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30.81
Der zerbrochne Krug

Bezpłatny fragment - Der zerbrochne Krug


Objętość:
185 str.
Blok tekstowy:
papier offsetowy 90 g/m2, druk czarno-biały
Format:
145 × 205 mm
Okładka:
miękka
Rodzaj oprawy:
blok klejony
ISBN:
978-83-288-0353-4

PERSONEN

WALTER, Gerichtsrath

ADAM, Dorfrichter

LICHT, Schreiber

FRAU MARTHE RULL

EVE, ihre Tochter

VEIT TÜMPEL, ein Bauer

RUPRECHT, sein Sohn

FRAU BRIGITTE

EIN BEDIENTER, BÜTTEL, MÄDGE, etc.

Die Handlung spielt in einem niederländischen Dorfe bei Utrecht.

Scene: Die Gerichtsstube

ERSTER AUFTRITT

ADAM sitzt und verbindet sich ein Bein.

LICHT tritt auf.

LICHT

Ei, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam!

Was ist mit euch geschehn? Wie seht ihr aus?

ADAM

Ja, seht. Zum Straucheln braucht's doch nichts, als Füße.

Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier?

Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt

Den leid'gen Stein zum Anstoß in sich selbst.

LICHT

Nein, sagt mir, Freund! Den Stein trüg' jeglicher —?

ADAM

Ja, in sich selbst!

LICHT

      Verflucht das!

ADAM

      Was beliebt?

LICHT

Ihr stammt von einem lockern Ältervater,

Der so beim Anbeginn der Dinge fiel,

Und wegen seines Falls berühmt geworden;

Ihr seid doch nicht —?

ADAM

      Nun?

LICHT

      Gleichfalls —?

ADAM

      Ob ich —? Ich glaube —?

Hier bin ich hingefallen, sag ich euch.

LICHT

Unbildlich hingeschlagen?

ADAM

      Ja, unbildlich.

Es mag ein schlechtes Bild gewesen sein.

LICHT

Wann trug sich die Begebenheit denn zu?

ADAM

Jetzt, in dem Augenblick, da ich dem Bett'

Entsteig'. Ich hatte noch das Morgenlied

Im Mund', da stolpr' ich in den Morgen schon,

Und eh' ich noch den Lauf des Tags beginne,

Renkt unser Herrgott mir den Fuß schon aus.

LICHT

Und wohl den linken obenein?

ADAM

      Den linken?

LICHT

Hier, den gesetzten?

ADAM

      Freilich!

LICHT

      Allgerechter!

Der ohnhin schwer den Weg der Sünde wandelt.

ADAM

Der Fuß! Was! Schwer! Warum?

LICHT

      Der Klumpfuß?

ADAM

      Klumpfuß!

Ein Fuß ist, wie der andere, ein Klumpen.

LICHT

Erlaubt! Da thut ihr eurem rechten Unrecht.

Der rechte kann sich dieser — Wucht nicht rühmen,

Und wagt sich eh'r auf's Schlüpfrige.

ADAM

      Ach, was!

Wo sich der Eine hinwagt, folgt der Andre.

LICHT

Und was hat das Gesicht euch so verrenkt?

ADAM

Mir das Gesicht?

LICHT

      Wie? Davon wißt ihr nichts?

ADAM

Ich müßt' ein Lügner sein — wie sieht's denn aus?

LICHT

Wie's aussieht?

ADAM

      Ja, Gevatterchen.

LICHT

      Abscheulich!

ADAM

Erklärt euch deutlicher.

LICHT

      Geschunden ist's,

Ein Gräul zu sehn. Ein Stück fehlt von der Wange,

Wie groß? Nicht ohne Waage kann ich's schätzen.

ADAM

Den Teufel auch!

LICHT

bringt einen Spiegel.

      Hier! Ueberzeugt euch selbst!

Ein Schaaf, das, eingehetzt von Hunden, sich

Durch Dornen drängt, läßt nicht mehr Wolle sitzen,

Als ihr, Gott weiß wo? Fleisch habt sitzen lassen.

ADAM

Hm! Ja! S' ist wahr. Unlieblich sieht es aus.

Die Nas' hat auch gelitten.

LICHT

      Und das Auge.

ADAM

Das Auge nicht, Gevatter.

LICHT

      Ei, hier liegt

Querfeld ein Schlag, blutrünstig, straf mich Gott,

Als hätt' ein Großknecht wüthend ihn geführt.

ADAM

Das ist der Augenknochen. — Ja, nun seht,

Das Alles hatt' ich nicht einmal gespürt.

LICHT

Ja, ja! So geht's im Feuer des Gefechts.

ADAM

Gefecht! Was! — Mit dem verfluchten Ziegenbock,

Am Ofen focht' ich, wenn ihr wollt. Jetzt weiß' ich's.

Da ich das Gleichgewicht verlier, und gleichsam

Ertrunken in den Lüften um mich greife,

Fass' ich die Hosen, die ich gestern Abend

Durchnäßt an das Gestell des Ofens hing.

Nun fass ich sie, versteht ihr, denke mich,

Ich Thor, daran zu halten, und nun reißt

Der Bund; Bund jetzt und Hos' und ich, wir stürzen,

Und Häuptlings mit dem Stirnblatt schmettr' ich auf

Den Ofen hin, just wo ein Ziegenbock

Die Nase an der Ecke vorgestreckt.

LICHT

lacht.

Gut, gut.

ADAM

      Verdammt!

LICHT

      Der erste Adamsfall,

Den ihr aus einem Bett hinaus gethan.

ADAM

Mein Seel! — Doch, was ich sagen wollte, was giebts Neues?

LICHT

Ja, was es Neues giebt! Der Henker hol's,

Hätt' ich's doch bald vergessen.

ADAM

      Nun?

LICHT

Macht euch bereit auf unerwarteten

Besuch aus Utrecht.

ADAM

      So?

LICHT

      Der Herr Gerichtsrath kömmt.

ADAM

Wer kömmt?

LICHT

Der Herr Gerichtsrath Walter kömmt, aus Utrecht.

Er ist in Revisions-Bereisung auf den Ämtern,

Und heut noch trifft er bei uns ein.

ADAM

Noch heut! Seid ihr bei Trost?

LICHT

      So wahr ich lebe.

Er war in Holla, auf dem Gränzdorf, gestern,

Hat das Justizamt dort schon revidirt.

Ein Bauer sah zur Fahrt nach Huisum schon

Die Vorspannpferde vor den Wagen schirren.

ADAM

Heut noch, er, der Gerichtsrath, her, aus Utrecht!

Zur Revision, der wackre Mann, der selbst

Sein Schäfchen schiert, dergleichen Fratzen haßt.

Nach Huisum kommen, und uns cujoniren!

LICHT

Kam er bis Holla, kommt er auch bis Huisum.

Nehmt euch in Acht.

ADAM

      Ach geht!

LICHT

      Ich sag' es euch.

ADAM

Geht mir mit eurem Mährchen, sag' ich euch.

LICHT

Der Bauer hat ihn selbst gesehn, zum Henker.

ADAM

Wer weiß, wen der triefäugige Schuft gesehn.

Die Kerle unterscheiden ein Gesicht

Von einem Hinterkopf nicht, wenn er kahl ist.

Setzt einen Huth dreieckig auf mein Rohr,

Hängt ihm den Mantel um, zwei Stiefeln drunter,

So hält so'n Schubjak ihn für wen ihr wollt.

LICHT

Wohlan so zweifelt fort, ins Teufels Namen,

Bis er zur Thür hier eintritt.

ADAM

      Er, eintreten! —

Ohn' uns ein Wort vorher gesteckt zu haben.

LICHT

Der Unverstand! Als ob's der vorige

Revisor noch, der Rath Wacholder, wäre!

Es ist Rath Walter jetzt, der revidirt.

ADAM

Wenn gleich Rath Walter! Geht, laßt mich zufrieden.

Der Mann hat seinen Amtseid ja geschworen,

Und praktisirt, wie wir, nach den

Bestehenden Edikten und Gebräuchen.

LICHT

Nun ich versichr' euch, der Gerichtsrath Walter

Erschien in Holla unvermuthet gestern,

Vis'tirte Kassen und Registraturen,

Und suspendirte Richter dort und Schreiber,

Warum? ich weiß nicht, ab officio.

ADAM

Den Teufel auch? Hat das der Bauer gesagt?

LICHT

Dies und noch mehr —

ADAM

      So?

LICHT

      Wenn ihr's wissen wollt.

Denn in der Frühe heut sucht man den Richter,

Dem man in seinem Haus' Arrest gegeben,

Und findet hinten in der Scheuer ihn

Am Sparren hoch des Daches aufgehangen.

ADAM

Was sagt ihr?

LICHT

      Hülf' inzwischen kommt herbei,

Man lös't ihn ab, man reibt ihn, und begießt ihn,

Ins nackte Leben bringt man ihn zurück.

ADAM

So? Bringt man ihn?

LICHT

      Doch jetzo wird versiegelt,

In seinem Haus, vereidet und verschlossen,

Es ist, als wär er eine Leiche schon,

Und auch sein Richteramt ist schon beerbt.

ADAM

Ei, Henker, seht! — Ein liederlicher Hund war's —

Sonst eine ehrliche Haut, so wahr ich lebe,

Ein Kerl, mit dem sich's gut zusammen war;

Doch grausam liederlich, das muß ich sagen.

Wenn der Gerichtsrath heut in Holla war,

So ging's ihm schlecht, dem armen Kauz, das glaub' ich.

LICHT

Und dieser Vorfall einzig, sprach der Bauer,

Sei Schuld, daß der Gerichtsrath noch nicht hier;

Zu Mittag treff' er doch ohnfehlbar ein.

ADAM

Zu Mittag! Gut, Gevatter! Jetzt gilt's Freundschaft.

Ihr wißt, wie sich zwei Hände waschen können.

Ihr wollt auch gern, ich weiß, Dorfrichter werden,

Und ihr verdient's, bei Gott, so gut wie Einer.

Doch heut ist noch nicht die Gelegenheit,

Heut laßt ihr noch den Kelch vorübergehn.

LICHT

Dorfrichter, ich! Was denkt ihr auch von mir?

ADAM

Ihr seid ein Freund von wohlgesetzter Rede,

Und euren Cicero habt ihr studirt

Trotz Einem auf der Schul' in Amsterdam.

Drückt euren Ehrgeitz heut hinunter, hört' ihr?

Es werden wohl sich Fälle noch ergeben,

Wo ihr mit eurer Kunst euch zeigen könnt.

LICHT

Wir zwei Gevatterleute! Geht mir fort.

ADAM

Zu seiner Zeit, ihr wißt's, schwieg auch der große

Demosthenes. Folgt hierin seinem Muster.

Und bin ich König nicht von Macedonien,

Kann ich auf meine Art doch dankbar sein.

LICHT

Geht mir mit eurem Argwohn, sag' ich euch.

Hab ich jemals —?

ADAM

      Seht, ich, ich, für mein Theil,

Dem großen Griechen folg' ich auch. Es ließe

Von Depositionen sich und Zinsen

Zuletzt auch eine Rede ausarbeiten:

Wer wollte solche Perioden drehn?

LICHT

Nun, also!

ADAM

      Von solchem Vorwurf bin ich rein,

Der Henker hol's! Und alles, was es gilt,

Ein Schwank ist's etwa, der zur Nacht geboren,

Des Tags vorwitz'gen Lichtstrahl scheut.

LICHT

      Ich weiß.

ADAM

Mein Seel! Es ist kein Grund, warum ein Richter,

Wenn er nicht auf dem Richtstuhl sitzt,

Soll gravitätisch, wie ein Eisbär, sein.

LICHT

Das sag ich auch.

ADAM

      Nun denn, so kommt Gevatter,

Folgt mir ein wenig zur Registratur;

Die Aktenstöße setz' ich auf, denn die,

Die liegen wie der Thurm zu Babylon.

ZWEITER AUFTRITT

Ein BEDIENTER tritt auf. Die VORIGEN. —Nachher: Zwei MÄGDE.

DER BEDIENTE

Gott helf, Herr Richter! Der Gerichtsrath Walter

Läßt seinen Gruß vermelden, gleich wird er hier sein.

ADAM

Ei, du gerechter Himmel! Ist er mit Holla

Schon fertig?

DER BEDIENTE

      Ja, er ist in Huisum schon.

ADAM

He! Liese! Grete!

LICHT

      Ruhig, ruhig jetzt.

ADAM

Gevatterchen!

LICHT

      Laßt euern Dank vermelden.

DER BEDIENTE

Und morgen reisen wir nach Hussahe.

ADAM

Was thu ich jetzt? Was laß ich?

Er greift nach seinen Kleidern.

ERSTE MAGD

tritt auf.

      Hier bin ich, Herr.

LICHT

Wollt ihr die Hosen anziehn? Seid ihr toll?

ZWEITE MAGD

tritt auf.

Hier bin ich, Herr Dorfrichter.

LICHT

      Nehmt den Rock.

ADAM

sieht sich um.

Wer? Der Gerichtsrath?

LICHT

      Ach, die Magd ist es.

ADAM

Die Bäffchen! Mantel! Kragen!

ERSTE MAGD

      Erst die Weste!

ADAM

Was? — Rock aus! Hurtig!

LICHT

zum Bedienten.

      Der Herr Gerichtsrath werden

Hier sehr willkommen sein. Wir sind sogleich

Bereit ihn zu empfangen. Sagt ihm das.

ADAM

Den Teufel auch! Der Richter Adam läßt sich

Entschuldigen.

LICHT

      Entschuldigen!

ADAM

      Entschuld'gen.

Ist er schon unterwegs etwa?

DER BEDIENTE

      Er ist

Im Wirthshaus noch. Er hat den Schmidt bestellt;

Der Wagen ging entzwei.

ADAM

      Gut. Mein Empfehl.

Der Schmidt ist faul. Ich ließe mich entschuld'gen.

Ich hätte Hals und Beine fast gebrochen,

Schaut selbst, s' ist ein Spektakel, wie ich ausseh;

Und jeder Schreck purgirt mich von Natur.

Ich wäre krank.

LICHT

      Seid ihr bei Sinnen? —

Der Herr Gerichtsrath wär sehr angenehm.

— Wollt ihr?

ADAM

      Zum Henker!

LICHT

      Was?

ADAM

      Der Teufel soll mich holen,

Ist's nicht so gut, als hätt' ich schon ein Pulver!

LICHT

Das fehlt noch, daß ihr auf den Weg ihm leuchtet.

ADAM

Margarethe! he! Der Sack voll Knochen! Liese!

DIE BEIDEN MÄGDE.

Hier sind wir ja. Was wollt ihr?

ADAM

      Fort! sag ich.

Kuhkäse, Schinken, Butter, Würste, Flaschen,

Aus der Registratur geschafft! Und flink! —

Du nicht. Die Andere. — Maulaffe! Du, ja!

— Gott's Blitz, Margarethe! Liese soll, die Kuhmagd,

In die Registratur!

Die erste Magd geht ab.

DIE ZWEITE MAGD

      Sprecht, soll man euch verstehn!

ADAM

Halt's Maul jetzt, sag' ich —! Fort! schaff mir die Perücke!

Marsch! Aus dem Bücherschrank! Geschwind! Pack dich!

Die zweite Magd ab.

LICHT

zum Bedienten.

Es ist dem Herrn Gerichtsrath, will ich hoffen,

Nichts Böses auf der Reise zugestoßen?

DER BEDIENTE

Je, nun! Wir sind im Hohlweg umgeworfen.

ADAM

Pest! Mein geschundner Fuß! Ich krieg' die Stiefeln —

LICHT

Ei, du mein Himmel! Umgeworfen, sagt ihr?

Doch keinen Schaden weiter —?

DER BEDIENTE

      Nichts von Bedeutung.

Der Herr verstauchte sich die Hand ein wenig.

Die Deichsel brach.

ADAM

      Daß er den Hals gebrochen!

LICHT

Die Hand verstaucht! Ei, Herr Gott! Kam der Schmidt schon?

DER BEDIENTE

Ja, für die Deichsel.

LICHT

      Was?

ADAM

      Ihr meint, der Doctor.

LICHT

Was?

DER BEDIENTE

      Für die Deichsel?

ADAM

      Ach, was! Für die Hand.

DER BEDIENTE

Adies, ihr Herrn. — Ich glaub', die Kerls sind toll.

ab.

LICHT

Den Schmidt meint' ich.

ADAM

      Ihr gebt euch bloß, Gevatter.

LICHT

Wie so?

ADAM

      Ihr seid verlegen.

LICHT

      Was!

DIE ERSTE MAGD tritt auf.

      He! Liese!

ADAM

Was hast du da?

ERSTE MAGD

      Braunschweiger Wurst, Herr Richter.

ADAM

Das sind Pupillenacten.

LICHT

      Ich, verlegen!

ADAM

Die kommen wieder zur Registratur.

ERSTE MAGD

Die Würste?

ADAM

      Würste! Was! Der Einschlag hier.

LICHT

Es war ein Mißverständniß.

DIE ZWEITE MAGD

tritt auf.

      Im Bücherschrank,

Herr Richter, find ich die Perücke nicht.

ADAM

Warum nicht?

ZWEITE MAGD

      Hm! Weil ihr —

ADAM

      Nun?

ZWEITE MAGD

      Gestern Abend —

Glock eilf —

ADAM

      Nun? Werd ich's hören?

ZWEITE MAGD

      Ei, ihr kamt ja,

Besinnt euch, ohne die Perück' ins Haus.

ADAM

Ich, ohne die Perücke?

ZWEITE MAGD

      In der That.

Da ist die Liese, die's bezeugen kann.

Und Eure andr' ist beim Perückenmacher.

ADAM

Ich wär —?Ich wär —?

ERSTE MAGD

      Ja, meiner Treu, Herr Richter Adam!

Kahlköpfig wart ihr, als ihr wiederkamt;

Ihr spracht, ihr wärt gefallen, wißt ihr nicht?

Das Blut mußt ich euch noch vom Kopfe waschen.

ADAM

Die Unverschämte!

ERSTE MAGD

      Ich will nicht ehrlich sein.

ADAM

Halt's Maul, sag' ich, es ist kein wahres Wort.

LICHT

Habt ihr die Wund' seit gestern schon?

ADAM

      Nein, heut.

Die Wunde heut und gestern die Perücke.

Ich trug sie weiß gepudert auf dem Kopfe,

Und nahm sie mit dem Huth, auf Ehre, bloß,

Als ich ins Haus trat, aus Versehen ab.

Was die gewaschen hat, das weiß ich nicht.

— Scheer dich zum Satan, wo du hingehörst!

In die Registratur!

Erste Magd ab.

      Geh, Margarethe!

Gevatter Küster soll mir seine borgen;

In meine hätt' die Katze heute Morgen

Gejungt, das Schwein! Sie läge eingesäuet

Mir unterm Bette da, ich weiß nun schon.

LICHT

Die Katze? Was? Seid ihr —?

ADAM

      So wahr ich lebe.

Fünf Junge, gelb und schwarz, und eins ist weiß.

Die schwarzen will ich in der Vecht ersäufen.

Was soll man machen? Wollt ihr eine haben?

LICHT

In die Perücke?

ADAM

      Der Teufel soll mich holen!

Ich hatte die Perücke aufgehängt,

Auf einen Stuhl, da ich zu Bette ging,

Den Stuhl berühr' ich in der Nacht, sie fällt —

LICHT

Drauf nimmt die Katze sie ins Maul —

ADAM

      Mein Seel —

LICHT

Und trägt sie unter's Bett und jungt darin.

ADAM

In's Maul? Nein —

LICHT

      Nicht? Wie sonst?

ADAM

      Die Katz'? Ach, was!

LICHT

Nicht? Oder ihr vielleicht?

ADAM

      In's Maul! Ich glaube —!

Ich stieß sie mit dem Fuße heut hinunter,

Als ich es sah.

LICHT

      Gut, gut.

ADAM

      Canaillen die!

Die balzen sich und jungen, wo ein Platz ist.

ZWEITE MAGD

kichernd.

So soll ich hingehn?

ADAM

      Ja, und meinen Gruß

An Muhme Schwarzgewand, die Küsterinn.

Ich schickt' ihr die Perücke unversehrt

Noch heut zurück — ihm brauchst du nichts zu sagen.

Verstehst du mich?

ZWEITE MAGD

      Ich werd' es schon bestellen.

ab.

DRITTER AUFTRITT

ADAM und LICHT.

ADAM

Mir ahndet heut nichts Guts, Gevatter Licht.

LICHT

Warum?

ADAM

      Es geht bunt Alles über Ecke mir.

Ist nicht auch heut Gerichtstag?

LICHT

      Allerdings.

Die Kläger stehen vor der Thüre schon.

ADAM

— Mir träumt', es hätt' ein Kläger mich ergriffen,

Und schleppte vor den Richtstuhl mich; und ich,

Ich säße gleichwohl auf dem Richtstuhl dort,

Und schält' und hunzt' und schlingelte mich herunter,

Und judicirt' den Hals ins Eisen mir.

LICHT

Wie? Ihr euch selbst?

ADAM

      So wahr ich ehrlich bin.

Drauf wurden Beide wir zu Eins, und flohn,

Und mußten in den Fichten übernachten.

LICHT

Nun? Und der Traum meint ihr —?

ADAM

      Der Teufel hol's.

Wenn's auch der Traum nicht ist, ein Schabernack,

Sei's, wie es woll', ist wider mich im Werk!

LICHT

Die läpp'sche Furcht! Gebt ihr nur vorschriftsmäßig,

Wenn der Gerichtsrath gegenwärtig ist,

Recht den Partheien auf dem Richterstuhle,

Damit der Traum vom ausgehunzten Richter

Auf andre Art nicht in Erfüllung geht.

VIERTER AUFTRITT

Der GERICHTSRATH WALTER tritt auf. Die VORIGEN.

WALTER

Gott grüß euch, Richter Adam.

ADAM

      Ei willkommen!

Willkommen, gnäd'ger Herr, in unserm Huisum!

Wer konnte, du gerechter Gott, wer konnte

So freudigen Besuches sich gewärt'gen.

Kein Traum, der heute früh Glock achte noch

Zu solchem Glücke sich versteigen durfte.

WALTER

Ich komm ein wenig schnell, ich weiß; und muß

Auf dieser Reis', in unsrer Staaten Dienst,

Zufrieden sein, wenn meine Wirthe mich

Mit wohlgemeintem Abschiedsgruß entlassen.

Inzwischen ich, was meinen Gruß betrifft,

Ich mein's von Herzen gut, schon wenn ich komme.

Das Obertribunal in Utrecht will

Die Rechtspfleg' auf dem platten Land verbessern,

Die mangelhaft von mancher Seite scheint,

Und strenge Weisung hat der Mißbrauch zu erwarten.

Doch mein Geschäfft auf dieser Reis' ist noch

Ein strenges nicht, sehn soll ich bloß, nicht strafen,

Und find ich gleich nicht Alles, wie es soll,

Ich freue mich, wenn es erträglich ist.

ADAM

Fürwahr, so edle Denkart muß man loben.

Ew. Gnaden werden hie und da, nicht zweifl' ich,

Den alten Brauch im Recht zu tadeln wissen;

Und wenn er in den Niederlanden gleich

Seit Kaiser Karl dem fünften schon besteht:

Was läßt sich in Gedanken nicht erfinden?

Die Welt, sagt unser Sprichwort, wird stets klüger,

Und Alles lies't, ich weiß, den Puffendorff;

Doch Huisum ist ein kleiner Theil der Welt,

Auf den nicht mehr, nicht minder, als sein Theil nur

Kann von der allgemeinen Klugheit kommen.

Klärt die Justiz in Huisum gütigst auf,

Und überzeugt euch, gnäd'ger Herr, ihr habt

Ihr noch sobald den Rücken nicht gekehrt,

Als sie auch völlig euch befried'gen wird;

Doch fändet ihr sie heut im Amte schon,

Wie ihr es wünscht, mein Seel, so wär's ein Wunder,

Da sie nur dunkel weiß noch, was ihr wollt.

WALTER

Es fehlt an Vorschriften, ganz recht. Vielmehr

Es sind zu viel, man wird sie sichten müssen.

ADAM

Ja, durch ein großes Sieb. Viel Spreu! Viel Spreu!

WALTER

Das ist dort der Herr Schreiber?

LICHT

      Der Schreiber Licht,

Zu Eurer hohen Gnaden Diensten. Pfingsten

Neun Jahre, daß ich im Justizamt bin.

ADAM

bringt einen Stuhl.

Setzt euch.

WALTER

      Laßt sein.

ADAM

      Ihr kommt von Holla schon.

WALTER

Zwei kleine Meilen — Woher wißt ihr das?

ADAM

Woher? Ew. Gnaden Diener —

LICHT

      Ein Bauer sagt' es,

Der eben jetzt von Holla eingetroffen.

WALTER

Ein Bauer?

ADAM

      Aufzuwarten.

WALTER

      — Ja! Es trug sich

Dort ein unangenehmer Vorfall zu,

Der mir die heitre Laune störte,

Die in Geschäften uns begleiten soll. —

Ihr werdet davon unterrichtet sein?

ADAM

Wär's wahr, gestrenger Herr? Der Richter Pfaul,

Weil er Arrest in seinem Haus' empfing,

Verzweiflung hätt' den Thoren überrascht,

Er hing sich auf?

WALTER

      Und machte Übel ärger.

Was nur Unordnung schien, Verworrenheit,

Nimmt jetzt den Schein an der Veruntreuung,

Die das Gesetz, ihr wißt's, nicht mehr verschont. —

Wie viele Kassen habt ihr?

ADAM

      Fünf, zu dienen.

WALTER

Wie, fünf? Ich stand im Wahn — Gefüllte Kassen?

Ich stand im Wahn, daß ihr nur vier —

ADAM

      Verzeiht!

Mit der Rhein-Inundations-Collecten-Kasse?

WALTER

Mit der Inundations-Collecten-Kasse!

Doch jetzo ist der Rhein nicht inundirt,

Und die Collecten gehn mithin nicht ein.

— Sagt doch, ihr habt ja wohl Gerichtstag heut?

ADAM

Ob wir —?

WALTER

      Was?

LICHT

      Ja, den ersten in der Woche.

WALTER

Und jene Schaar von Leuten, die ich draußen

Auf eurem Flure sah, sind das —?

ADAM

      Das werden —

LICHT

Die Kläger sind's, die sich bereits versammeln.

WALTER

Gut. Dieser Umstand ist mir lieb, ihr Herren.

Laßt diese Leute, wenn's beliebt, erscheinen.

Ich wohne dem Gerichtsgang bei; ich sehe

Wie er in eurem Huisum üblich ist.

Wir nehmen die Registratur, die Kassen,

Nachher, wenn diese Sache abgethan.

ADAM

Wie ihr befehlt. — Der Büttel! He! Hanfriede!

FÜNFTER AUFTRITT

Die ZWEITE MAGD tritt auf. Die VORIGEN.

ZWEITE MAGD

Gruß von Frau Küsterinn, Herr Richter Adam;

So gern sie die Perück' euch auch —

ADAM

      Wie? Nicht?

ZWEITE MAGD

Sie sagt, es wäre Morgenpredigt heute;

Der Küster hätte selbst die eine auf,

Und seine andre wäre unbrauchbar,

Sie sollte heut zu dem Perückenmacher.

ADAM

Verflucht!

ZWEITE MAGD

      Sobald der Küster wieder kömmt,

Wird sie jedoch sogleich euch seine schicken.

ADAM

Auf meine Ehre, gnäd'ger Herr —

WALTER

      Was giebt's?

ADAM

Ein Zufall, ein verwünschter, hat um beide

Perücken mich gebracht. Und jetzt bleibt mir

Die dritte aus, die ich mir leihen wollte:

Ich muß kahlköpfig den Gerichtstag halten.

WALTER

Kahlköpfig!

ADAM

      Ja, beim ewigen Gott! So sehr

Ich ohne der Perücke Beistand um

Mein Richteransehn auch verlegen bin.

— Ich müßt' es auf dem Vorwerk noch versuchen,

Ob mir vielleicht der Pächter —?

WALTER

      Auf dem Vorwerk!

Kann jemand anders hier im Orte nicht —?

ADAM

Nein, in der That —

WALTER

      Der Prediger vielleicht.

ADAM

Der Prediger? Der —

WALTER

      Oder Schulmeister.

ADAM

Seit der Sackzehnde abgeschafft, Ew. Gnaden,

Wozu ich hier im Amte mitgewirkt,

Kann ich auf beider Dienste nicht mehr rechnen.

WALTER

Nun, Herr Dorfrichter? Nun? Und der Gerichtstag?

Denkt ihr zu warten, bis die Haar' euch wachsen?

ADAM

Ja, wenn ihr mir erlaubt, schick' ich auf's Vorwerk.

WALTER

— Wie weit ist's auf das Vorwerk?

ADAM

      Ei! Ein kleines

Halbstündchen.

WALTER

      Eine halbe Stunde, was!

Und Eurer Sitzung Stunde schlug bereits.

Macht fort! Ich muß noch heut nach Hussahe.

ADAM

Macht fort! Ja —

WALTER

      Ei, so pudert euch den Kopf ein!

Wo Teufel auch, wo ließt ihr die Perücken?

— Helft euch so gut ihr könnt. Ich habe Eile.

ADAM

Auch das.

DER BÜTTEL

tritt auf.

      Hier ist der Büttel!

ADAM

      Kann ich inzwischen

Mit einem guten Frühstück, Wurst aus Braunschweig,

Ein Gläschen Danziger etwa —

WALTER

      Danke sehr.

ADAM

Ohn' Umständ'!

WALTER

      Dank', ihr hört's, hab's schon genossen.

Geht ihr, und nutzt die Zeit, ich brauche sie,

In meinem Büchlein etwas mir zu merken.

ADAM

Nun, wenn ihr so befehlt — Komm, Margarethe!

WALTER

— Ihr seid ja bös' verletzt, Herr Richter Adam.

Seid ihr gefallen?

ADAM

      — Hab' einen wahren Mordschlag

Heut früh, als ich dem Bett' entstieg, gethan:

Seht, gnäd'ger Herr Gerichtsrath, einen Schlag

Ins Zimmer hin, ich glaubt' es wär' ins Grab.

WALTER

Das thut mir leid. — Es wird doch weiter nicht

Von Folgen sein?

ADAM

      Ich denke nicht. Und auch

In meiner Pflicht soll's weiter mich nicht stören. —

Erlaubt!

WALTER

      Geht, geht!

ADAM

zum Büttel.

      Die Kläger rufst du — Marsch!

Adam, die Magd und der Büttel ab.

SECHSTER AUFTRITT

FRAU MARTHE, EVE, VEIT und RUPRECHT treten auf. —WALTER und LICHT im Hintergrunde.

FRAU MARTHE

Ihr krugzertrümmerndes Gesindel, ihr!

Ihr sollt mir büßen, ihr!

VEIT

      Sei sie nur ruhig,

Frau Marth'! Es wird sich Alles hier entscheiden.

FRAU MARTHE

O ja. Entscheiden. Seht doch. Den Klugschwätzer.

Den Krug mir, den zerbrochenen, entscheiden.

Wer wird mir den geschied'nen Krug entscheiden?

Hier wird entschieden werden, daß geschieden

Der Krug mir bleiben soll. Für so'n Schiedsurtheil

Geb' ich noch die geschied'nen Scherben nicht.

VEIT

Wenn sie sich Recht erstreiten kann, sie hört's,

Ersetz' ich ihn.

FRAU MARTHE

      Er mir den Krug ersetzen.

Wenn ich mir Recht erstreiten kann, ersetzen.

Setz' er den Krug mal hin, versuch' er's mal,

Setz' er'n mal hin auf das Gesims! Ersetzen!

Den Krug, der kein Gebein zum Stehen hat,

Zum Liegen oder Sitzen hat, ersetzen!

VEIT

Sie hört's! Was geifert sie? Kann man mehr thun?

Wenn Einer ihr von uns den Krug zerbrochen,

Soll sie entschädigt werden.

FRAU MARTHE

      Ich entschädigt!

Als ob ein Stück von meinem Hornvieh spräche.

Meint er, daß die Justiz ein Töpfer ist?

Und kämen die Hochmögenden und bänden

Die Schürze vor, und trügen ihn zum Ofen,

Die könnten sonst was in den Krug mir thun,

Als ihn entschädigen. Entschädigen!

RUPRECHT

Laß er sie, Vater. Folg' er mir. Der Drache!

S' ist der zerbrochne Krug nicht, der sie wurmt,

Die Hochzeit ist es, die ein Loch bekommen,

Und mit Gewalt hier denkt sie sie zu flicken.

Ich aber setze noch den Fuß Eins drauf:

Verflucht bin ich, wenn ich die Metze nehme.

FRAU MARTHE

Der eitle Flaps! Die Hochzeit ich hier flicken!

Die Hochzeit, nicht des Flickdrahts, unzerbrochen

Nicht Einen von des Kruges Scherben werth.

Und stünd' die Hochzeit blankgescheuert vor mir,

Wie noch der Krug auf dem Gesimse gestern,

So faßt' ich sie beim Griff jetzt mit den Händen,

Und schlüg' sie gellend ihm am Kopf entzwei,

Nicht aber hier die Scherben möcht' ich flicken!

Sie flicken!

EVE

      Ruprecht!

RUPRECHT

      Fort du —!

EVE

      Liebster Ruprecht!

RUPRECHT

Mir aus den Augen!

EVE

      Ich beschwöre dich.

RUPRECHT

Die Lüderliche —! Ich mag nicht sagen, was.

EVE

Laß mich ein einz'ges Wort dir heimlich —

RUPRECHT

      Nichts!

EVE

— Du gehst zum Regimente jetzt, o Ruprecht,

Wer weiß, wenn du erst die Muskete trägst,

Ob ich dich je im Leben wieder sehe.

Krieg ist's, bedenke, Krieg, in den du ziehst:

Willst du mit solchem Grolle von mir scheiden?

RUPRECHT

Groll? Nein, bewahr' mich Gott, das will ich nicht.

Gott schenk' dir so viel Wohlergehn, als er

Erübrigen kann. Doch kehrt ich aus dem Kriege

Gesund, mit erzgegoßnem Leib zurück,

Und würd' in Huisum achtzig Jahre alt,

So sagt ich noch im Tode zu dir: Metze!

Du willst's ja selber vor Gericht beschwören.

FRAU MARTHE

zu Eve.

Hinweg! Was sagt' ich dir? Willst du dich noch

Beschimpfen lassen? Der Herr Corporal

Ist was für dich, der würd'ge Holzgebein,

Der seinen Stock im Militair geführt,

Und nicht dort der Maulaffe, der dem Stock

Jetzt seinen Rücken bieten wird. Heut ist

Verlobung, Hochzeit, wäre Taufe heute,

Es wär' mir recht, und mein Begräbniß leid' ich,

Wenn ich dem Hochmuth erst den Kamm zertreten,

Der mir bis an die Krüge schwillet.

EVE

      Mutter!

Laßt doch den Krug! Laßt mich doch in der Stadt versuchen,

Ob ein geschickter Handwerksmann die Scherben,

Nicht wieder euch zur Lust zusammenfügt.

Und wär's um ihn geschehn, nehmt meine ganze

Sparbüchse hin, und kauft euch einen neuen.

Wer wollte doch um einen irdnen Krug,

Und stammt er von Herodes Zeiten her,

Solch einen Aufruhr, so viel Unheil stiften.

FRAU MARTHE

Du sprichst, wie du's verstehst. Willst du etwa

Die Fiedel tragen, Evchen, in der Kirche

Am nächsten Sonntag reuig Buße thun?

Dein guter Name lag in diesem Topfe,

Und vor der Welt mit ihm ward er zerstoßen,

Wenn auch vor Gott nicht, und vor mir und dir.

Der Richter ist mein Handwerksmann, der Schergen,

Der Block ist's, Peitschenhiebe, die es braucht,

Und auf den Scheiterhaufen das Gesindel,

Wenn's unsre Ehre weiß zu brennen gilt,

Und diesen Krug hier wieder zu glasiren.

SIEBENTER AUFTRITT

ADAM im Ornat, doch ohne Perücke, tritt auf. Die VORIGEN.

ADAM

für sich.

Ei, Evchen. Sieh! Und der vierschröt'ge Schlingel,

Der Ruprecht! Ei, was Teufel, sieh! die ganze Sippschaft!

— Die werden mich doch nicht bei mir verklagen?

EVE

O liebste Mutter, folgt mir, ich beschwör' euch,

Laßt diesem Unglückszimmer uns entfliehen!

ADAM

Gevatter! Sagt mir doch, was bringen die?

LICHT

Was weiß ich? Lärm um nichts; Lappalien.

Es ist ein Krug zerbrochen worden, hör' ich.

ADAM

Ein Krug! So! Ei! — Ei, wer zerbrach den Krug?

LICHT

Wer ihn zerbrochen?

ADAM

      Ja, Gevatterchen.

LICHT

Mein Seel, setzt euch: so werdet ihr's erfahren.

ADAM

heimlich.

Evchen!

EVE

gleichfalls.

      Geh er.

ADAM

      Ein Wort.

EVE

      Ich will nichts wissen.

ADAM

Was bringt ihr mir?

EVE

      Ich sag' ihm, er soll gehn.

ADAM

Evchen! Ich bitte dich! Was soll mir das bedeuten?

EVE

Wenn er nicht gleich —! Ich sag's ihm, laß er mich.

ADAM

zu Licht.

Gevatter, hört, mein Seel, ich halt's nicht aus.

Die Wund' am Schienbein macht mir Übelkeiten;

Führt ihr die Sach', ich will zu Bette gehn.

LICHT

Zu Bett —? Ihr wollt —? Ich glaub', ihr seid verrückt.

ADAM

Der Henker hol's. Ich muß mich übergeben.

LICHT

Ich glaub, ihr ras't, im Ernst. So eben kommt ihr —?

— Meinethalben. Sagt's dem Herrn Gerichtsrath dort.

Vielleicht erlaubt er's. — Ich weiß nicht, was euch fehlt?

ADAM

wieder zu Even.

Evchen! Ich flehe dich! Um alle Wunden!

Was ist's, das ihr mir bringt?

EVE

      Er wird's schon hören.

ADAM

Ist's nur der Krug dort, den die Mutter hält,

Den ich so viel —?

EVE

      Ja, der zerbrochne Krug nur.

ADAM

Und weiter nichts?

EVE

      Nichts weiter.

ADAM

      Nichts? Gewiß nichts?

EVE

Ich sag' ihm, geh er. Laß er mich zufrieden.

ADAM

Hör du, bei Gott, sei klug, ich rath' es dir.

EVE

Er, Unverschämter!

ADAM

      In dem Attest steht

Der Nahme jetzt, Fracturschrift, Ruprecht Tümpel.

Hier trag' ich's fix und fertig in der Tasche;

Hörst du es knackern, Evchen? Sieh, das kannst du,

Auf meine Ehr', heut übers Jahr dir holen.

Dir Trauerschürz' und Mieder zuzuschneiden,

Wenn's heißt: der Ruprecht in Batavia

Krepirt' — ich weiß, an welchem Fieber nicht,

War's gelb, war's scharlach, oder war es faul.

WALTER

Sprecht nicht mit den Parthei'n, Herr Richter Adam,

Vor der Session! Hier setzt euch, und befragt sie.

ADAM

Was sagt er? — Was befehlen Ew. Gnaden?

WALTER

Was ich befehl'? — Ich sagte deutlich euch,

Daß ihr nicht heimlich vor der Sitzung sollt

Mit den Parthein zweideut'ge Sprache führen.

Hier ist der Platz, der eurem Amt gebührt,

Und öffentlich Verhör, was ich erwarte.

ADAM

für sich.

Verflucht! Ich kann mich nicht dazu entschließen —!

— Es klirrte etwas, da ich Abschied nahm —

LICHT

ihn aufschreckend.

Herr Richter! Seid ihr —?

ADAM

      Ich? Auf Ehre nicht!

Ich hatte sie behutsam drauf gehängt,

Und müßt' ein Ochs gewesen sein —

LICHT

      Was?

ADAM

      Was?

LICHT

      Ich fragte —?

ADAM

Ihr fragtet, ob ich —?

LICHT

      Ob ihr taub seid, fragt' ich.

Dort Sr. Gnaden haben euch gerufen.

ADAM

Ich glaubte —? Wer ruft?

LICHT

      Der Herr Gerichtsrath dort.

ADAM

für sich.

Ei! Hol's der Henker auch! Zwei Fälle giebt's,

Mein Seel, nicht mehr, und wenn's nicht biegt, so bricht's.

— Gleich! Gleich! Gleich! Was befehlen Ew. Gnaden?

Soll jetzt die Procedur beginnen?

WALTER

Ihr seid ja sonderbar zerstreut. Was fehlt euch?

ADAM

— Auf Ehr'! Verzeiht. Es hat ein Perlhuhn mir,

Das ich von einem Indienfahrer kaufte,

Den Pips: ich soll es nudeln, und versteh's nicht,

Und fragte dort die Jungfer bloß um Rath.

Ich bin ein Narr in solchen Dingen, seht,

Und meine Hühner nenn' ich meine Kinder.

WALTER

Hier. Setzt euch. Ruft den Kläger und vernehmt ihn.

Und ihr, Herr Schreiber, führt das Protokoll.

ADAM

Befehlen Ew. Gnaden den Proceß

Nach den Formalitäten, oder so,

Wie er in Huisum üblich ist, zu halten?

WALTER

Nach den gesetzlichen Formalitäten,

Wie er in Huisum üblich ist, nicht anders.

ADAM

Gut, gut. Ich werd' euch zu bedienen wissen.

Seid ihr bereit, Herr Schreiber?

LICHT

      Zu euren Diensten.

ADAM

— So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!

Klägere trete vor.

FRAU MARTHE

      Hier, Herr Dorfrichter!

ADAM

Wer seyd ihr?

FRAU MARTHE

      Wer —?

ADAM

      Ihr.

FRAU MARTHE

      Wer ich —?

ADAM

      Wer ihr seid!

Wes Namens, Standes, Wohnorts, und so weiter.

FRAU MARTHE

Ich glaub', er spaßt, Herr Richter.

ADAM

      Spaßen, was!

Ich sitz' im Namen der Justiz, Frau Marthe,

Und die Justiz muß wissen, wer ihr seid.

LICHT

halb laut.

Laßt doch die sonderbare Frag' —

FRAU MARTHE

      Ihr guckt

Mir alle Sonntag in die Fenster ja,

Wenn ihr auf's Vorwerk geht!

WALTER

      Kennt ihr die Frau?

ADAM

Sie wohnt hier um die Ecke, Ew. Gnaden,

Wenn man den Fußsteig durch die Hecken geht;

Wittw' eines Kastellans, Hebamme jetzt,

Sonst eine ehrliche Frau, von gutem Rufe.

WALTER

Wenn ihr so unterrichtet seid, Herr Richter,

So sind dergleichen Fragen überflüßig.

Setzt ihren Namen in das Protokoll,

Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.

ADAM

Auch das. Ihr seid nicht für Formalitäten.

Thut so, wie Sr. Gnaden anbefohlen.

WALTER

Fragt nach dem Gegenstand der Klage jetzt.

ADAM

Jetzt soll ich —?

WALTER

      Ja, den Gegenstand ermitteln!

ADAM

Das ist gleichfalls ein Krug, verzeiht.

WALTER

      Wie? Gleichfalls!

ADAM

Ein Krug. Ein bloßer Krug. Setzt einen Krug,

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