicht zu fürchten. Gott sei Dank, mir sein mir!

STUBENMÄDCHEN

Aber wohin kommen wir denn da? Da ist jakein Mensch mehr. Kommen S', gehn wir zurück! — Und so dunkel!

SOLDAT

zieht an seiner Virginierzigarre, daß das roteEnde leuchtet.

's wird schon lichter. Haha! O, du Schatzerl!

STUBENMÄDCHEN

Ah, was machen S' denn? Wenn ich das gewußt hätt'!

SOLDAT

Also der Teufel soll mich holen, wenn eineheut beim Swoboda mollerter gewesen ist alsSie, Fräul'n Marie.

STUBENMÄDCHEN

Haben S' denn bei allen so probiert?

SOLDAT

Was man so merkt, beim Tanzen. Da merktman gar viel! Ha!

STUBENMÄDCHEN

Aber mit der blonden mit dem schiefen Gesicht haben S' doch mehr tanzt als mitmir.

SOLDAT

Das ist eine alte Bekannte von einem meinigenFreund.

STUBENMÄDCHEN

Von dem Korporal mit dem aufdrehten Schnurrbart?

SOLDAT

Ah nein, das ist der Zivilist gewesen, wissenS', der im Anfang am Tisch mit mir g'sessenist, der so heisrig red't.

STUBENMÄDCHEN

Ah, ich weiß schon. Das ist ein keckerMensch.

SOLDAT

Hat er Ihnen was tan? Dem möcht ich's zeigen!Was hat er Ihnen tan?

STUBENMÄDCHEN

Oh nichts — ich hab' nur gesehn, wie er mitdie andern ist.

SOLDAT

Sagen S', Fräulein Marie...

STUBENMÄDCHEN

Sie werden mich verbrennen mit Ihrer Zigarrn.

SOLDAT

Pahdon! — Fräul'n Marie. Sagen wir uns Du.

STUBENMÄDCHEN

Wir sein noch nicht so gute Bekannte. —

SOLDAT

Es können sich gar viele nicht leiden und sagendoch Du zueinander.

STUBENMÄDCHEN

's nächstemal, wenn wir... Aber, HerrFranz —

SOLDAT

Sie haben sich meinen Namen g'merkt?

STUBENMÄDCHEN

Aber, Herr Franz...

SOLDAT

Sagen S' Franz, Fräulein Marie.

STUBENMÄDCHEN

So sein S' nicht so keck — aber pst, wenn werkommen tät!

SOLDAT

Und wenn schon einer kommen tät, man siehtja nicht zwei Schritt weit.

STUBENMÄDCHEN

Aber um Gotteswillen, wohin kommen wirdenn da?

SOLDAT

Sehn S', da sind zwei grad wie mir.

STUBENMÄDCHEN

Wo denn? Ich seh' gar nichts.

SOLDAT

Da... vor uns.

STUBENMÄDCHEN

Warum sagen S' denn: zwei wie mir?

SOLDAT

Na, ich mein' halt, die haben sich auch gern.

STUBENMÄDCHEN

Aber geben S' doch acht, was ist denn da, jetztwär ich beinah g'fallen.

SOLDAT

Ah, das ist das Gatter von der Wiesen.

STUBENMÄDCHEN

Stoßen S' doch nicht so, ich fall' ja um.

SOLDAT

Pst, nicht so laut.

STUBENMÄDCHEN

Sie, jetzt schrei ich aber wirklich. — Aber wasmachen S' denn... aber —

SOLDAT

Da ist jetzt weit und breit keine Seel'.

STUBENMÄDCHEN

So gehn wir zurück, wo Leut' sein.

SOLDAT

Wir brauchen keine Leut', was, Marie, wir brauchen... dazu... haha.

STUBENMÄDCHEN

Aber, Herr Franz, bitt' Sie, um Gotteswillen, schaun S', wenn ich das... gewußt... oh... oh... komm!...

SOLDAT

selig.

Herrgott noch einmal... ah...

STUBENMÄDCHEN

... Ich kann dein G'sicht gar nicht sehn.

SOLDAT

A was — G'sicht...

SOLDAT

Ja, Sie, Fräul'n Marie, da im Gras können S'nicht liegen bleiben.

STUBENMÄDCHEN

Geh, Franz, hilf mir.

SOLDAT

Na, komm zugi.

STUBENMÄDCHEN

Oh Gott, Franz.

SOLDAT

Na ja, was ist denn mit dem Franz?

STUBENMÄDCHEN

Du bist ein schlechter Mensch, Franz.

SOLDAT

Ja, ja. Geh, wart ein bissel.

STUBENMÄDCHEN

Was laßt mich denn aus?

SOLDAT

Na, die Virginier werd' ich mir doch anzündendürfen.

STUBENMÄDCHEN

Es ist so dunkel.

SOLDAT

Morgen früh ist schon wieder licht.

STUBENMÄDCHEN

Sag wenigstens, hast mich gern?

SOLDAT

Na, das mußt doch g'spürt haben, Fräul'nMarie, ha!

STUBENMÄDCHEN

Wohin gehn wir denn?

SOLDAT

Na, zurück.

STUBENMÄDCHEN

Geh, bitt' dich, nicht so schnell!

SOLDAT

Na, was ist denn? Ich geh' nicht gern in derFinstern.

STUBENMÄDCHEN

Sag, Franz, hast mich gern?

SOLDAT

Aber grad hab' ich's g'sagt, daß ich dich gernhab'!

STUBENMÄDCHEN

Geh, willst mir nicht ein Pussel geben?

SOLDAT

gnädig.

Da... Hörst — jetzt kann man schon wiederdie Musik hören.

STUBENMÄDCHEN

Du möchtst am End' gar wieder tanzen gehn?

SOLDAT

Na freilich, was denn?

STUBENMÄDCHEN

Ja, Franz, schau, ich muß zuhaus gehn. Siewerden eh schon schimpfen, mei Frau ist soeine... die möcht am liebsten, man ginggar nicht fort.

SOLDAT

Na ja, geh halt zuhaus.

STUBENMÄDCHEN

Ich hab' halt dacht, Herr Franz, Sie werdenmich z'haus führen.

SOLDAT

Z'hausführen? Ah!

STUBENMÄDCHEN

Gehn S', es ist so traurig, allein z'haus gehn.

SOLDAT

Wo wohnen S' denn?

STUBENMÄDCHEN

Es ist gar nicht so weit — in der Porzellangasse.

SOLDAT

So? Ja, da haben wir ja einen Weg... aberjetzt ist's mir zu früh... jetzt wird noch draht,heut hab' ich über Zeit... vor zwölf brauch'ich nicht in der Kasern' zu sein. I geh' nochtanzen.

STUBENMÄDCHEN

Freilich, ich weiß schon, jetzt kommt die Blondemit dem schiefen Gesicht dran!

SOLDAT

Ha! — Der ihr G'sicht ist gar nicht so schief.

STUBENMÄDCHEN

Oh Gott, sein die Männer schlecht. Was, Siemachens sicher mit einer jeden so.

SOLDAT

Das wär z'viel! —

STUBENMÄDCHEN

Franz, bitt schön, heut nimmer, — heut bleiben S' mit mir, schaun S' —

SOLDAT

Ja, ja, ist schon gut. Aber tanzen werd' ichdoch noch dürfen.

STUBENMÄDCHEN

Ich tanz' heut mit kein mehr!

SOLDAT

Da ist er ja schon...

STUBENMÄDCHEN

Wer denn?

SOLDAT

Der Swoboda! Wie schnell wir wieder dasein. Noch immer spielen s' das... tadaradatadarada singt mit... Also, wannst auf michwarten willst, so führ' ich dich z'haus ...wenn nicht... Servus —

STUBENMÄDCHEN

Ja, ich werd' warten.

Sie treten in den Tanzsaal ein.

SOLDAT

Wissen S', Fräul'n Marie, ein Glas Bier lassen S'Ihnen geben. Zu einer Blonden sich wendend, die ebenmit einem Burschen vorbeitanzt, sehr hochdeutsch: MeinFräulein, darf ich bitten? —

DAS STUBENMÄDCHENUND DER JUNGE HERR

Heißer Sommernachmittag. — Die Eltern sind schon aufdem Lande. — Die Köchin hat Ausgang. — Das Stubenmädchen schreibt in der Küche einen Brief an den Soldaten,der ihr Geliebter ist. Es klingelt aus dem Zimmer desjungen Herrn. Sie steht auf und geht ins Zimmer desjungen Herrn.Der junge Herr liegt auf dem Diwan, raucht, und liesteinen französischen Roman.

DAS STUBENMÄDCHEN

Bitt' schön, junger Herr?

DER JUNGE HERR

Ah ja, Marie, ah ja, ich hab' geläutet, ja...was hab' ich nur... ja richtig, die Roulettenlassen S' herunter, Marie... Es ist kühler,wenn die Rouletten unten sind... ja...

Das Stubenmädchen geht zum Fenster und läßt die Rouletten herunter. DER JUNGE HERR liest weiter.

Was machen S' denn, Marie? Ah ja. Jetztsieht man aber gar nichts zum Lesen.

DAS STUBENMÄDCHEN

Der junge Herr ist halt immer so fleißig.

DER JUNGE HERR

überhört das vornehm:

So, ist gut.

Marie geht. DER JUNGE HERR versucht weiterzulesen; läßt bald das Buch fallen, klingelt wieder. DAS STUBENMÄDCHEN erscheint.

Sie, Marie... ja, was ich habe sagen wollen...ja... ist vielleicht ein Kognak zu Haus?

DAS STUBENMÄDCHEN

Ja, der wird eingesperrt sein.

DER JUNGE HERR

Na, wer hat denn die Schlüssel?

DAS STUBENMÄDCHEN

Die Schlüssel hat die Lini.

DER JUNGE HERR

Wer ist die Lini?

DAS STUBENMÄDCHEN

Die Köchin, Herr Alfred.

DER JUNGE HERR

Na, so sagen S' es halt der Lini.

DAS STUBENMÄDCHEN

Ja, die Lini hat heut Ausgang.

DER JUNGE HERR

So...

DAS STUBENMÄDCHEN

Soll ich dem jungen Herrn vielleicht aus demKaffeehaus...

DER JUNGE HERR

Ah nein... es ist so heiß genug. Ich brauch'keinen Kognak. Wissen S', Marie, bringen Siemir ein Glas Wasser. Pst, Marie — aber laufenlassen, daß es recht kalt ist. —

Das Stubenmädchen ab. Der Junge Herrsieht ihr nach, bei der Tür wendetsich das Stubenmädchen nach ihm um; der junge Herrschaut in die Luft. — Das Stubenmädchen dreht den Hahnder Wasserleitung auf, läßt das Wasser laufen. Währenddem geht sie in ihr kleines Kabinett, wäscht sich die Hände,richtet vor dem Spiegel ihre Schneckerln. Dann bringt siedem jungen Herrn das Glas Wasser. Sie tritt zum Diwan. Der Junge Herr richtet sich zur Hälfte auf, dasStubenmädchen gibt ihm das Glas in die Hand, ihreFinger berühren sich.

DER JUNGE HERR

So, danke. — Na, was ist denn? — Geben Sieacht; stellen Sie das Glas wieder auf die Tasse...Er legt sich hin und streckt sich aus. Wie spät ist’sdenn? —

DAS STUBENMÄDCHEN

Fünf Uhr, junger Herr.

DER JUNGE HERR

So, fünf Uhr. — Ist gut. —

Das Stubenmädchen geht bei der Tür wendet siesich um; der junge Herr hat ihr nachgeschaut; sie merktes und lächelt. Der Junge Herr bleibt eine Weile liegen, dann stehter plötzlich auf. Er geht bis zur Tür, wieder zurück, legtsich auf den Diwan. Er versucht wieder zu lesen. Nachein paar Minuten klingelt er wieder. Das Stubenmädchen erscheint mit einem Lächeln, das sie nicht zu verbergen sucht.

DER JUNGE HERR

Sie, Marie, was ich Sie hab' fragen wollen.War heut vormittag nicht der Doktor Schüllerda?

DAS STUBENMÄDCHEN

Nein, heut vormittag war niemand da.

DER JUNGE HERR

So, das ist merkwürdig. Also der Doktor Schüllerwar nicht da? Kennen Sie überhaupt den Doktor Schüller?

DAS STUBENMÄDCHEN

Freilich. Das ist der große Herr mit demschwarzen Vollbart.

DER JUNGE HERR

Ja. War er vielleicht doch da?

DAS STUBENMÄDCHEN

Nein, es war niemand da, junger Herr.

DER JUNGE HERR

entschlossen.

Kommen Sie her, Marie.

DAS STUBENMÄDCHEN

tritt etwas näher.

Bitt' schön.

DER JUNGE HERR

Näher... so... ah... ich hab' nur geglaubt...

DAS STUBENMÄDCHEN

Was haben der junge Herr?

DER JUNGE HERR

Geglaubt... geglaubt hab' ich — Nur wegenIhrer Blusen... Was ist das für eine...Na, kommen S' nur näher. Ich beiß' Sie janicht.

DAS STUBENMÄDCHEN

kommt zu ihm.

Was ist mit meiner Blusen? G'fallt sie demjungen Herrn nicht?

DER JUNGE HERR

faßt die Bluse an, wobei er dasStubenmädchen zu sich herabzieht.

Blau? Das ist ganz ein schönes Blau. Einfach. Sie sind sehr nett angezogen, Marie.

DAS STUBENMÄDCHEN

Aber junger Herr...

DER JUNGE HERR

Na, was ist denn?... er hat ihre Bluse geöffnet.Sachlich: Sie haben eine schöne weiße Haut,Marie.

DAS STUBENMÄDCHEN

Der junge Herr tut mir schmeicheln.

DER JUNGE HERR

küßt sie auf die Brust.

Das kann doch nicht weh tun.

DAS STUBENMÄDCHEN

O nein.

DER JUNGE HERR

Weil Sie so seufzen! Warum seufzen Sie denn?

DAS STUBENMÄDCHEN

Oh, Herr Alfred...

DER JUNGE HERR

Und was Sie für nette Pantoffeln haben...

DAS STUBENMÄDCHEN

... Aber... junger Herr... wenn's draußen läut' —

DER JUNGE HERR

Wer wird denn jetzt läuten?

DAS STUBENMÄDCHEN

Aber junger Herr... schaun S'... es istso licht...

DER JUNGE HERR

Vor mir brauchen Sie sich nicht zu genieren.Sie brauchen sich überhaupt vor niemandem... wenn man so hübsch ist. Ja, meiner Seel;Marie, Sie sind... Wissen Sie, Ihre Haareriechen sogar angenehm.

DAS STUBENMÄDCHEN

Herr Alfred...

DER JUNGE HERR

Machen Sie keine solchen Geschichten, Marie...ich hab' Sie schon anders auch geseh'n. Wieich neulich in der Nacht nach Haus gekommenbin, und mir Wasser geholt hab', — da ist dieTür zu Ihrem Zimmer offen gewesen...na...

DAS STUBENMÄDCHEN

verbirgt ihr Gesicht.

Oh Gott, aber das hab' ich gar nicht gewußt, daß der Herr Alfred so schlimm seinkann.

DER JUNGE HERR

Da hab' ich sehr viel gesehen... das...und das... und das... und —

DAS STUBENMÄDCHEN

Aber, Herr Alfred!

DER JUNGE HERR

Komm, komm... daher... so, ja so...

DAS STUBENMÄDCHEN

Aber wenn jetzt wer läutet —

DER JUNGE HERR

Jetzt hören Sie schon einmal auf... machtman höchstens nicht auf...

Es klingelt.

DER JUNGE HERR

Donnerwetter... Und was der Kerl füreinen Lärm macht. — Am End' hat der schonfrüher geläutet und wir haben's nicht gemerkt.

STUBENMÄDCHEN

Oh, ich hab' alleweil aufgepaßt.

DER JUNGE HERR

Na, so schaun S' endlich nach — durchsGuckerl. —

DAS STUBENMÄDCHEN

Herr Alfred... Sie sind aber... nein... so schlimm.

DER JUNGE HERR

Bitt' Sie, schaun S' jetzt nach...

Das Stubenmädchen geht ab. Der Junge Herr öffnet rasch die Rouleaux. Das Stubenmädchen erscheint wieder.

DAS STUBENMÄDCHEN

Der ist jedenfalls schon wieder weggangen.Jetzt ist niemand mehr da. Vielleicht ist es derDoktor Schüller gewesen.

DER JUNGE HERR

ist unangenehm berührt.

Es ist gut.

Das Stubenmädchen nähert sich ihm.Der Junge Herr entzieht sich ihr.

— Sie, Marie, — ich geh' jetzt ins Kaffeehaus.

DAS STUBENMÄDCHEN

zärtlich.

Schon... Herr Alfred.

DER JUNGE HERR

streng.

Ich geh' jetzt ins Kaffeehaus. Wenn der DoktorSchüller kommen sollte —

DAS STUBENMÄDCHEN

Der kommt heut nimmer.

DER JUNGE HERR

noch strenger.

Wenn der Doktor Schüller kommen sollte, ich,ich ... ich bin — im Kaffeehaus.

Geht ins andere Zimmer.

Das Stubenmädchen nimmt eine Zigarre vom Rauchtisch,steckt sie ein und geht ab.

DER JUNGE HERR UNDDIE JUNGE FRAU

Abend. — Ein mit banaler Eleganz möblierter Salon ineinem Hause der Schwindgasse.

Der junge Herr ist eben eingetreten, zündet, während ernoch den Hut auf dem Kopf und den Überzieher anhat,die Kerzen an. Dann öffnet er die Tür zum Nebenzimmer und wirft einen Blick hinein. Von den Kerzendes Salons geht der Lichtschein über das Parkett bis zueinem Himmelbett, das an der abschließenden Wand steht.Von dem Kamin in einer Ecke des Schlafzimmers verbreitet sich ein rötlicher Lichtschein auf die Vorhängedes Bettes. — Der junge Herr besichtigt auch das Schlafzimmer. Von dem Trumeau nimmt er einen Sprayapparatund bespritzt die Bettpolster mit feinen Strahlen vonVeilchenparfüm. Dann geht er mit dem Sprayapparatdurch beide Zimmer und drückt unaufhörlich auf denkleinen Ballon, so daß es bald überall nach Veilchenriecht. Dann legt er Überzieher und Hut ab. Er setztsich auf das blausamtene Fauteuil, zündet sich eineZigarette an und raucht. Nach einer kleinen Weile erhebter sich wieder und vergewissert sich, daß die grünenJalousien geschlossen sind. Plötzlich geht er wieder insSchlafzimmer, öffnet die Lade des Nachtkästchens. Erfühlt hinein und findet eine Schildkrothaarnadel. Er suchtnach einem Ort, sie zu verstecken, gibt sie endlich indie Tasche seines Überziehers. Dann öffnet er einenSchrank, der im Salon steht, nimmt eine silberne Tassemit einer Flasche Kognak und zwei Likörgläschen heraus,stellt alles auf den Tisch. Er geht wieder zu seinemÜberzieher, aus dem er jetzt ein kleines weißes Päckchennimmt. Er öffnet es und legt es zum Kognak, gehtwieder zum Schrank, nimmt zwei kleine Teller undEßbestecke heraus. Er entnimmt dem kleinen Paket eineglasierte Kastanie und ißt sie. Dann schenkt er sich einGlas Kognak ein und trinkt es rasch aus. Dann sieht erauf seine Uhr. Er geht im Zimmer auf und ab. — Vordem großen Wandspiegel bleibt er eine Weile stehen,richtet mit seinem Taschenkamm das Haar und den kleinenSchnurrbart. — Er geht nun zur Vorzimmertür und horcht.Nichts regt sich. Dann zieht er die blauen Portieren, dievor der Schlafzimmertür angebracht sind, zusammen. Esklingelt. Der junge Herr fährt leicht zusammen. Dann setzt er sich auf den Fauteuil und erhebt sich erst, alsdie Tür geöffnet wird und die junge Frau eintritt. —

Die Junge Frau dicht verschleiert, schließt die Türhinter sich, bleibt einen Augenblick stehen, indem sie dielinke Hand aufs Herz legt, als müsse sie eine gewaltigeErregung bemeistern.

DER JUNGE HERR

tritt auf sie zu, nimmt ihre linkeHand und drückt auf den weißen, schwarz tamburiertenHandschuh einen Kuß. Er sagt leise:

Ich danke Ihnen.

DIE JUNGE FRAU

Alfred — Alfred!

DER JUNGE HERR

Kommen Sie, gnädige Frau... Kommen Sie,Frau Emma...

DIE JUNGE FRAU

Lassen Sie mich noch eine Weile — bitte...oh, bitte sehr, Alfred!

Sie steht noch immer an der

Tür.

Der Junge Herr steht vor ihr, hält ihre Hand.

DIE JUNGE FRAU

Wo bin ich denn eigentlich?

DER JUNGE HERR

Bei mir.

DIE JUNGE FRAU

Dieses Haus ist schrecklich, Alfred.

DER JUNGE HERR

Warum denn? Es ist ein sehr vornehmes Haus.

DIE JUNGE FRAU

Ich bin zwei Herren auf der Stiege begegnet.

DER JUNGE HERR

Bekannte?

DIE JUNGE FRAU

Ich weiß nicht. Es ist möglich.

DER JUNGE HERR

Pardon, gnädige Frau — aber Sie kennen dochIhre Bekannten.

DIE JUNGE FRAU

Ich habe ja gar nichts gesehen.

DER JUNGE HERR

Aber wenn es selbst Ihre besten Freundewaren, sie können ja Sie nicht erkannt haben.Ich selbst... wenn ich nicht wüßte, daß Sie essind... dieser Schleier —.

DIE JUNGE FRAU

Es sind zwei.

DER JUNGE HERR

Wollen Sie nicht ein bißchen näher?... UndIhren Hut legen Sie doch wenigstens ab!

DIE JUNGE FRAU

Was fällt Ihnen ein, Alfred? Ich habe Ihnengesagt: Fünf Minuten... Nein, länger nicht... ich schwöre Ihnen —

DER JUNGE HERR

Also den Schleier —

DIE JUNGE FRAU

Es sind zwei.

DER JUNGE HERR

Nun ja, beide Schleier — ich werde Sie dochwenigstens sehen dürfen.

DIE JUNGE FRAU

Haben sie mich denn lieb, Alfred?

DER JUNGE HERR

tief verletzt.

Emma — Sie fragen mich...

DIE JUNGE FRAU

Es ist hier so heiß.

DER JUNGE HERR

Aber Sie haben ja Ihre Pelzmantille an — Siewerden sich wahrhaftig verkühlen.

DIE JUNGE FRAU

tritt endlich ins Zimmer, wirft sichauf den Fauteuil.

Ich bin todmüd.

DER JUNGE HERR

Erlauben Sie.

Er nimmt ihr den Schleier ab; nimmtdie Nadel aus ihrem Hut, legt Hut, Nadel, Schleier beiseite.

Die Junge Frau läßt es geschehen.

Der Junge Herr steht vor ihr, schüttelt den Kopf.

DIE JUNGE FRAU

Was haben Sie?

DER JUNGE HERR

So schön waren Sie noch nie.

DIE JUNGE FRAU

Wieso?

DER JUNGE HERR

Allein... allein mit Ihnen — Emma —

Er läßt sich neben ihrem Fauteuil nieder, auf ein Knie,nimmt ihre beiden Hände und bedeckt sie mit Küssen.

DIE JUNGE FRAU

Und jetzt... lassen Sie mich wieder gehen.Was Sie von mir verlangt haben, hab' ich getan.

Der Junge Herr läßt seinen Kopf auf ihren Schoß sinken.

Sie haben mir versprochen, brav zu sein.

DER JUNGE HERR

Ja.

DIE JUNGE FRAU

Man erstickt in diesem Zimmer.

DER JUNGE HERR

steht auf.

Noch haben Sie Ihre Mantille an.

DIE JUNGE FRAU

Legen Sie sie zu meinem Hut.

Der Junge Herr nimmt ihr die Mantille ab und legt sie gleichfalls auf den Diwan.

Und jetzt — adieu —

DER JUNGE HERR

Emma — ! Emma! —

DIE JUNGE FRAU

Die fünf Minuten sind längst vorbei.

DER JUNGE HERR

Noch nicht eine! —

DIE JUNGE FRAU

Alfred, sagen Sie mir einmal ganz genau, wiespät es ist.

DER JUNGE HERR

Es ist punkt viertel sieben.

DIE JUNGE FRAU

Jetzt sollte ich längst bei meiner Schwester sein.

DER JUNGE HERR

Ihre Schwester können Sie oft sehen...

DIE JUNGE FRAU

Oh Gott, Alfred, warum haben Sie mich dazuverleitet.

DER JUNGE HERR

Weil ich Sie... anbete, Emma.

DIE JUNGE FRAU

Wie vielen haben Sie das schon gesagt?

DER JUNGE HERR

Seit ich Sie gesehen, niemandem.

DIE JUNGE FRAU

Was bin ich für eine leichtsinnige Person! Wermir das vorausgesagt hätte... noch vor achtTagen... noch gestern...

DER JUNGE HERR

Und vorgestern haben Sie mir ja schon versprochen...

DIE JUNGE FRAU

Sie haben mich so gequält. Aber ich habe esnicht tun wollen. Gott ist mein Zeuge —ich habe es nicht tun wollen... Gestern warich fest entschlossen... Wissen Sie, daß ichIhnen gestern abends sogar einen langen Briefgeschrieben habe?

DER JUNGE HERR

Ich habe keinen bekommen.

DIE JUNGE FRAU

Ich habe ihn wieder zerrissen. Oh, ich hätteIhnen lieber diesen Brief schicken sollen.

DER JUNGE HERR

Es ist doch besser so.

DIE JUNGE FRAU

Oh nein, es ist schändlich... von mir. Ich begreife mich selber nicht. Adieu, Alfred, lassen Sie mich.

Der Junge Herr umfaßt sie und bedeckt ihr Gesichtmit heißen Küssen.

DIE JUNGE FRAU

So... halten Sie Ihr Wort...

DER JUNGE HERR

Noch einen Kuß — noch einen.

DIE JUNGE FRAU

Den letzten.

Er küßt sie; sie erwidert den Kuß; ihreLippen bleiben lange aneinandergeschlossen.

DER JUNGE HERR

Soll ich Ihnen etwas sagen, Emma? Ich weißjetzt erst, was Glück ist.

Die Junge Frau sinkt in ein Fanteuil zurück.Der Junge Herr setzt sich auf die Lehne, schlingteinen Arm leicht um ihren Nacken.

.... oder vielmehr ich weiß jetzt erst, wasGlück sein könnte.

Die Junge Frau seufzt tief auf. Der Junge Herr küßt sie wieder.

DIE JUNGE FRAU

Alfred, Alfred, was machen Sie aus mir!

DER JUNGE HERR

Nicht wahr — es ist hier gar nicht so ungemütlich... Und wir sind ja hier so sicher. Es ist doch tausendmal schöner als diese Rendezvous im Freien...

DIE JUNGE FRAU

Oh, erinnern Sie mich nur nicht daran.

DER JUNGE HERR

Ich werde auch daran immer mit tausend Freudendenken. Für mich ist jede Minute, die ich an IhrerSeite verbringen durfte, eine süße Erinnerung.

DIE JUNGE FRAU

Erinnern Sie sich noch an den Industriellenball?

DER JUNGE HERR

Ob ich mich daran erinnere... ? Da bin ich jawährend des Soupers neben Ihnen gesessen,ganz nahe neben Ihnen. Ihr Mann hat Champagner...

Die Junge Frau sieht ihn klagend an.

Ich wollte nur vom Champagner reden. SagenSie, Emma, wollen Sie nicht ein Glas Kognaktrinken?

DIE JUNGE FRAU

Einen Tropfen, aber geben Sie mir vorher einGlas Wasser.

DER JUNGE HERR

Ja... Wo ist denn nur — ach ja...

Er schlägtdie Portiere zurück und geht ins Schlafzimmer. Die Junge Frau sieht ihm nach. Der Junge Herr kommt zurück mit einer Karaffe Wasser und zwei Trinkgläsern.

DIE JUNGE FRAU

Wo waren Sie denn?

DER JUNGE HERR

Im... Nebenzimmer.

Schenkt ein Glas Wasser ein.

DIE JUNGE FRAU

Jetzt werde ich Sie etwas fragen, Alfred — undschwören Sie mir, daß Sie mir die Wahrheitsagen werden.

DER JUNGE HERR

Ich schwöre —

DIE JUNGE FRAU

War in diesen Räumen schon jemals eine andereFrau?

DER JUNGE HERR

Aber Emma — dieses Haus steht schon zwanzigJahre! —

DIE JUNGE FRAU

Sie wissen, was ich meine, Alfred... Mit Ihnen!Bei Ihnen!

DER JUNGE HERR

Mit mir hier — Emma! — Es ist nicht schön,daß Sie an so etwas denken können.

DIE JUNGE FRAU

Also Sie haben... wie soll ich... Abernein, ich will Sie lieber nicht fragen. Es istbesser, wenn ich nicht frage. Ich bin ja selbstschuld. Alles rächt sich.

DER JUNGE HERR

Ja, was haben Sie denn? Was ist Ihnen denn?Was rächt sich?

DIE JUNGE FRAU

Nein, nein, nein, ich darf nicht zum Bewußtsein kommen... Sonst müßte ich vor Scham in die Erde sinken.

DER JUNGE HERR

mit der Karaffe Wasser in der Hand,schüttelt traurig den Kopf.

Emma, wenn Sie ahnen könnten, wie weh Siemir tun.

Die Junge Frau schenkt sich ein Glas Kognak ein.

Ich will Ihnen etwas sagen, Emma. Wenn Siesich schämen, hier zu sein — wenn ich Ihnenalso gleichgültig bin — wenn Sie nicht fühlen,daß Sie für mich alle Seligkeit der Welt bedeuten — so gehn Sie lieber.

DIE JUNGE FRAU

Ja, das werd ich auch tun.

DER JUNGE HERR

sie bei der Hand fassend.

Wenn Sie aber ahnen, daß ich ohne Sie nichtleben kann, daß ein Kuß auf Ihre Handfür mich mehr bedeutet, als alle Zärtlichkeiten, die alle Frauen auf der ganzen Welt... Emma, ich bin nicht wie die anderen jungen Leute, die den Hof machen können — ich bin vielleicht zu naiv... ich...

DIE JUNGE FRAU

Wenn Sie aber doch sind wie die anderenjungen Leute?

DER JUNGE HERR

Dann wären Sie heute nicht da — denn Siesind nicht wie die anderen Frauen.

DIE JUNGE FRAU

Woher wissen Sie das?

DER JUNGE HERR

hat sie zum Diwan gezogen, sichnahe neben sie gesetzt.

Ich habe viel über Sie nachgedacht. Ich weiß,Sie sind unglücklich.

DIE JUNGE FRAU

erfreut.

Ja.

DER JUNGE HERR

Das Leben ist so leer, so nichtig — und dann,— so kurz — so entsetzlich kurz! Es gibt nurein Glück... einen Menschen finden, vondem man geliebt wird —

Die Junge Frau hat eine kandierte Birne vom Tisch genommen, nimmt sie in den Mund.

Mir die Hälfte!

Sie reicht sie ihm mit den Lippen.

DIE JUNGE FRAU

faßt die Hände des jungen Herrn,die sich zu verirren drohen.

Was tun Sie denn, Alfred... Ist das IhrVersprechen.

DER JUNGE HERR

die Birne verschluckend, dann kühner.

Das Leben ist so kurz.

DIE JUNGE FRAU

schwach.

Aber das ist ja kein Grund —

DER JUNGE HERR

mechanisch.

O ja.

DIE JUNGE FRAU

schwächer.

Schauen Sie Alfred, und Sie haben doch versprochen, brav... Und es ist so hell...

DER JUNGE HERR

Komm, komm, du einzige, einzige...

Erhebt sie vom Diwan empor.

DIE JUNGE FRAU

Was machen Sie denn?

DER JUNGE HERR

Da drin ist es gar nicht hell.

DIE JUNGE FRAU

Ist denn da noch ein Zimmer?

DER JUNGE HERR

zieht sie mit.

Ein schönes... und ganz dunkel.

DIE JUNGE FRAU

Bleiben wir doch lieber hier.

Der Junge Herr bereits mit ihr hinter der Portiere, im Schlafzimmer, nestelt ihr die Taille auf.

Sie sind so... o Gott, was machen Sie ausmir! — Alfred!

DER JUNGE HERR

Ich bete dich an, Emma!

DIE JUNGE FRAU

So wart doch, wart doch wenigstens... schwach.Geh... ich ruf' dich dann.

DER JUNGE HERR

Laß mir dich — laß dir mich — er verspricht sich ... laß... mich — dir — helfen.

DIE JUNGE FRAU

Du zerreißt mir ja alles.

DER JUNGE HERR

Du hast kein Mieder an?

DIE JUNGE FRAU

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